Kapelle "Madonna im Grünen"

Schmiedegasse, Köln - Weidenpesch

Kapelle "Madonna im Grünen", erbaut 1953/54, Weihe 1954. Architekt: Schautes, Stiftung des Fabrikanten Thomas Tromm (Wiederverwendung alter Steine der an diesem Ort (Standort der früheren - weitaus größer dimensionierten - südöstlich des heutigen Kapellenstandortes errichteten und kriegszerstörten ehemaligen Kirche St. Stephanus von 1860/62 und des Merheimer Kirchhofs). Geosteter Saalbau auf sechseckiger (wabenförmiger) Grundfläche, an den Längsseiten des Sechsecks im Westen und Osten querrechteckige Querjoche angefügt, gerader Chorschluß. Putzfassade, weiß gestrichen, seitlich zu den Traufseiten mittenhin spitz zulaufendes abgeschlepptes Schieferdach, altdeutsche Deckung, Dachreiter mit Glocke. Dreistufige Treppe (an den Seiten abgeschrägt) führt zum Eingang, vorkragende Wetterplatte, an den Seiten abgeschrägt als Verdachung, bleigefaßt. Vorjoch (Westen): zweigeschossig, vertikale Gliederung der gesamten Fassade bis in das durch die Dachform vorgegebene Giebeldreieck, Eingangsfront, zweiflügelig, Eingang sowie seitliche Fenster in Schmiedeeisenwerk, sprossengeteilt, Buntglasscheiben, vierteilige Verglasung mit Metallsprossen, Buntglas. Erdgeschoß: Im Eingangsbereich Kunststeinbodenbelag. Dachreiter nimmt die Dreieckgiebelform der Fassade auf, Bekrönung durch Wetterhahn. Chorjoch (Osten): weitgehend geschlossene, verputzte Wand bildet Fläche für ein Holzkreuz, das auf einer Natursteinplatte ruht, weitere zwei flankierende Platten bisher ohne Figurenschmuck, im Dreieckgiebel Sechseckfenster, Bekrönung durch Kreuz auf Erdkugel, an den Seiten des Chorjochs schmale hochreckteckige Fenster mit Buntglas. Die Gestalt der Seitenfassaden vorgegeben durch den Seckseckgrundriß und das weit herabschleppende Schieferdach, Einschluß vertikaler Fenster, deren Stürze der Dachform folgen, Buntglas, sämtliche Fenster vergittert. Im Inneren: Kunststeinbodenbelag, grau/schwarz, Wände verputzt, weiß gestrichen, im Westen Empore, die in den Saalraum vorkragt, Zugang gibt eine gewendelte Treppe mit gezogenen Stufen, Kunststein, gemauerte Wange, schmiedeeisernes Geländer mit Handlauf in Holz. Holzbalkendecke, flach. Chorjoch zwei Stufen erhöht, Altar, Kunststein (birgt die Reliquien der Hll. Ursula und Gereon), flankiert von Holzstatuen (Hl. Thomas von Aquin, Namenspatron des Stifters und Stephan, Patron von Weidenpesch), über dem Altar Statue der Maria als Königin der Welt, Eichenholz. Zwölfteiliger Ölgemäldezyklus aus dem Leben Jesu. An der Nordseite der Fassade Inschrifttafel in Metall mit Abbildung der alten Kirche St. Stephanus sowie Datierung des Neubaus MCMLIV und die Initialen des Stifters TCT. Die niedrige Backsteinmauer, die die Grünanlage einfaßt, ist ebenso Bestandteil des Denkmals wie die modellierte, das Gebäude umgebende Grünanlage mit Rasenflächen und niedrigem Buschwerk. Bestandteil des Denkmals ist die nach Osten hin das Grundstück einfassende, ehemals den Kirchhof umgebende Backsteinmauer. In diese sind historische Grabsteine des Merheimer Kirchhofs eingelassen.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, religiöse, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

1888 ging mit der Eingemeindung der Bürgermeisterei Longerich auch das auf mittelalterliche Ursprünge zurückreichende Pfarrkirchdorf Merheim (seit 1952 Weidenpesch) nach Köln. Der Ort war im Gegensatz zu der bereits industriell entwikkelten Nachbargemeinde Nippes in Charakter und Erscheinungsbild ländlich geprägt. Der dörfliche Rahmen wurde erst um die Jahrhundertwende, nach der Eröffnung des Nordfriedhofs 1896 und der Pferderennbahn 1898, gesprengt. Seit dieser Zeit entstanden an der Hauptverkehrsachse des Vororts, vorerst im ursprünglichen Ortszentrum westlich der Neusser Straße im Bereich der Schmiedegasse mehrstöckige Miethäuser. Ca. 1910 setzte dort der Siedlungsbau zum Kölner Wohnvorort ein. Es entstanden in einem Zuge der geschlossene Siedlungskomplex des Möbelfabrikanten Pallenberg mit Arbeiterhäusern und zugehörigen Nutzgärten und weitere städtisch geprägte Reihenmietbauten sowie am Ende der 20er Jahre Mietwohnungsblöcke der Wohnungsbaugenossenschaft Nord. Das heutige Weidenpesch ist durchsetzt von Mietbauten aus jüngster Zeit. Von bedeutenden Bauten aus älterer Vergangenheit hat sich nur wenig erhalten. Lediglich das alte Straßennetz mit einigen bescheidenen zum Teil veränderten dörflichen Bauten und Wegekreuzen stammt noch aus ländlich geprägter Zeit. Das alte Ortszentrum Weidenpesch lag westlich der Neusser Straße im Bereich der Schmiedegasse, wo sich auch die alte Dorfkirche St. Stephan und der sie umgebende Kirchhof befanden. Weitläufige, zum Teil offene Grünanlagen, sowohl in der direkten Umgebung der Kapelle (ein dort platziertes Kriegerdenkmal in Stein befindet sich südlich des Kirchengebäudes) und westlich anschließend im Bereich des Nordfriedhofs, als auch in dem von schmalen Straßen mit Ziergärten durchsetzten Wohnumfeld Jesuiten-/Schmiedegasse, sind prägend für das westlich der Weidenpescher Hauptverkehrsachse Neusser Straße gelegene Wohngebiet. Die Kapelle "Madonna im Grünen" liegt innerhalb einer großen baumbestandenen und von einer niedrigen Backsteinmauer gefaßten Grünfläche im Kreuzungsbereich Schmiedegasse/Leuthen-/Feuerstraße. Vom Straßenraum geben unbefestigte Fußwege Zugang zur Kapelle. Der gesamte Bereich ist platzartig umgeben von Wohnbebauung der 1920er/30er Jahre und von Nachkriegsneubauten. Dem Eingang des Gotteshauses vis-à-bis liegt nach Westen hin das ehemalige Pfarrhaus, ein repräsentatives Villengebäude aus der Zeit der Jahrhundertwende. An der Gebäudekante über dem Eingang des ehemaligen Pfarrhauses und dem Kirchengebäude zugewandt befindet sich eine Nische, in der eine mit diesem korrespondierende Marienstatue aufgestellt war. Der Kapellenbau weist Besonderheiten auf, die für die Analyse des Bauwerks, für seine Baugeschichte und Gestalt von Bedeutung sind. Die Errichtung der Kapelle wurde durch die Privatstiftung einer Einzelperson realisiert. Mit dem Stiftungsakt verband der Stifter eingennützige Ansprüche, die Verknüpfung des Bauwerks mit seinem Namen und seiner Person (Stifterinitialen TCT am Eingangsbereich) hatten direkten und bestimmenden Einfluß auf die Baugestalt. Darüber hinaus ist das Gebäude vom Grundriß ausgehend und bis in Einzelmotive hinein geprägt von einer privaten Stiftersymbolik in Gestalt des sinnbildlichen Motivs des Sechsecks, das im Grundriß, als Ornament an den Türgittern und als Einschluß in den Buntglasscheiben sowie als Chorfenster erscheint. Es geht auf Initiative des Stifters und Bauherrn zurück, der - Eigentümer einer Wachsfabrik - sich das Symbol des Sechsecks, die natürliche Form der Wabe, aus Repräsentations, möglicherweise auch aus religiös motivierten Gründen zu eigen machte und seinem Stiftungsbauwerk als Gestaltungselement vorgab. Bauherr und Architekt legten der Gestalt des Kapellengebäudes ein symbolträchtiges Motiv zugrunde und dokumentieren somit einen Aspekt schöpferischer Gestaltungsweisen in Form der durch Architektur gestalteten Umwelt. Diese gestaltbildende Qualität des Gebäudes ist charakteristischer Ausdruck für das Bauschaffen der 50er Jahre, und vermittelt auch heute noch aussagekräftig die Bemühungen der Zeitgenossen auf der Suche nach neuen und kreativen Gestaltungsmöglichkeiten der Zeit. Die 50er Jahre, die erste Wiederaufbauphase nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs, geraten als inzwischen abgeschlossene Periode des Bauschaffens immer mehr in das Interesse der Allgemeinheit. Aus dieser Zeit verfügt Köln über eine Anzahl von Bauwerken von hoher baukünstlerischer und städtebaulicher Qualität. Das Kapellengebäude an der Schmiedegasse ist als besonders qualitätvoller Bau der Nachkriegsarchitektur innerhalb der in Einheit mit dem Gotteshaus gestalteten Grünanlage (Gestaltungsmerkmale: umgebende Backsteinmauer, teilweise ohne exakte untere horizontale Begrenzung, Rasengrün, Buschwerkinseln im randlichen Bereich, abgerundete leicht geschwungene Linienführung, asymmetrische Formationen, Geländemodellierung, Pflanzung mehrerer gleichartiger Bäume in einer Pflanzstelle) und einschließlich dieser, unbedingt erhaltenswert. Sowohl als Bestandteil des Platzensembles im alten Dorfbereich von Weidenpesch, als architektonische Schöpfung, als Folgebau der kriegszerstörten Pfarrkirche St. Stephan und als bürgerliche Stiftungsinitiative ist das Bauwerk ein unverzichtbares Dokument der religiös-kirchlichen Tradition des Ortes und für die Neugestaltung von Weidenpesch nach dem Zweiten Weltkrieg.

Referenz: 7882


Das Denkmal hat die Nummer 7648 und ist seit dem 12. September 1995 geschützt.

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