Industriebau - Gebäude 33 und 38 (Kesselhaus)

Henry-Ford-Str., 50735 Köln - Niehl
Errichtet: 07.09.1930 - 01.04.1931/Erweiterungsbau und Umgestaltung um 1955


 

Gebäudekomplex auf rechteckigem Grundriß einschließlich

  • des Wasserturms
  • der Kaimauer am Rheinufer mit
    • Halbportalkran
    • anliegendem bildhauerischem Denkmal
  • des dem Gebäude vorgelagerten Grünstreifens entlang der Henry-FordStraße.

 

  • Ursprungsbau

     Architekt: Edmund Körner (1874-1940)

achtzig ausführende Firmen unter der Leitung von den Firmen Peter Bauwens und Philipp Holzmann A G

  • Erweiterungsbau und Umgestaltung um 1955

     Architekt: Peter Friedrich Schneider (1901-1981)

  • Denkmal an der Ufermauer errichtet: 1931

     Bildhauer: Willy Meller (1887-1974)

 

 

Kesselhaus (Gebäude 38)

  • in die südöstliche Ecke des Gebäudes 33 eingepaßtes 24 m hohes, nach außen in fünf Geschosse gegliedertes Gebäude, auf acht bis zehn Meter tiefen Betonpfeilern (Franki-Pfähle) gegründet
  • Eisenbetonkonstruktion (im Innern Betonrippen sichtbar) mit Klinkerfassaden
  • Südseite und Ostfassade jeweils durch fünf vertikale von schmalen Rippen flankierte Fensterbändern gegliedert
  • an der Südseite im unteren Bereich der verklinkerten linken Backsteinfassade Rundfenster mit originaler Vergitterung
  • in linker Fensterachse auf der Ostfront Tor
  • in gleicher Achse oben feststehende Krananlage
  • Stahlfenster mit originalen Metallsprossen
  • vorkragendes Flachdach

 

Inneres

im Innern original

  • 2 Kohleschütten
  • Steintreppe bis zum ersten Obergeschoss
  • Metalltreppe ab dem ersten Obergeschoss

 

Nicht Bestandteil des Denkmals ist der westlich angeschlossene, schlanke Metallrohrkamin (ersetzte den ursprünglichen Backsteinkamin)

 

Bürotrakt und Produktionshallen: (Gebäude 33):

  • Bürotrakt heute drei Geschosse (nach 1950 aufgestockt); ursprünglich ein bis zwei Geschosse
  • Betonbinder- und Eisenkonstruktionen
  • Fassaden mit Backstein- und Kunststeinverblendung mit horizontalen Fensterbändern gemäß dem Neuen sachlichem Bauen
  • Fenster
    • ursprünglich alle Fenster mit Stahlfassungen und Stahlgliederungen
    • heute teilweise verändert, insbesondere entlang der Südfront
    • komplett erhalten entlang der Ostfront
  • Westfront durch spätere Erweiterung nicht mehr vorhanden
  • Dächer
    • ursprüngliche Dachaufbauten: satteldachförmige Glasdächer in Verbindung mit Metalleindeckung
    • heute sheddachartiger Aufbau auf Bürotrakt
    • alle Dächer vorkragend


Südfront

  • ursprünglich fünfzehn Achsen
  • heute erweitert auf neunzehn Achsen
  • Fensterbänder jeweils durch verputzte Pfeiler untergliedert
  • die drei östlichen Achsen im doppelter Breite, bzw. zwei Fenster in den Obergeschossen oberhalb einer Öffnung
  • Erdgeschoss einst als von außen zugänglicher Autoausstellungsraum in beiden östlichen Achsen je eine bis zum Fußboden heruntergezogene Öffnungen
  • in dritter Achse von rechts Eingang
    • seitlich und oben vorkragende, relativ tiefe verputzte Rahmung
    • diese wiederum verzahnt mit weit ausladender ebenfalls verputzter Verdachung zwischen Oberlicht und Türöffnungen
    • Oberlicht und Türflügel neu gestaltet unter Beibehaltung der ursprünglichen Gliederung
    • horizontale Untergliederung der Oberlichter
    • fünf Türen mit jeweils vertikaler Untergliederung
  • durchgehende Fensterbankgesimse und obere Fensterabschlußfassung
  • im zweiten Obergeschoss keine Fensterbankgesimse
  • westliche (erste Achse von links) Achse im zweiten Obergeschoss ohne Fensteröffnung
  • ehemalige Garageneinfahrt in zehnten Achse von rechts nicht mehr vorhanden und in Fenster umgestaltet.

 

Nordfront

  • von Pfeilern untergliederte, hohe durchgehende Befensterung
  • niedriger Backsteinsockel
  • Versprung in Höhe des Wasserturms
  • Front optisch stark beeinträchtigt durch neuere Verdachungen in halber Höhe

 

Wasserturm

  • offene Stahlkonstruktion auf quadratischem Grundriß
  • dreißig Meter hoch
  • zentrale offene Wendeltreppe
  • flacher zylinderförmiger Wasserkessel mit Umlauf (einst geschlossene Metallumwandlung heute durch Metallgeländer ersetzt).

 

Ostfront der rheinwärtigen Halle

  • von Pfeilern untergliederte, hohe durchgehende Befensterung
  • niedriger Backsteinsockel und ähnlich hoher oberer Backsteinabschluß
  • auf halber Höhe vorgesetzte Portalkranschiene mit neuerem Unterbau einschließlich Verdachung
  • Portalkran erstellt durch Pohlig (inschriftlich bezeichnet)
    • Metallkonstruktion, auf portalartigem Unterbau (mit zwei Stützen auf Schienen oberhalb der Kaimauer und einer Stütze auf Schiene am Gebäude 33)
    • Drehkran
    • oberhalb der metallenen Führerkabine mit gläsernem vorkragenden Führersitz
    • Kranaufbau mit Ausleger.

 

Inneres

Im Innern original

  • Glasbausteinwand zwischen Bürotrakt und Produktionshallen
  • Hallen ohne Zwischenwände, von Stützen in Metall oder Beton getragen (teilweise: Pilzdeckenkonstruktion mit Stützen im Abstand von 12.20 Metern)
  • steinerner Treppenaufgang mit Metallgeländer von Produktionshallen zum Bürotrakt
  • ab halber Höhe zum ersten Obergeschoss bis zur halben Höhe des zweiten Obergeschosses zweiläufig
  • obere zweiläufige Treppenpartie als sichtbare Betonkonstruktion: auf mittlerem Steg sichtbare Stufung im Unterzug;
  • Treppenhaus ab zweiläufigen Teil im Stil der 50er Jahre gestaltet
  • Treppenhaus innerhalb des Bürotraktes im Stil der 50er Jahre überformt
  • originale Treppenstufen in Muschelkalk und Metallgeländer im neuen Treppenhausteil übernommen
  • vor Direktion im ersten Obergeschoss neu gestalteter Treppenabschluß mit offenem metallenem Geländer (ehemals im ersten Obergeschoss Begrenzung des Treppenhauses durch Natursteinsockel)
  • originaler Fußboden im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss durch Marmorboden ersetzt
  • Wandverblendungen (Holzvertäfelungen und Muschelkalkverblendungen) teilweise noch vorhanden
  • im ersten Obergeschoss
  • ein Marmorpfeiler
  • flache Deckenlampen aus den 50er Jahren.

 

Kaimauer

  • Unterwasserbetonkonstruktion
  • rheinwärtige Verblendung mit Basalt
  • Krone aus Basaltlava
  • 70 cm breite Treppenstufen zum Rhein
  • südlich des Denkmals mit steinernem Geländer.


Denkmal ("Ufermaueranfänger"):

  • Basaltlavapfeiler auf rechteckigem Grundriß
  • rheinwärts vorgelegter vorne abgerundeter Sockel
  • aus oberen Pfeilerabschluß herauskragender kantig geschnittener Arbeiterkopf mit Mütze
  • aus südlichem und westlichem über Eck vorkragendem blockartigen Teil mit auf Nordseite allegorischen reliefartigen Darstellungen von Handel und Industrie am Rheinlauf
  • auf der Westseite Wahlspruch von Ford "und trotzdem vorwärts"
  • auf der Südseite: Medaille mit drei Kopfprofilen mit Unterschrift Henry Ford II und Datierung 24.06.1954.

 

Grünstreifen

Einst entlang des Bürotraktes gepflanzte einzelne Rundbeete durch zwei von Kantensteinen eingefaßte, durchgehende langgestreckte Grünstreifen beiderseits des Eingangs ersetzt, an den jeweiligen Schmalfronten mit flach gerundeten Abschlüssen.

 

Nicht Bestandteil des Denkmals ist der nordwestliche Erweiterungsbau der Produktionshallen des Gebäudes 33.

 

 

Das 1903 in New York gegründete Unternehmen Ford Motor Company ließ sich 1925 mit einer Montagehalle in Deutschland und zwar zunächst in Berlin nieder. Konrad Adenauer wusste die Firmenleitung, die auf der Suche nach einem größeren Gelände in verkehrsgünstiger Lage war, für den Standort Köln zu gewinnen. Mit diesem rasch anwachsenden Unternehmen besaß Köln fortan einen florierenden Wirtschaftsfaktor, der seit jener Zeit aus dem sozialen und wirtschaftlichen sowie ortsgeschichtichen und städtebaulichen Geschehen der Stadt Köln nicht mehr wegzudenken ist.

Die o. g. Bauten bezeugen die Keimzelle der für die Stadt so bedeutenden Fabrikationsstätte. Mit diesen Bauten wurde der Kölner Norden in großem Umfang in die Entwicklung der Stadt Köln als Industriestadt einbezogen. Die damals hier noch vorhandenen, nur extensiv genutzten Freiflächen wurden wie das Rheinufer für die neue Nutzung binnen kürzester Zeit umgestaltet. Schon die umfangreichen Baumaßnahmen verschafften damals vielen Kölnern großen Gewinn.

Unmittelbar nach Fertigstellung war die Anlage eine der modernsten Autofabriken Europas. Mit dem Bauvorhaben wurde die bedeutendste und umfangreichste Fabrikanlage der damaligen Zeit in Deutschland erstellt. Sie zeichnete sich insofern als eine besondere Neuheit aus, als sämtliche Arbeitsstätten, Büros, Maschinen- und Montagehallen sich unter einem Dach befanden. Dazu nutzte man u. a. die Pilzdeckenkonstruktion, bei der hier in Köln die Stützen außergewöhnlich weit auseinander lagen, d. h. 12,20 Meter. Selbst die Energieversorgung (Wasserturm, Kesselhaus, Kamin) waren in den Gebäudekomplex eingebunden. Die Einheit von Fabrikation und Verwaltung geht auf Ford zurück, der darin ein Programm sah. Die "gewaltigen Konstruktionen" des Bauwerkes "überspannen auch geistig die Stätte gemeinsamer Arbeit" (Firmenschrift nach Fertigstellung der Anlage, S. 8).

Vom künstlerischen her stellt der Gebäudekomplex eine gelungene Komposition von vorwiegend horizontal gelagerten Baukörpern dar, denen gegenüber der Wasserturm, aber insbesondere das Kesselhaus vertikale Akzente setzt. Wie es in der Firmenschrift nach Fertigstellung der Fabrikanlage heißt, fügt sich die "betont horizontale ruhige Lagerung ... des großzügigen Baues harmonisch in die Weite der niederrheinischen Ebene" ein, wobei die Ufermauer den "ruhigen Sockel" bildet (S. 8). Als "innerer Ausgleich", bzw. "großflächige Ruhe" gegenüber dem "Tempo" des damaligen Arbeitslebens sollten gemäß den Ausführungen des Kunsthistorikers August Hoff die langgestreckten, horizontal gelagerten Bauten wirken.

Die Untergliederung der Gebäudefronten in vorwiegend horizontale Partien (z. B. Fensterbänder), die von einigen vertikalen Elementen (z. B. Pfeiler zwischen den Fenstern) durchsetzt werden, verleihen der gesamten Baumasse rhythmische Spannungen. Der gesamte Komplex wird vom bewußt sachlichen Stil des Bauhauses geprägt. Die Backsteingliederungen, die kennzeichnend für die Gestaltungsweise des Architekten Körner sind, verleihen dem Gebäudekomplex eine mehr niederrheinisch orientierte lokale Variation des funktionalen Baustils. Die gediegene Repräsentation sollten nicht wie früher Schmuckformen erzeugen, sondern die in Proportion und Rhytmus ausgewogenen Bauformen, die durch edle Materialien zum Tragen kommen. Bei der Einweihung wurde dies folgendermaßen formuliert: Der neue Fordbau sei "harmonisch, zweckmäßig, einfach und gerade deswegen so imposant".

Der gesamte Gebäudekomplex ist nicht nur Zeugnis für das baukünstlerische Schaffen zu Beginn der 30er Jahre, sondern zudem ein Dokument für das Schaffen des renommierten Architekten Edmund Körner (1874-1940) und mit der Überformung der 50er Jahre ein wichtiger Beleg für den bekannten Architekten Peter Friedrich Schneider (1901-1981), dessen Werke bereits selten geworden sind. Der "Ufermaueranfänger" ist analog dazu ein seltenes und typisches bildhauerisches Werk der damaligen Zeit und in ein wichtiges Dokument für das Schaffen von Willy Meller (1887-1974). Ufermaueranfänger und Grüngestaltung vor dem Bürotrakt kennzeichnen den Repräsentationswillen mit herkömmlichen Mitteln (bildhauerischer Schmuck und Ziergrün), aber in neuen sehr kargen Formgebungen. In gleicher Weise ist auch das Vordach zu werten, das den Eingang in der Front hervorhebt, aber ihn zugleich in einer streng, nüchternen und mächtigen Gestaltung zeigt.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen und für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen.

Referenz: 4639


Das Denkmal hat die Nummer 7638 und ist seit dem 12. September 1995 geschützt.

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