Wohnhaus

Blumenthalstr. 15, 50670 Köln - Neustadt-Nord
Errichtet: um 1908


  • vier Geschosse, ausgebautes Dachgeschoss, rückwärtiger Seitenflügel
  • drei Achsen
  • Stuckfassade
  • Stil: Formen des Neo Klassizismus, Jugendstilformen

 

Fassade

  • Mittelrisalit auf rechteckiger Grundfläche mit abschließendem Balkon (ursprünglich Ziergiebel in Fortführung der Risalitachse)
  • straßenseitig Kellergarage links
  • Eingang rechts mit geradem oberen Abschluß
  • Haustür mit Oberlicht erneuert (1953)
  • Fenster mit geradem oberen Abschluß
  • alle straßenseitigen Fenster (Holz) erneuert

 

Rückseite

  • Backstein, verputzt,
  • Vorderhaus  zwei Achsen
  • Seitenflügel fünf Achsen
  • alle rückwärtigen Fenster 1952 und später erneuert (Kunststoff, zum Teil Einscheibenfenster)
  • Oberlichter zugemauert
  • zu Vollgeschoß ausgebautes Dach rückwärtig

Das Dach/Dachgeschoß des Seitenflügels wurde nach Kriegszerstörung nicht wieder aufgebaut (die tragenden Wände des ehemaligen Dachgeschosses wurden belassen).

Inneres

Im Innern original erhalten

  • Vestibül
  • Terrazzobodenbelag mit Bordure und Mittelbetonung
  • Reste von Deckenstuck
  • Treppenhaus
  • im Erdgeschoß Terrazzoboden mit Bordüre
  • Terrazzotreppe (zum Teil neuer Terrazzobelag)
  • Geländer und Handlauf erneuert
  • Podeste mit Terrazzo belegt
  • Wohnungseingangstüren erneuert

Wohnungen

  • Grundrisse in Teilen verändert
  • alle Böden erneuert (PVC, Kunststein, Parkett, Solnhofer Platten)
  • im ersten Obergeschoss Deckenstuck in den Wohnräumen

 

Gärten

  • Der rückwärtigeZiergarten mit originaler Einfriedungsmauer in Backstein ist Bestandteil des Denkmals.
  • Der straßenseitige Ziergarten mit erneuerter Einfriedung (niedrige verputzte Mauer, gemauerte und verputzte Pfeiler mit Deckplatte, Hecke) ist Bestandteil des Denkmals.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Die von Hermann Josef Stübben (1845-1936) geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Zuge ihrer 1881 beginnenden Durchführung entstand im Norden der Neustadt (ehemaliges Rayongelände) zwischen Riehler Str. und Neusser Str. das sogenannte "Gerichtsviertel" um den Palast des Oberlandesgerichts am Reichenspergerplatz, ein mittleren und gehobenen Ansprüchen genügendes Wohnviertel. Daran angrenzend erstreckt sich im Bereich der großen Grünanlage nordöstlich des Ebertplatzes das ehemalige Villenviertel am nördlichen Rheinufer. Der sich nach Süden anschließende, an der markanten Grenze zwischen nördlicher Alt- und Neustadt in Richtung zur Kölner Altstadt verlaufende Abschnitt der Ringe (früher Deutscher Ring, heute Theodor-Heuss-Ring) weist die Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf.

Die Blumenthalstraße in Ost-West-Erstreckung vomNeusser Platz mit der Agneskirche bis zum Riehler Platz und zur Riehler Str. und südlich der Grünanlagen um das Fort X gelegen, wurde im wesentlichen in den Jahren 1900 - 1912 mit Großmiethäusern von repräsentativem Gepräge bebaut. Das Haus Nr. 15 ist integraler Bestandteil der in Teil geschlossen erhalten gebliebenen Bebauung auf breiten Parzellen. Diese bewahrt das ursprüngliche Erscheinungsbild der Straße mit rhythmisch angeordneten Fassaden, die Mittelrisalite und -erker mit Dachaufbauten einschließen, und zu denen straßenseitig und im rückwärtigen Bereich Ziergärten gehören.

Das Gebäude stellt eine großstädtische Variante des Kölner Mietwohnhauses mit rückwärtigem Seitenflügel dar. Es dokumentiert die in den Jahren um die Jahrhundertwende vollzogene planmäßige Bebauung der Blumenthalstraße und des angrenzenden Wohnquartiers der Weißenburgstr./Hülchrather Str. nach der Festlegung der Fluchtlinienpläne in den Jahren 1890 und 1893. Mit weiteren Gebäuden der Blumenthalstraße bildet das Haus ein städtebauliches Ensemble von hauptsächlich breitgelagerten Gebäuden in Formen des Neuklassizismus des Jugendstils und der historistischen Fassadendekoration verhafteten Bauten aus den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts.

Dem vornehmen Charakter des Wohnumfelds entspricht das Gebäude mit seiner repräsentativen und gestalterisch sehr aufwendigen Schaufassade

  • Schmuckformen
  • symmetrische Fassadengestaltung mit breitem Mittelrisalit
  • horizontaler Fugenschnitt
  • Stockwerkgesims
  • reiche Dekoration der Belétage mit Balustrade und ionischer Pilasterstellung
  • Fensterverdachungen im Risalit mit gebrochenem Dreieckgiebel
  • in den Seitenachsen Segmentbogenverdachung
  • in den Bogenfeldern volutenartige bzw. Muschelmotivdekoration

Aufgrund der weitgehenden Erhaltung der Schauseite mit ihren an bürgerliche Architekturformen anknüpfende Dekoration ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Neustadt und als Dokument sowohl des Sozialstatus als auch der Repräsentationsbestrebungen seiner Bewohner von Bedeutung.

Die Häuserzeile der Blumenthalstraße setzt sich aus gestalterisch aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet neben anderen gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden des Gerichtsviertels ein Ensemble zeitgenössischer Architektur (z. B. die Nrn. 5 - 31). Das Gebäude Blumenthalstr. 15 ist für das Erscheinungsbild der weitgehend geschlossen erhaltenen Bebauung im westlichen Teil des Straßenzuges und als Zeugnis für die reiche Neustädter Architektur des frühen 20. Jahrhunderts ein unverzichtbares Beispiel.

Referenz: 2490


Das Denkmal hat die Nummer 7623 und ist seit dem 30. August 1995 geschützt.

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