Französisches Kulturinstitut

Sachsenring 77, 50677 Köln - Neustadt-Süd
Errichtet: 1952/53


Architekt: Wilhelm Riphahn (1889-1963)

  • Bauherr: Universität Köln
  • Der Einzug erfolgte am 15.01.1953.
  • 1979 rückwärtiger Anbau einer Nottreppe.


Aufbau

  • ein bis zwei Geschosse
  • drei Flügel
  • überkragender Flachdachabschluss

 

Hauptflügel

Der zwei-geschossige Hauptflügel liegt parallel zum Sachsenring, von dem er durch einen Vorgarten ohne Einfriedung abgesetzt ist. Der Flügel besteht aus einer mit Schwemmsteinhohlblöcken ausgefachten und anschließend verputzten Stahlskelettkonstruktion. Das Erdgeschoss wird durch eine gleichmäßige Reihung von quadratischen Fensteröffnungen gegliedert, während das Obergeschoß völlig geschlossen ausgebildet ist. vier Fahnenstangenhalterungen und die Aufschrift "Institut Francais" auf Stockgesimshöhe weisen auf die Funktion des Gebäudes hin.

Der Eingangsbereich ist aus der Flucht vorgezogen und durchgängig verglast. Ein nach oben ausschwingendes Vordach aus Drahtglas (inzwischen erneuert) wiederholt den Neigungswinkel des vorkragenden Flachdachs; es ruht auf Stahlbetonbalken, die sich lanzettförmig verjüngen. Zur Ostseite schirmt den Eingangsbereich eine schräg angeschnittene Mauer mit nachträglich hinzugefügter Ziegelsteinverblendung ab. Seitlich wurde 1955/56 ein Gebäude angebaut. Die Glasflächen der Treppenhalle rahmen leichte Profile aus eloxiertem Aluminium, im Obergeschoss ist vor den Fenstern eine filigrane Brüstung aus gebogenem Bandeisen angebracht.

Die Rückseite des Hauptflügels öffnet sich zu einer Grünanlage mit großflächigen Wendelflügelfenstern in vier Achsen. Vor die Außenachse wurde 1979 eine stählerne Nottreppe gebaut, die seitlich von einer auf die Grünanlage ausschwingenden Betonwand begleitet wird. In die ursprüngliche Fensteröffnung wurde eine Tür eingesetzt.

Klassentrakt

Parallel zur Hardefuststr. schließt sich im rechten Winkel an den Hauptflügel ein eingeschossiger Klassentrakt mit Unterrichtsräumen an, die alle von einem langgestreckten Flur erschlossen werden. Die Belichtung der Klassenräume erfolgt heute durch große längsrechteckige Fensteröffnungen, die die Wandflächen zwischen leicht vortretenden Betonpfeilern ausfüllen. Ursprünglich handelte es sich um eine gleichmäßige Reihe quadratischer Fensteröffnungen. Die an den Hauptflügel anschließende Achse wurde von einer vier-flügeligen verglasten Türanlage eingenommen. Die Flurbelichtung wird von einem flachen, auf dem Dach angebrachten Oberlichtband übernommen.

Wohngebäude

An diesen Flügel schließt sich ein um einen kleinen Innenhof herum errichtetes zwei-geschossiges Wohngebäude für den Institutsleiter an. Zur Grünfläche hin weist es eine die Raumabfolge spiegelnde Durchfensterung aus überwiegend quadratischen Fensteröffnungen auf. Wohn- und Esszimmer öffnen sich auf eine kleine Terrasse mit Natursteinbrüstung.

Inneres

Das Institutsinnere ist weitgehend im Originalzustand erhalten, das gilt sowohl für die Raumaufteilung als auch für eine Vielzahl von Ausstattungsmerkmalen. So haben sich neben den originalen Eingangstüren aus verglastem Metall, ein Großteil der Fenster mit Metall- bzw. Holzprofilen erhalten.

Der Eingangsbereich im Erdgeschoss, die Treppe sowie das Treppenhaus im Obergeschoß sind mit Solnhofener Platten ausgelegt, deren wechselnde Formate dem Raum einen lebhaften Gesamteindruck verleihen.

Die leicht gebogen erscheinende Treppe ist mit einem Metallgeländer mit Kunststoffhandlauf in Relingform versehen, das um das Treppenauge geführt ist. Das gesamte Obergeschoss des Hauptflügels wird von einem Saal eingenommen, dessen Bühnenpodest inzwischen entfernt wurde. Ein Bildwerferraum auf halbkreisförmigem Grundriß bildet die gegenüberliegende Raumbegrenzung und enthält Projektoren etc.

Neben Wohn- und Eßzimmer des Wohnhauses ist auch der daran anschließende Raum des Klassentraktes mit Parkettboden belegt, die übrigen Räume im Ursprung mit Linoleum.

 

Am 17.02.1952 schloß Frankreich mit der Universität Köln ein Abkommen über die Errichtung eines "Institut Francais". Das Grundstück stellte die Stadt, Bauherr war die Universität, Finanzier der französische Staat. Schon 1946 war das erste französische Kulturinstitut in Freiburg gegründet worden, 1951 ein weiteres in Stuttgart; mit Köln erhielt auch endlich das Rheinland als eine mit Frankreich traditionell verbundene Region ein solches Institut. Erklärtes Ziel war die Förderung kultureller Kontakte sowie die Zusammenarbeit der Universitäten beider Länder, der Hauptschwerpunkt lag auf der Verbreitung der französischen Sprache. Zur Realisierung dieser Bauaufgabe wurde ein Wettbewerb unter Kölner Architekten ausgeschrieben, den Wilhelm Riphahn (1889-1963) gewann. Mitte Dezember 1952 stand der Rohbau, am 15.01.1953 konnte das Institut bezogen werden.

Der Bau von Kulturinstituten ist als originäre Bauaufgabe der Nachkriegszeit zu betrachten. Wilhelm Riphahn (1889-1963) war schon Architekt des britischen Kulturinstituts "Die Brücke" (1949/50) an der Hahnenstr. (Altstadt-Süd) gewesen. Im Gegensatz zu diesem weiträumigen Bau ist das "Institut Francais" eine kleinere Anlage mit geringerer Ausdehnung, die mit den verschiedenen Geschosshöhen spielend, locker in das Grundstück hineinkomponiert ist, wobei der alte Baumbestand in die Konzeption mitaufgenommen wurde. Nur der Eingang öffnet sich einladend zum Sachsenring hin, während Bibliothek, Saal und Unterrichtsräume sowie das Wohnhaus in die verkehrsabgewandten Räume gelegt sind. Der dadurch entstehende ruhige, klausurartige Charakter spiegelt die Ausrichtung des Instituts auf den kleinen Kreis einer kulturellen Elite.

Wilhelm Riphahn (1889-1963) war Mitglied des 1950 gegründeten "Ring Kölner Architekten", deren Ziel die Suche nach neuen Formen, artgerechter Materialverarbeitung sowie die allgemeine Förderung des Neuen Bauens in Köln war. Die Vielfältigkeit und der Pluralismus der Architektur der 50er Jahre zeigt sich beispielhaft auch an diesem Gebäude. Wilhelm Riphahn (1889-1963) komponiert die sichtbaren Betonraster mit geschlossenen Putz- und Fensterflächen zu einer in sich spannungsreichen nach außen ruhigen Architektur, die durch die organisch-dynamischen Formen des Eingangsvorbaus aufgebrochen wird.

An der Erhaltung und Nutzung des Gebäudes Sachsenring 77 besteht aus historischen, sozio-kulturellen, stadtgeschichtlichen sowie architekturhistorischen Gründen ein öffentliches Interesse.

Referenz: 7704


Das Denkmal hat die Nummer 7555 und ist seit dem 4. August 1995 geschützt.

Denkmal <Französisches Kulturinstitut> bearbeiten
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