Kirche St. Marien u. Klostergebäude, ehem. Franziskanerkloster

Ankerstr. 13, 50676 Köln - Altstadt-Süd weitere ...
Errichtet: 1952 - 58


Architekt: Emil Steffann (1899-1968)

Kirche im ersten Bauabschnitt der Gesamtanlage erbaut

äußerer Aufbau

  • im Osten gewinkelter zwei- flügeliger Saalkirchenbau mit Satteldächern
  • Wiederaufbau unter Einbeziehung von erhaltenen Teilen des neugotischen 1893 ff. errichteten Vorgängerbaus
  • Fassaden backsteinsichtig mit
  • Eckquaderungen
  • unregelmäßigem Versatz von Quadern aus Werkstein (wiederverwendete Abbruchmaterialien der zerstörten Kirche)

Nordflügel

  • nordwestlicher Teil mit
  • Strebepfeilern
  • spitzbogigen Maßwerkfenstern vom ehemaligen Chor des Vorgängerbaus
  • auf der Nordostseite über rechteckigem Grundriss leicht vortretender Turm oberhalb des Kirchendaches seitlich offen
  • zwei betonverstrebte parallele Mauerwangen mit
  • rundbogigen Schallarkaden
  • Pultdach mit bekrönendem Kreuz
  • Wandteile des Vorgängerbaus mit
  • Strebepfeiler
  • spitzbogigen Maßwerkfenstern
  • südöstliche Giebelfassade mit großem Rundfenster im Obergeschoss
  • im Erdgeschoss Eingangsbereich der Kirche als eingeschossige Vorhalle mit
  • drei Rundbogenöffnungen
  • Pultdach

Südflügel

  • auf der Nordwestseite drei Rundbogenfenster im Obergeschoss
  • auf der Südostseite bis zur Vorhallenflucht vortretendes zweigeschossiges Seitenschiff unter Dachabschleppung
  • im Erdgeschoss eine Rundbogentür
  • im Obergeschoss drei Rundbogenblenden.

 

Inneres

Im Inneren von denkmalpflegerischer Relevanz:

  • Bodenbelag aus Basaltinplatten
  • Chorraum im Winkel zwischen Nord- und Südflügel
  • Wände backsteinsichtig
  • Wandgliederungen durch Spitzbogenblenden und in deren Kämpferhöhe abschrägt endende Pfeilervorlagen
  • in der östlichen Ecke um drei Stufen erhöhter Altar aus Marmor
  • offene hölzerne Dachkonstruktion mit
  • eisenverspannten Binderbalken
  • unterseitig holzverschalten Dachflächen
  • Südflügel zum Chorraum in großem Rundbogen geöffnet
  • Wände backsteinsichtig
  • zum Seitenschiff auf der Südostseite
  • im Erdgeschoss drei rundbogige Arkaden
  • eine weite Rundbogenöffnung zur Orgelempore mit Brüstungsgeländer aus Metall
  • auf der Südwestseite im Erdgeschoss zwei rundbogige Wandblenden

 

  • auf der Nordwestseite
  • Wandgliederung durch in halber Höhe abgeschrägt endende Pfeilervorlagen
  • offene hölzerne Dachkonstruktion entsprechend dem Chorraum


  • Nordflügel zum Chorraum in großem Spitzbogen auf Pfeilervorlagen geöffnet
  • Wände geschlämmt und hell gestrichen
  • drei kreuzrippengewölbte Joche, davon die beiden westlichen Joche durch spitzbogigen Gurtbogen auf Pfeilervorlagen getrennt
  • Empore im Westjoch
  • Wandgliederungen durch Sohlbankgesimse der Fenster im Obergeschoss und Säulenvorlagen
  • östliches Joch mit dreizoniger Wandgliederung durch
  • Gesimse
  • spitzbogige Doppelarkadenöffnungen auf
  • Pfeilern im Erdgeschoss
  • gekuppelten Säulen im Obergeschoss
  • Kreisblende in der Gewölbezone
  • Gewölbekonsolen

 

 südwestlicher Annexraum (ehemalige Marienkapelle)

  • spitzbogiges buntverglastes Fenster (Darstellung der Maria Immakulata mit Johannes Duns Scotus),
  • Treppenabgang zur Krypta unter dem Nordflügel mit Metallgeländer
  • Krypta mit stichbogigen Öffnungen und Gewölben

 

 

Klostergebäude erster Bauabschnitt

Pfortengebäude

  • nordöstlich der Kirche gelegen 
  • im   errichtet
  • in baulichem Anschluß an die Kirchenvorhalle
  • winklig vor deren Flucht vorspringend
  • erstes Geschoss traufständig mit
  • Satteldach
  • Pultdach vor der Giebelfassade der Kirche
  • Fassaden backsteinsichtig mit Anteilen von Werkstein
  • hochrechteckige Fensteröffnungen mit originalen Fenstern

 

 

zweiter Bauabschnitt (1953-1958 errichtet)

  • dreiseitig winkelförmig einen Hof umschließende Gebäudetrakte
  • Fassaden backsteinsichtig mit Anteilen von Werkstein
  • ein- bis zweieinhalb geschossiger, zwischen Vorhof und Klosterhof gelegener Verbindungsflügel zur Kirche
  • asymmetrisches zum Klosterhof hin abgeschlepptes Satteldach
  • beidseitig je drei fast bodenhohe, auf der Ostseite durch die inneren Betondecken geteilte Rundbogenöffnungen mit originalen Stahlsprossenfenstern
  • zwei dreigeschossige Flügel mit Satteldächern
  • hofseitig jeweils im Erdgeschoss bodenhohe Rundbogenöffnungen mit originalen Stahlsprossenfenstern,
  • in den Obergeschossen und außenseitig Rechtecköffnungen mit teilweise erneuerten Fenstern,
  • Hauseingang auf der Ostseite des Nordflügels
  • Haustür aus Holz und Vordach original
  • zwei einseitig offene, mit Pultdächern auf runden Holzstützen überdeckte Gänge als
  • östlicher Abschluss des Vorhofs zwischen Pforten- und Klostergebäude
  • westlicher Abschluss des Klosterhofes

Inneres

Im Inneren original erhalten:

  • im Treppenhaus des an die Kirche anschließenden Flügels offene Treppe aus Beton mit
  • Kunststeinstufen
  • Metallgeländer mit hölzernem Handlauf
  • in der Sakristei zwei freistehende Rundstützen
  • im wesentlichen Grundrisse und Raumgliederung (Räume teilweise vergrößert)
  • Innentüren
  • Kunststein- und Asphaltfliesenböden in Fluren und Treppenhäusern
  • Holzdielenböden in den Räumen.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Die Kölner Altstadt wurde im Zweiten Weltkrieg zu 90% zerstört. Sie wurde in den 50er Jahren, der ersten Wiederaufbauphase, neu geprägt. Diese inzwischen abgeschlossene Bauepoche gerät zunehmend in das Interesse der Allgemeinheit.

Köln verfügt aus den 50er Jahren über eine Anzahl von Bauten hoher baukünstlerischer Qualität, die von den Architekten oft im Sinne eines "Gesamtkunstwerks" durchgestaltet und mit Bezug auf ein städtebauliches Gesamtkonzept entworfen wurden. Die Erschließung neuer Verkehrswege in der Wiederaufbauphase bedeutete für die Ulrichgasse als Verlängerung der neu angelegten Nord-Süd-Fahrt eine erhebliche Verbreiterung, die eine Zurückverlegung der Bauflucht gegenüber der ehemaligen um ca. zwölf Meter bedingte.

Bei o. g. Objekt handelt es sich um den Wiederaufbau des Franziskanerklosters und dessen Kirche St. Marien, deren kriegszerstörte Vorgängerbauten in neugotischem Stil nach den Plänen des Kgl. Bauinspektors Karl Scheller seit 1892 errichtet worden waren.

Die Pläne für den 1952 - 58 ausgeführten Wiederaufbau entwarf der besonders für die Kirchenbaukunst bedeutende Architekt Emil Steffann (1899 - 1968), der bereits seit den 20er Jahren vielfach in Köln und im Rheinland tätig war. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg war er mit Wiederaufbauplanungen in Lothringen, Lübeck und im Rheinland befaßt. Steffanns Arbeit wurde wesentlich geprägt durch die frühe Zusammenarbeit mit Rudolf Schwarz (1897-1961), einem der führenden Kirchenarchitekten Deutschlands, der nach dem Krieg mit dem Wiederaufbau Kölns beauftragt war.

Emil Steffanns Werk überzeugt in seiner Geschlossenheit durch eigenständige Formensprache und baukünstlerische Aussage. Innerhalb seines Oeuvres nimmt die Franziskanerkirche, die aus den Trümmern und unter Einbeziehung von erhaltenen Bauteilen des Vorgängerbaus errichtet wurde, einen wichtigen Rang ein. Sie gehört als frühes Hauptwerk aus Steffanns Schaffensperiode der 50er und 60er Jahre zu den Bauten, die in besonderem Maße Ausdruck der Glaubenshaltung und Lebensphilosophie des Architekten sind.

Bedingt durch die spezielle Bauaufgabe für den Franziskanerorden vermittelt gerade diese 1952 begonnene Kirche die franziskanische Askese, die als Qualität im Grundansatz von Steffanns Architektur allgemein faßbar ist. Der Rückzug auf das Wesentliche als dem Bau zugrundeliegende Sinneshaltung wird durch die Reduktion der fomalen Mittel auf elementare Rechteck- und Rundbogenformen wirksam verdeutlicht. Bemerkenswert ist die eindrucksvolle, Ruhe ausstrahlende Klarheit der Räume als unkompliziertes überschaubares Gefüge.

Der Altar als liturgischer Konzentrationspunkt befindet sich im Zentrum des Winkelbaus vor dem Hintergrund der Gebäudeecke, in der der wiederhergestellte alte Flügel der Vorgängerkirche und der neue Flügel zusammentreffen.

Charakteristisch für die Bauten Steffanns ist die unmittelbar faßbare Logik in der Konstruktionsweise und die überzeugende Einfachheit in der Erscheinung, die aus dem sicheren Empfinden des Architekten für Proportionen und das Verhältnis von geschlossenen Flächen zu Öffnungen ihre Ausdruckskraft bezieht. Wesentlichen Anteil daran haben die natürlichen, handwerklich bearbeiteten Baumaterialien wie die hölzernen Dachbalken und besonders die Ziegelsteine der Wände, die sichtbar belassen sind. Beim Wiederaufbau der Franziskanerkirche wurden die Steine der kriegszerstörten Kirche und des Klosters wiederverwendet. Auch durch diese Wertschätzung des Schuttmaterials konnte an Traditionen angeknüpft werden und durch die Verschmelzung von Neuem mit Altem Neues entstehen.

Damit ist die Neuerrichtung aus Trümmersteinen ein Zeichen für die Überwindung der Zerstörungen Kölns in der Nachkriegszeit. Die baulich angeschlossenen Klostergebäude bilden mit der Kirche ein untrennbares Ensemble, das insgesamt die architektonischen Prinzipien Steffanns als einem der bedeutendsten Kirchenarchitekten der 50er Jahre dokumentiert und darüber hinaus ein ortsgeschichtlich wichtiges Zeugnis für den Wiederaufbau Kölns darstellt.

Das o. g., in seinem Erscheinungsbild und - abgesehen von geringen Änderungen im Klosterbereich - in ursprünglicher Substanz erhaltene Objekt ist aus den genannten Gründen unverzichtbar und unbedingt zu erhalten.

Referenz: 0796


Das Denkmal hat die Nummer 7541 und ist seit dem 31. Juli 1995 geschützt.

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