Büro- und Fabrikgebäude, Wohnhaus

Xantener Str. 99, 50733 Köln - Nippes
Errichtet: 1922/23


Fabrik- und Verwaltungsgebäude(ehemalige Opekta-Fabrik)

Architekt: Heinrich Müller-Erkelenz (1878-1945)

 

  • zwei Geschosse, Sockelgeschoss, zurückgesetztes Attikageschoss
  • Achsenzahl
    • acht im Westen
    • sieben im Osten
    • neun im Süden(Halbrund)
    • drei im Norden
  • Putzfassade
  • Stil: Formen des "Bauhaus-Stils" (Internationaler Stil)

 

Fassaden/Aufbau

  • langgestreckter Baukörper auf mäßig ansteigendem Gelände in Nord-Süd-Richtung gelegen
  • quergelagerte Fensterbänder als charakteristische Gliederungselemente
  • neobarock-historisierende Fassadendetails
  • halbrundabschließender, ehemals Verwaltungsräume beherbergender Gebäudeteil nach Süden
  • an den Längsseiten je ein Risalit, im Attikageschoß zurückgesetzt
  • flaches Satteldach mit Glasaufbauten
  • Mauerwerk in Ziegelstein, verputzt
  • Dach, Stützen und Unterzüge in Eisenbeton
  • als Mittelbetonung des halbrund zulaufenden Baukörpers im Süden Portal in barockisierenden Formen
  • Gewände und Verdachung in Naturstein, schariert
  • Fenster
    • in den Hauptgeschossen nach Norden
      • querrechteckig, dreigeteilt mit Oberlicht
      • gerader Abschluß
  • nach Süden
    • paarweise zusammengefasste hochrechteckige Fenster mit geradem Abschluss
  • im Attikageschoss
    • zum Teil quadratische Fensterformen
    • querrechteckige, sprossengeteilte Fenster mit geradem Abschluß
    • hochrechteckige sprossengeteilte Fenster
    • Attikageschossfenster im östlichen Risalit zu Vierergruppe zusammengefasst
    • in den Hauptgeschossen Fenster überwiegend erneuert
    • im Attikageschoss zum großen Teil originale, sprossengeteilte Fenster in Metall
  • zwei Treppenhäuser nach Westen
  • Ausbau des Hochparterres durch zwei Rampen
  • breite Öffnungen zur Warenlieferung, z. T. überdacht mit Wellblech
  • im Sockelgeschoss
    • z. T. Lichtschächte
    • Eingänge
    • Fenster
  • südlicher Eingang zum Verwaltungstrakt
    • konkav gewölbte, reich profilierte Portalgewände und Verdachung in Naturstein, schariert
    • originale zweiflügelige Tür in Holz mit hohem, dekorativ durch Holzsprossen geteilten Oberlicht
  • vermutlich 1953/54 Wiederaufbau eines nachträglich angefügten Balkons im Obergeschoss getragen von toskanischen Säulen (Basis, Entasis, Kapitell) auf Podesten, die das Portal flankieren mit Balkongeländer
  • Säulenpodeste und Säulen sowie eine dreistufige Treppe in Kunststein

 

Inneres

Im Inneren original erhalten

  • Keller
    • Bodenbelag mit Fliesen in schwarz/weißem Schachbrettmuster, teilweise beschädigt
  • Treppenhäuser
    • teilweise Linoleumbelag
    • zum Teil originale Etagentüren
    • sprossengeteilte Metallfenster
    • Geländer in Metall
  • iIm südlichen Eingangsbereich zu den Verwaltungsräumen
    • teilweise Linoleumbodenbelag
  • vor dem Treppenaufgang in Holz gefaßter Vestibülabschluß mit Tür (zum Teil verglast)

 

weitere zugehörige Gebäude

  •  
    • an der östlichen Grundstücksgrenze zweigeschossiges Garagengebäude
    • im direkten Anschluß eingeschossiges Schlosserei- und Schreinereigebäude
  • Beide Gebäude weisen z. T. originale sprossengeteilte Metall- sowie Holzfenster bzw. Holzsprossenfenster auf.


Torgebäude

  • zwei Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach
  • sieben Achsen Straßenfront, neun Achsen hofseitig
  • Putzfassade
  • Stil: Formen des "Bauhausstils" (Internationaler Stil)

 

erbaut 1923/25, Wohngebäude mit Durchfahrt, Architekt vermutlich auch Heinrich Müller-Erkelenz (1878-1945)

1953/54 Wiederaufbau eines zweigeschossigen Mehrfamilienhauses mit 12 abgeschlossenen Wohnungen auf bestehendem Gebäuderest der aus

  • Tiefkeller
  • Keller
  • teilweise zerstörtem Erdgeschoss

                                                                                  bestand.

  • zweifach abgewinkelter Grundriß des parallel zur Straße gelegenen Baukörpers
  • hohes Sockelgeschoss 
  • Mittelrisalit, der im Erdgeschoß über eine breite Durchfahrt Zugang gibt zum hinterliegenden Fabrikgelände
  • im Obergeschoss loggienartiger Balkonausbau mit vorkragendem Balkon
  • hochrechteckige, zweigeteilte Fenster mit geradem Abschluss  aber auch hochrechteckige dreigeteilte Fenster mit Balkontüren mit geradem Abschluss 
  • alle straßenseitigen Fenster der Hauptgeschosse original erhalten
  • vorkragende Traufkanten, gekröpft
  • hofseitig
  • Mittelrisalit mit flankierenden Treppenhausvorbauten auf rechteckigem Grundriss bis in den Dachbereich (ursprünglich und bis zur Zerstörung auf halbrundem Grundriss, die Gestalt des gegenüberliegenden Fabrikgebäudes wiederaufnehmend)
  • die großen sprossengeteilten Treppenhausfenster mit Buntglas original erhalten
  • in den Wohnungen
    • hochrechteckige zweigeteilte Fenster mit geradem Abschluß aber auch querrechteckige dreigeteilte Fenster mit geradem Abschluß
    • alle hofseitigen Fenster der Hauptgeschosse original erhalten
  • Im Treppenhaus originale Terrazzotreppe und Geländer in Metall
  • straßenseitiger Ziergarten
  • in Teilen erhaltene Einfriedungsmauer mit Vergitterung in Metall
  • Rückwärtig teilweise umbaute, von Parkplatzflächen durchsetzte Grünanlage
  • kopfsteingepflasterter Innenhofbereich.

 

 

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes ließen sich bereits ab 1800 die ersten Fabrikanten nieder. Die Neusser Str. - eine ursprünglich römische Straße - gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den heranwachsenden Vorort. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachse die Merheimer Str. bildete, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. In der zweiten Jahrhunderthälfte entwickelte sich das 1888 zu Köln eingemeindete Nippes zu einem wichtigen Industriestandort. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Str. (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche).

Um die Jahrhundertwende wuchs die Bevölkerung der Siedlung rapide an, bis ca. 1914 entstanden nördlich der Mauenheimer Str. und Florastr., die Wohngebiete um den Leipziger Platz und Erzbergerplatz. Das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Heute erscheint der Vorort Nippes als dicht bebauter, mit wenigen Grünflächen durchsetzter Wohnbereich.

Die Fabrikanlage an der Xantener Straße ist gebauter Teil einer - ursprünglich für die Schuhfabrik Hoffmann und Frank und zugehöriger Mietwohnhäuser (Wohlfahrtsgebäude) für Arbeiter und Angestellte entworfene - monumentalen, die tatsächlich errichtete Hauptnutzfläche bei weitem überschreitenden Gebäudeplanung, deren Ausführung aus nicht ermittelten Gründen nicht realisiert wurde. Die damaligen (Anfang der 20er Jahre) Planungen, welche überliefert sind, sahen eine, der Gebäudegruppierung und Aufrißgestaltung des französischen Schloß- und Hôtelbaus des 17. Jahrhunderts verwandte, symmetrische und streng axial geplante Anlage auf in etwa quadratischem Areal und in barock-modernen Architekturformen, vor.

Der tatsächlich errichtete Baukörper sollte im Westen ein mit weiteren Querbauten verbundenes Pendant erhalten. An den Grundstücksgrenzen war eine geschlossene Bebauung von zwei- bis dreigeschossigen Mietwohnhäusern vorgesehen, deren Reihung regelmäßig durch dreieckgiebelbekrönte Risalite akzentuiert war. Die das Gelände im Süden begrenzende Häuserzeile schloß in der Mitte ein, im Aufriß konkav gebogenes Gebäude mit Durchfahrt ein. Mit vorgelagerter, straßenseitiger Auffahrt markierte und erschloß es den Zugang zu den rückwärtig gelegenen Fabrikgebäuden. In Anlehnung an diese geplante Eingangssituation ist wohl das auf zweifach abgewinkeltem Grundriß entstandene, zweigeschossige und ehedem freistehende Mietwohngebäude mit Tordurchfahrt, das die ursprüngliche Gestalt der geplanten Anlage aufgreift, zu verstehen.

Heute erscheint das seiner Funktion als Güterproduktionsstätte beraubte Fabrikgebäude innerhalb eines größeren Bereichs gestalteter und verwilderter Grünflächen im Bereich der Xantener Straße - im Norden an Wiesen, Schrebergartenanlage und den Nordpark anschließend, im Süden den ausgedehnten Industriebauten der Firma Clouth und weiteren Grünanlagen benachbart - als, die Ortsgestaltung positiv beeinflussender, aufgelockert bebauter Stadtrandbereich. Im Westen schließen sich über die Niehler Str. hinweg die Wohngebiete um die Neusser Str. an.

Gliederung der Fassaden erfolgt durch horizontal verlaufende, von unterschiedlich proportionierten Fenstern durchbrochene Bänder und die Geschosse abschließende profilierte Stockwerkgesimse sowie Brüstungsbänder. An den Längsseiten  finden sich profilierte und gekehlte, durchlaufende Sohlbänke, eingeschnittene Fenster ohne Rahmung und eine weit vorkragende Traufkante, die an den Risaliten gekröpft, den Fassaden einen deutlichen Abschluss gibt.

Rhythmisierung der Fassaden durch horizontale Fensterbänder in allen Geschossen und vertikal gegliederte Risalite. Einbeziehung der Dachlösung mit vorkragender Traufkante in die rhythmisch-horizontale Gliederung der Fassaden. In den Hauptgeschossen wird die quergelagerte Fassadengliederung der Längsseiten mit ihren querrechteckigen Fenstern nach Süden zum Halbrundabschluß hin kontinuierlich durch regelmäßig größer werdende Abstände der paarweise zusammengefaßten Fensteröffnungen zurückgenommen, den Scheitelpunkt charakterisiert die barockisierende Portalanlage mit später (vor 1948) angefügtem, das Portal überdachendem Balkon, der ca. 1953/54 wieder aufgebaut wurde.

Der markante, halbrunde Baukörper erfährt durch die Portaleingliederung in historisierenden Formen und durch den nachträglich angebauten Balkon auf Säulenstellung als axiale Betonung der Fassade eine repräsentative Wirkung. Das halbrund abschließende Gebäude gibt die Gestalt des 1929/30 von B. Paul gebauten Dischhauses und des 4711-Verwaltungsgebäudes in Ehrenfeld von Wilhelm Koep - beide mit gerundeten Fassaden, die sich dem öffentlichen Raum zuwenden, versehen - vor.

Die in weiten Teilen des Inneren in den Hauptgeschossen eingerichteten variablen Büroeinbauten beeinträchtigen weder die Grundrisse noch die Interieurs des weitgehend originalen Bestandes. Die Innenräume erscheinen - der ehemaligen Nutzung als Güterproduktionsbetrieb noch entsprechend - zum großen Teil als von tragenden Pfeilern unterbrochene Großräume.

Das Gebäudeensemble an der Xantener Straße, bestehend aus Wohnhaus/Torhaus, Fabrik- und Verwaltungsgebäude und angrenzender Gebäude mit ursprünglicher Nutzung als Handwerksbetriebe ist ein Dokument für den aufwendig geplanten Industriebau zu Anfang unseres Jahrhunderts. Auffallend ist die elegante und qualitätvolle Gestaltung der Baukörper und Fassaden, die das Bestreben des Bauherrn in Einheit mit seinem Architekten nach einer zukunftweisenden Gestaltung der gebauten Umwelt erkennen lassen. Die hier angesprochene Tendenz in der Architekturentwicklung ist an den Gebäuden, so wie sie heute erscheinen, trotz mancher Veränderungen in den Details noch deutlich nachvollziehbar. Die Gebäudegruppe ist als gebautes Dokument der Architektur der 20er Jahre ein schützenswertes Ensemble in Nippes und unverzichtbarer Bestandteil der Industriekultur in Köln.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen und für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Referenz: 0951


Das Denkmal hat die Nummer 7522 und ist seit dem 24. Juli 1995 geschützt.

Denkmal <Büro- und Fabrikgebäude, Wohnhaus> bearbeiten
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