Wohnhaus (ehem. Krankenhaus)

Heckweg 32, 50739 Köln - Longerich

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Das Haus Heckweg 32 ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Köln-Longerich, da es die Geschichte der Entwicklung dieses Dorfs zum Stadtteil von Köln dokumentiert. Der urkundlich schon 922 als "Lunrike" erwähnte Ort besaß spätestens 1080 eine eigene Pfarrkirche, die am ehemaligen Friedhof, dem heutigen Kriegerplatz, stand. Eine Reihe größerer Höfe scharten sich um den Ortskern, der von niedrigen Giebel- und traufenständigen Landarbeiterhäusern bestimmt wurde. Mit dem Bau der neugotischen Kirche 1818/99 und dem Anschluß an die Eisenbahn wurde der Einfluß der Stadt Köln größer und das alte Ortsbild allmählich zerstört. Nach dem ersten Weltkrieg wurden Neubausiedlungen im Osten des Ortskerns errichtet. Der Heckweg liegt außerhalb des Dorfkerns.

Das zweigeschossige Backsteinhaus wurde um 1870/80 in neugotischem Stil erbaut. Es war ursprünglich ein als Krankenhaus dienendes Kloster der Franziskanerinnen. Zu dieser Zeit waren die Krankensäle (mit der Kapelle im dreiachsigen Anbau) im 1. OG untergebracht.

Der eigentliche Bau besteht aus fünf Achsen mit Mitteleingang und Treppengiebel am Dachgeschoß. Dieser umschließt in einer Nische eingestellte Marienfigur. Die Backsteinornamentik im Ziegelmauerwerk knüpft - sicher bewußt - an die norddeutsche Gotik an, deren Formensprache auch technischen Bauwerken dienen konnte. Zur Rückseite ist ein dreiachsiger, etwas versetzter Anbau vorgesetzt, eine etwas jüngere, einachsige Erweiterung füllt den Rücksprung aus. Die Giebelseiten zeigen gotisierende Aufsätze und ebenfalls reiche Ziegelsteinornamentik.

Die Haustüre ist original, die Fenster blieben überwiegend original erhalten. Im Inneren blieb der Eingang in zeitgenössischem Stil mit Fliesenboden bestehen, der sich im hinteren Bereich in schwarzweißem Natursteinbelag fortsetzt.

Die originalen Türen im Erdgeschoß - vor allem die Zwischentüre - sind in deutscher Renaissance, wie die Haustüre, gearbeitet. Auf dem breiten Podest auf halber Treppe befinden sich noch die originalen Toilettenanlagen, die sowohl von den ehemaligen Schwesternräumen als auch vom 1. OG benutzbar waren. Im 1. OG ist noch im hinteren Anbau das Innere der Kapelle mit Pietà und gotischer Ausmalung erhalten. Das Dachgeschoß wurde vollständig erneuert.

Das Haus ist ein unverzichtbares Beispiel für die derzeit häufige Verbindung von Kloster und Siechenhaus, wie sie noch um die Jahrhundertwende im Kölner Raum weit verbreitet war. Das am Rande Longerichs gelegene Gebäude ist eines der wenigen, aus dieser Zeit erhaltenen Beispiele, die die ehemals enge Verbindung von geistlicher und weltlicher Fürsorge im Weichbild des Dorfs dokumentieren. Es ist deshalb auch aus soziologischen und städtebaulichen Gründen unverzichtbar.

Referenz: 4544


Das Denkmal hat die Nummer 752 und ist seit dem 24. August 1981 geschützt.

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