Hochbunker

Herthastr. 43-47, 50969 Köln - Zollstock

In die Straßenzeile eingebauter, nicht entfestigter Hochbunker mit 5 Geschossen, in 5 Achsen mit ziegelgedecktem Satteldachaufbau.

Das Gebäude hat in den Außenachsen je einen Eingang, der durch Schleusen in die Treppenhausbereiche führt. Die übrige Wandfläche ist geschlossen und wird nur von einzelnen schießschartenartigen Öffnungen unterbrochen.

Oberer Abschluß durch ein konkaves Kranzgesims. Vermutlich nachträglich wurde der Bunker mit einem Satteldach und 5 kastenförmigen Gauben, die mit der Fassade fluchten, versehen. Die Gauben werden von jeweils einer rechteckigen Fensteröffnung versehen.

Der innere Grundriß der Geschosse ist relativ gleichförmig, indem die einzelnen Stockwerke von jeweils zwei Längsfluren erschlossen werden. Die so entstehenden drei Kompartimente sind wiederum durch Abmauerungen in einzelne Kleinräume mit separaten Zugängen aufgeteilt.

Der Bunker wurde im Rahmen des "Führer-Sofortprogramms" erbaut und bietet 2691 Schutzplätze.

Begründung der Denkmaleigenschaft gemäß § 2 DSchG NW

Durch die fortschreitende Entwicklung in der militärischen Luftfahrt wurde die Notwendigkeit zivilen Luftschutz zu betreiben, bereits während des 1. Weltkrieges erkannt, jedoch beschränkten sich die Maßnahmen noch auf den Einsatz von Warnsirenen, Verdunkelungsvorschriften und die Anlage einfacher Gräben oder Stollen.

Nach dem Versailler Vertrag waren nach dem Kriege alle Mittel des aktiven Luftschutzes für Deutschland verboten. Davon ausgehend, daß Luftkriege vor allem die Zivilbevölkerung treffen, wurde zu Zeiten der Weimarer Republik der rechtliche Luftschutz, daß heißt Richtlinien zur Organisation (den Ländern zugeordnet) erarbeitet.

Die Nationalsozialisten bauten die rechtlichen Verankerungen weiter aus, regelten Aufgabe, Organisation, Dienstpflicht und Durchführung. Bei der Entwicklung geeigneter Bauformen wurden, vom einfachen Stollenbau ausgehend, dem Ausbau von Treppenhäusern als Schutzräume (1925), ab 1936 zunächst verschiedene Turmarten entwickelt. Nach Ausbruch des Krieges im September 1939 wurde mit dem "Führer-Sofortprogramm" im September 1940 die Entwicklung rapide vorangetrieben. Es enthielt Bestimmungen zur sofortigen Durchführung baulicher Maßnahmen im Luftschutz und allgemeine Angaben über die Art der zu errichtenden Bauten.

Mit der Durchführung wurde für Berlin der Generalbauinspektor, für das Reichsgebiet die Organisation Todt (größte zivile Arbeitsorganisation für militärische Infrastrukturbauten) beauftragt. Von dem "Sofortprogramm" wurden 81 deutsche Großstädte oder Industriestandorte erfaßt, darunter auch Köln.

Am 14.11.1940 wurden alle Baureferenten in Berlin unterrichtet und ihnen Normpläne ausgehändigt. Im Juli 1941 erließ man allgemeingültige Bestimmungen für den Bau von Luftschutzbunkern, deren letzte Ergänzung am 26.05.1944 erfolgte. Insgesamt wurden 3000 Bunker errichtet. In Nordrhein-Westfalen wurden insgesamt 540.000 qm Schutzraumfläche geschaffen, davon entfielen 77% auf Hochbunker, 17% auf Tiefbunker und 6% auf Stollen. Bei der Gestaltung fühlte man sich vor allem antiken und mittelalterlichen Befestigungen verpflichtet. Nebenbei machte man die Erfahrung, daß Bunkerbau mit städtebaulichen Zielen eng verbunden ist (luftschutzgerechter Städtebau, das heißt Sanierung enger Stadtquartiere, Anpassung an die historische Umgebung, Auswirkungen auf Straßen- und Platzgestaltung).

Luftschutzbunker gehörten zur Ausstattung neu zu projektierender Wohnviertel, Industrieanlagen, Versorgungseinrichtungen. Ihre äußere Form war vielgestaltig und orientierte sich am Stadtbild und an der regionaltypischen Bebauung, zudem wurden Bunkern zur Tarnung gerne althergebrachte Formen gegeben, zum Beispiel von Kirchen, Burgen, etc. Die Bunker mußten erschütterungssicher (Sprengbomben), nicht brennbar (Brandbomben), mit durchschlagsicheren Decken versehen und leicht zu entgiften sein. Dazu kam ein zweckmäßiger Grundriß mit Gasschleusen, guten Fluchtmöglichkeiten (Treppenhäuser, Notausgänge), ausreichender Luftraum für die vorgesehene Benutzerzahl (3 cbm pro Person ohne künstliche Belüftung, mindestens aber 1 cbm mit derselben), ausreichende Wandstärke im Verhältnis zur Größe.

Der Bunker Herthastraße zeigt eine Vielzahl der vorgeschriebenen Merkmale. Im Gegensatz zu anderen ist der Zollstocker Bunker nicht verkleidet, dieser "Mangel" ist in der Geschichte Kölns, in den schon sehr früh erfolgten Luftangriffen (ab 1942) und der deshalb gebotenen Eile begründet. Trotzdem bemühte man sich durch die Gliederung der Baumasse eine Angleichung an die vorhandene und noch zu errichtende Bebauung zu erreichen, außerdem gab es Bestrebungen, solche Anlagen nach Kriegsende zu verkleiden.

Der Bunker Herthastraße ist hervorragend an die ihn umgebende Bebauung angepaßt, indem er mit den anschließenden Gebäuden fluchtet und an deren Traufhöhen angepaßt ist. Während Zollstock heute durch zahlreiche Siedlungen aus der Zeit nach dem 1. Weltkrieg geprägt wird, befindet sich an der Herthastraße die älteste heute noch erhaltene Wohnbebauung, die im 1. Jahrzehnt nach der Jahrhundertwende 1905/06 entstand. Direkt neben einem Gebäude dieser Zeit gelegen (Herthastr. 41), dessen schlichte Putzfassade mit Stuckdekorationen verziert ist, prägt der Bunker den Raumeindruck der Straße durch seine unauffällige Schlichtheit.

Der Bunker Herthastr. 43 - 47 ist beispielhaft für eine spezielle architekturgeschichtliche Entwicklung - den Bunkerbau als originäre Baufaugabe des Dritten Reiches. An der Erhaltung und Nutzung besteht aus architektur- und stadtgeschichtlichen sowie historischen Gründen ein öffentliches Interesse.

Referenz: 4308


Das Denkmal hat die Nummer 7505 und ist seit dem 18. Mai 1995 geschützt.

Denkmal <Hochbunker> bearbeiten
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