Wohnhaus

Aduchtstr. 7, 50668 Köln - Neustadt-Nord
Errichtet: um 1910


  • vier Geschosse, ausgebautes Giebelgeschoss, rückwärtig seitlicher Anbau hohes Sockelgeschoß mit Souterrainwohnung
  • sechs Achsen
  • Stuckfassade
  • Stil: Neo Klassizismus

 

Fassade

  • Aufbau auf annähernd rechteckiger Grundfläche
  • Dachaufbau (Mansardgiebeldach, verändert, Ziergiebel),
  • Erker in der zweiten und fünften Achse auf trapezförmigem Grundriss mit abschließenden Balkonen
  • Eingang mit geradem oberen Abschluss waagerechte, mit Blei verkleidete Verdachung (verändert, Metallverkleidung), Haustür erneuert
  • Fensteröffnungen mit geradem oberen Abschluß
  • Erkerseitenfenster zugemauert
  • Fensteröffnungen im Ziergiebel verändert
  • alle straßenseitigen Fenster erneuert

 

Rückseite

  • fünf Achsen
  • Backsteinfassade verputzt
  • Fenster mit geradem oberen Abschluß
  • alle rückwärtigen Fenster erneuert
  • Treppenhausfenster zum Teil mit Glasbausteinen geschlossen

 

Inneres

Im Innern original erhalten

  • Vestibül
    • Marmorwandverkleidung bis halbe Höhe
    • Marmortreppe
    • Handlauf an der Wand (Eisen)
  • Treppenhaus
    • Terrazzotreppe
    • Podeste mit Terrazzobodenbelag, zweifarbig mit Einfassung
    • Geländer in Metall erneuert

 

Alle weiteren Räumlichkeiten weisen keine Originalsubstanz auf.

 

Bestandteil des Denkmals sind

  • derZiergarten mit originaler Einfriedung
  • Backsteinmauer, verputzt
  • schmiedeeiserne Vergitterung

 

Nicht Bestandteil des Denkmals ist rückwärtig angefügte Aufzugvorbau auf rechteckiger Grundfläche

 

Die von Hermann Josef Stübben (1845-1936) geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Zuge ihrer 1881 beginnenden Durchführung entstand im Norden der Neustadt (ehemaliges Rayongelände) zwischen Riehler Str. und Neusser Str. das sogenannte 'Gerichtsviertel' um den Palast des Oberlandesgerichts am Reichenspergerplatz, ein mittleren und gehobenen Ansprüchen genügendes Wohnviertel. Die Aduchtstraße, eine Querverbindung zwischen Blumenthalstr. und Neusser Wall, nordöstlich des Oberlandesgerichts und südlich der Grünanlagen um das Fort X gelegen, wurde im wesentlichen in den Jahren 1900 - 1912 mit Großmiethäusern von repräsentativem Gepräge bebaut.

Das Haus Nr. 7 ist integraler Bestandteil der in Teilen geschlossen erhalten gebliebenen Bebauung auf breiten Parzellen, die das ursprüngliche Erscheinungsbild der Straße bewahrt. Dazu gehören rhythmisch angeordnete Fassaden, die Risalite und Erker mit Dachaufbauten  und zumindest im rückwärtigen Bereich ein Ziergarten.

Das Gebäude stellt eine großstädtische Variante des Kölner Mietwohnhauses mit rückwärtigem Anbau dar. Es dokumentiert die sich über drei Jahrzehnte erstreckende planmäßige Bebauung der Aduchtstraße nach der Festlegung der Fluchtlinienpläne in den Jahren 1890 und 1893. Mit weiteren Gebäuden der Aduchtstraße bildet das Gebäude, ein städtebauliches Ensemble von hauptsächlich breit gelagerten Gebäuden in Formen des Neo Klassizismus und Jugendstils und der historistischen Fassadendekoration verhafteten Bauten aus den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts.

Dem vornehmen Charakter des Wohnumfelds entspricht das Gebäude Aduchtstraße 7 mit seiner repräsentativen, gestalterisch sehr aufwendigen, symmetrisch gegliederten Fassadenkompositionmit den Schmuckformen

  •  
    • Sockelbereich mit scharrierter Putzfläche
    • profilierte und gekröpfte Stockwerkgesimse und Traufgesimse
    • achsenweise Zusammenfassung des ersten und zweiten  Obergeschosses als Hauptpartie der Fassade
    • Zahnschnitt
    • breiter Ziergiebel mit Bogenverdachung
    • Einschluß von gerahmten Rechteckfeldern mit Stuckreliefs in den Brüstungsfeldern

                                                                                          Die sparsam mit zeitgemäß modernen Formen dekorierte Fassade läßt bereits eine neoklassizistische Strömung in der Fassadenbehandlung erkennen, die sich dem Vorrang der Architektur unterordnet. Sie bestimmt wenige Jahre später als großstädtische Variante einen Großteil der Neubauten.

Aufgrund der weitgehenden Erhaltung der Schauseite mit ihrer an bürgerliche Architekturformen anknüpfende Dekoration ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Neustadt und als Dokument sowohl des Sozialstatus als auch der Repräsentationsbestrebungen seiner Bewohner von Bedeutung. Die Häuserzeile der Aduchtstraße setzt sich aus gestalterisch aufeinander bezogene Fassaden zusammen und bildet neben anderen gleich proportionierten und variantenreich dekorierten Gebäuden ein Ensemble zeitgenössischer Architektur (Nrn. 9 - 11, 12 und Neusser Wall 40 - 46). Das Objekt ist für das Erscheinungsbild der weitgehend geschlossen erhaltenen Bebauung im nördlichen und nordwestlichen Teil des Straßenzuges und als Zeugnis für die reiche Neustädter Architektur im frühen 20. Jahrhundert ein unverzichtbares Beispiel.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutz-gesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen.

Referenz: 0076


Das Denkmal hat die Nummer 7493 und ist seit dem 18. Mai 1995 geschützt.

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