Wohn- und Geschäftshaus

Aachener Str. 21, 50674 Köln - Neustadt-Süd

Das um 1900 errichtete Gebäude ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Ortsgeschichtlich ist das Wohn- und Geschäftshaus ein Zeugnis für die Erstbebauung dieses Straßenabschnitts der Aachener Straße. Zwischen der inneren und äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung durchgeführt. In einheitlicher Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Wohnbereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge miteinander verbunden. Dabei wurde die Hahnentorburg als Rest der mittelalterlichen Stadtbefestigung bewußt in die Stadtplanung einbezogen und als Ausgangs- bzw. Endpunkt der Aachener Straße bewahrt. Diese war schon vor der Stadterweiterung eine Ausfallstraße nach Westen, und sie wurde als Alleestraße während der Jahre 1885 - 1895 bebaut.

Baugeschichtlich aussagefähig ist das viergeschossige, vierachsige Traufenhaus mit zweiachsigem Erker und ehemaligem Giebelgeschoß als Beispiel einer Bauweise mit reichen Dekorelementen des floralen Jugendstils.

Die Belebtheit und plastische Wirkung der Fassade wird hervorgerufen durch die wie Kanzeln aus dem Mauerwerk herausragenden Balkone in unterschiedlichen Rundformen und Dekor sowie auch durch die verschiedenen Fensterformen (gerade, geschweift, abgerundet, dreiteilig gekuppelt) und Dekorationen. Ist die Rahmung der Fenster des ersten Obergeschosses durch Ast- und Blattwerk künstlerisch eigenständig und organisch gelöst, gehorchen die dreiteilig gekuppelten Fenster des zweiten und dritten Obergeschosses sowie ihre Brüstungsfelder einem eher strengen, hochrechteckigen Gliederungsprinzip. Der Erker schließt im dritten Obergeschoß nach unten bogenförmig ab.

Die Fenstersohlbankgesimse der beiden Mittelachsen sind im Mittelteil der Fenster ausgekragt und gliedern die Fassade horizontal. Weitere Dekorakzente neben der floralen Ornamentik sind Wappenformen, Kränze und Masken.

Die Balkone des dritten Obergeschosses weisen kleine Ausschnitte mit schmiedeeisernem Gitter auf, die des vierten Obergeschosses werden von je zwei Pilastern mit Maskenkapitellen flankiert. Trotz der Veränderung des Erdgeschosses und des fünften Obergeschosses verdeutlicht die Fassade als konstruktiver Teil des Hauskerns Proportion, Geschoßgliederung und Höhe des Gebäudes.

Das Innere des Hauses entspricht im wesentlichen seinem äußeren Erscheinungsbild:

  • im Entrée seltene, blaue Wandfliesen mit weißen Dekorteilen in Jugendstilmuster,
  • darüber und im Deckenbogen Stuckbänder und Ornamentik;
  • dann eine Terrazzotreppe mit schmiedeeisernem Geländer und Holzhandlauf,
  • farbig ornamentierte Fliesen auf den Podesten,
  • dem Treppenlauf folgende Wandstrukturierung mit Abschlußleiste,
  • Wohnungstürabschlüsse mit Oberlichtern,
  • Flurfenster.

 

Städtebaulich bedeutend ist das o.g. Objekt als Bestandteil eines Gebäudeensembles (Nr. 7 - 11, 15 - 21, 25), welches das historische Erscheinungsbild dieses Straßenteilbereichs bewahrt und anschaulich rekonstruierbar macht.

Referenz: 0009


Das Denkmal hat die Nummer 749 und ist seit dem 24. August 1981 geschützt.

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