Wohn- und Geschäftshaus

Kasparstr. 26, 50670 Köln - Neustadt-Nord
Errichtet: Um 1900


Das um 1900 gebaute Wohn- und Geschäftshaus ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Ortsgeschichtlich ist das Bauobjekt Zeugnis der zweiten Welle des Stadtausbaus Kölns nach seiner Erweiterung und Neuplanung um 1881. Im Zeitraum von 1900 bis 1910 stieg die Stadtbevölkerung von 367.000 auf 655.000 Einwohner, wobei das größte Wachstum auf das heutige Gebiet der Neustadt konzentriert war. Für die hier von 80.000 auf 124.000 in dieser Zeit gestiegene Einwohnerzahl wurden119.000 neue Wohnungen, meistens mit drei bis fünf Zimmern, in vier- bis sechsstökkigen Miethäusern für mittlere bis gehobene Ansprüche gebaut. Die vom Ring bzw. Sudermanplatz zum nördlichen Randgebiet führende Queranlage der Kasparstraße schließt, parallel mit der Krefelder Straße, das vornehme Gerichts- oder Agnesviertel westlich ab, wobei einzelne Wohnobjekte die Merkmale der Ausstattung der ganzen Umgebung tragen.

Baukünstlerisch versucht das breite, in vier mal vier Achsen zum Krefelder Wall und Kasparstraße angelegte Eckhaus mit abgeschrägtem Erker, die städtebaulichen Attribute beider Straßen aufrecht zu halten. Der starke, dreigeschossige Erker, sowohl zur Kasparstraße als auch zum Krefelder Wall, profiliert die Hausanlage plastisch. Die kräftige Rustikaquaderung des Erdgeschosses ist an beiden Vorsprüngen an den Seiten bis nach oben weit befolgt. Die Zusammenfassung von zwei Hauptstockwerken durch klassizistische Fensterrahmungen mit Dreiergiebelbekrönung und die Girlanden an den Brüstungsfeldern des zweiten Obergeschosses sind die einzigen auffallenden Verzierungen der im Sinne des Spätrokoko zart und harmonisch wirkenden Stuckfassade. Nicht nur die Verzierung und Gliederung der Schauseiten sondern auch die Konstruktion des Sparrendachs mit Drempel und sogar die Fensterladenteilungen der Erdgeschoßzone bewahren die ursprüngliche Baurhythmik und die historisierenden Grundtendenzen aus der Erstbebauungszeit. An die zwei energisch gezogenen Brüstungsgesimse, die die Fassade waagerecht unterstreichen, folgt die Schlußsteinornamentik der obersten Fenster sowie die effektvolle Verdoppelung der Kranzgesimsleiste.

Das Hausinnere war mehrmals umgebaut und vermittelt so schon einen weniger stilvollen Eindruck als einzelne Straßenfronten. Der Terrazzoboden des Foyers und der Zwischenpodeste ist mit Farbkanteneinlage geschmückt. Die Wände des Eingangsberichs sind mit Kacheln mit Jugendstilornamenten bekleidet und einheitlich gestaltet. Die Terrazzotreppe ist durch das Eisengußgitter begleitet. In dem Treppenhaus und an der Hinterfassade sind noch Fenster in ursprünglicher Teilung und Durchführung zu finden.

Städtebaulich ist das o.g. Wohnobjekt durch seine dominierende Eckposition außerordentlich bedeutend, weil es die fortlaufende Firstlinie des Neusser Walls und der Kasparstraße beidseitig kommunikativ verbindet und das abwechslungsreiche, geschichtliche Erscheinungsbild der Gründerzeit so bis heute noch voll anschaulich und erlebbar macht.

Referenz: 5169


Das Denkmal hat die Nummer 748 und ist seit dem 20. August 1981 geschützt.

Denkmal <Wohn- und Geschäftshaus> bearbeiten
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