Wohnhaus

Florastr. 18, 50733 Köln - Nippes

Erbaut um 1900/05, rechteckiger Grundriß mit rückwärtigem Anbau, 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach, 3 Achsen, Stuckfassade (verkleidet: Erdgeschoß Kunststofffliesen, Obergeschoß Kunststoffverkleidung), Hauseingang linke Achse, segmentbogig schließende Eingangs- und Fensteröffnungen, Eingangstür sowie alle straßenseitigen Fenster erneuert. Rückseite: Backstein verputzt, Vorderhaus einachsig, Anbau zweiachsig, Fenster mit segmentbogigem oberen Abschluß, alle hofseitigen Fenster und die Hoftür erneuert. Im Innern original erhalten: Rundbogendurchgang im Vestibul, Holztreppe mit Antrittspfosten. In den Wohnungen z. T. originale Türen und Gewände. Gewölbekeller. Rückwärtige Einfriedungsmauer in Backstein, verputzt, z. T. erhalten.

Das Gebäude Florastr. 18 ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße - eine urspr. römische Straße - gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis 1914 entstanden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße, die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Heute erscheint der Vorort Nippes als dicht bebauter, mit wenigen Grünflächen durchsetzter Wohnbereich. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil.

Das Haus Florastr. 18 ist ein Beispiel für die Erstbebauung dieses Straßenabschnittes und bildet mit den anderen in der Nachbarschaft anstehenden Gebäuden aus der Zeit um die Jahrhundertwende einen noch heute beachtlichen Bestand. Charakteristisch für die Erschließung und Bebauung der unmittelbar an der Straße errichteten Gebäude ist die dreiachsige Fassadengliederung des Wohngebäudes rheinischer Prägung, sowie die Zweigeschossigkeit mit ausgebautem Dachgeschoß und die geringe Höhe der Geschosse. Weitere zu dieser Zeit entstandene Gebäude der Florastraße (Nrn. 16, 72, 77, 93 und ursprünglich 49 und 69) zeigen eine annähernd gleiche Dimensionierung. Einfache Schmuckformen an der Fassade (Fugenschnitt, Stockwerkgesims, im Obergeschoß durch flache Stucklagen akzentuierte Verdachungen, Traufgesims), die sich am Nachbarhaus Nr. 16 wiederholen, geben Aufschluß über Sozialstatus und Repräsentationsbedürfnisse der Erbauer und Bewohner. Das Objekt ist als Beispiel für den frühen Wohnbau in Nippes ein historisches Dokument. Im weiteren Verlauf der Florastraße eingerahmt von Neubauten aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg und umgeben von drei Fenster breiten und drei- bis viergeschossigen Mietwohnhäusern aus der Zeit um die Jahrhundertwende, dokumentiert es mit wenigen noch erhaltenen Beispielen die frühe Bebauung in Nippes und markiert den Anfang der kurz darauf einsetzenden massenhaften Erschließung und Bebauung der Straße mit einfachen Ansprüchen genügenden Mietwohnhäusern. Es ist ein unverzichtbarer Bestandteil im Ensemblebereich der Straße und somit als Baudenkmal zu erhalten.

Referenz: 3698


Das Denkmal hat die Nummer 7446 und ist seit dem 27. April 1995 geschützt.

Denkmal <Wohnhaus> bearbeiten
Zum Denkmalkatalog Kommentar zum Denkmal abgeben