Villa

Unter den Ulmen 148, 50968 Köln - Marienburg
Errichtet: 1893/94/1904 seitliche Erweiterung 1953 Umbauten


Architekt: Otto March (1845-1913)

Bauherr: Fritz Vorster, Fabrikant, Mitinhaber der Chemischen Fabrik Köln-Kalk

 

Das Gebäude wurde auf einem großen, parkähnlichen Grundstück errichtet, das durch Ausparzellierungen und Neubebauungen von 1921/22 (Tiberiusstr. 3) und 1950/51 (Tiberiusstr. 1, 5, 7) verändert wurde. Dabei wurden auch verschiedene Wirtschaftsgebäude wie Hühnerhaus mit Kegelbahn, Wein- und Treibhaus entfernt. Erhalten haben sich eine ehem. Remise (Leyboldstr. 27) und das ehem. Pförtnerhaus an der Grundstücksecke Unter den Ulmen/Tiberiusstr..

 

Fassade/Aufbau

zweigeschossiges vielachsiges Backsteingebäude mit einer Vielzahl von

  • Vor- und Rücksprüngen
  • Standerkern
  • Erker
  • Loggia
  • Giebeln
  • Zwerchhäusern

 

Es wird von einem Satteldach mit Rathenower Dachpfannen abgeschlossen. Die Giebelfelder sind ebenfalls mit diesen Pfannen verkleidet.

Gliederung durch weiße Verfugung der

  • roten Verblender
  • Sandsteinpartien
  • Holzpartien

 

Die Tür- und Fensteröffnungen sind größtenteils rechteckig und variieren in Höhen, Breiten und Teilungen, sie zeigen zumeist Werksteinrahmungen.

Die gartenwärts gelegene Südfassade ist aufwendiger gestaltet als die Eingangsseite im Norden.

Die Westseite wird von einem selbständigen, reich profilierten Kaminerker betont, während an der 1904 errichteten Gebäudeostseite ein polygonaler Holzerker mit reliefierten Brüstungsfeldern und ein Drillingsarkadenfenster mit eingestellten Säulen auffallen.

Der unregelmäßige Grundriß des Gebäudes wird von den inneren Funktionsabläufen und Raumbedürfnissen bestimmt. Wirtschafts- und Wohntrakt sind konsequent getrennt und mit eigenen Erschließungssystemen versehen.

Ein erhaltener Vorentwurf zeigt den Haupteingang noch in der Mitte der Gebäudesüdseite - seine Verlegung zur sonnenabgewandten und weniger betonten Nordfassade ging einher mit einer wesentlichen Umorganisation des Grundrisses. Abweichend von der englischen Landhausarchitektur, an die sich Otto March (1845-1913) hier stark anlehnte, erfuhr die zentrale Halle eine eher der deutschen Tradition entsprechende Umstrukturierung, indem sie nun von Norden über einen kleinen Vorflur mit Annexen erreichbar ist und einen wesentlich auf die Treppenhausfunktion reduzierten Raum bildet, während sie ursprünglich von Süden erreichbar sein sollte und in anderer Dimensionierung einen Teil des Wohnbereiches darstellte.Typisch für die deutsche Variante ist auch die Möglichkeit, die Räume auf der Gartenseite - hier Musik-, Eßzimmer und das sog. Grünhaus - durch Schiebetüren miteinander zu verbinden.

Der Grünhaus genannte Raum befindet sich in dem 1904 angebauten Gebäudeteil im Osten und ersetzte einen einst hölzernen Anbau. Es handelt sich um einen großzügigen Raum, der von zwei 3-flügeligen Fenstern belichtet wird und mit Brunnen, orientalisierenden Wandkacheln und Mosaikfußboden seine originalen Ausstattungsmerkmale bewahrt hat. An ihn schließt sich eine geschlossene Veranda mit ehemals sehr großer rundbogiger Fenstertüröffnung zur Gartenseite an, sie wurde nachträglich verkleinert.

Inneres

Im Inneren sind Fliesenboden, ein Teil der Wandkacheln und ein Brunnen erhalten.

Ebenso erhalten haben sich

  • das Haupttreppenhaus in Holz mit Balustergeländer
  • Nebentreppenhaus in Stein mit Metallgeländer

 

originale Fußböden

  • Parkett in den Wohnräumen
  • Fliesen in
    • Nebentreppenhaus
    • Grünhaus
    • Veranda
    • Loggia
    • Feuchträumen

 

  • Wandverkleidungen
  • Deckenverkleidungen
  • kassettierte Zimmertüren mit und ohne Oberlichter
  • der Kamin (in purifizierter Form) 

 

Ein weiteres typisches Merkmal englischer Bautradition ist das "schiffsmäßige" Ausbauen des Gebäudes, indem man sämtliche Ecken und Winkel ausnutzt. In vielen Räumen und Fluren finden sich diese originalen Einbauten.

Das Grundstück wird von seiner originalen Gittereinfriedung umgeben.


Die Villa Vorster liegt in dem 1888 eingemeindeten Kölner Vorort Marienburg, der seinen Ausbau zu einer geschlossenen "Villen-Colonie" vor allem der Privatinitiative des Kölner Industriellen Ernst Leybold verdankt, der gegen Ende des letzten Jahrhunderts hier mit dem Bau erster Straßen und Landhäuser begonnen hatte. Die Hauptbauphase Marienburgs endete mit dem ersten Weltkrieg. Bis dahin entstanden überwiegend in Parks eingebettete Großvillen mit separatem Kutscher- bzw. Garagenhaus sowie Gartenpavillons. Vorherrschend war dabei eine an den englischen Landhausstil angelehnte Architektur wie sie vor allem die Architekten Otto March (1845-1913) und Paul Pott (1882-1966) vertraten.

Trotz erheblicher Kriegszerstörungen konnte Marienburg seinen Charakter als "Villen-Colonie" weitgehend bewahren und zählt somit zu den wenigen noch geschlossenen von Architektur und Grünplanung bestimmten Villengebieten in Deutschland.

Die Villa Vorster ist architekturgeschichtlich und im Hinblick auf die Entwicklungsgeschichte von Marienburg ein Bau von großer Bedeutung. Mit ihrer Dimensionierung und der Grundstücksgröße wurden neue Maßstäbe gesetzt, die zusammen mit der völlig neuen Architektursprache und dem dahinterstehenden andersartigen Lebensgefühl den Anfang zu der entscheidenden zweiten Entwicklungsphase Marienburgs als großzügig angelegter Villenvorort mit starker englischer Prägung darstellen.

Als eines der ersten nahezu klassischen Landhäuser im englischen Stil in Deutschland, das einige Jahre vor der "Entdeckung" der englischen Wohnhausarchitektur durch den Architekten Hermann Muthesius (1861-1927) errichtet wurde, kommt dem Bau auch innerhalb der Entwicklung der neuzeitlichen Wohnarchitektur Deutschlands eine nicht zu unterschätzende Stellung zu. Besonders deutlich wird dies, wenn man den radikalen Bruch mit der bisherigen deutschen Tradition bedenkt, das völlig neue Verhältnis von Natur und Wohnen sowie die gänzlich andere Funktionalität.

Dass in Marienburg eine der ersten "englischen" Villen in Deutschland entstand, entwuchs der beginnenden verwandtschaftlichen Beziehung zwischen dem Industriellen Fritz Vorster und dem Architekten Otto March (1845 - 1913). March, der 1889 eine von Vorsters Schwestern heiratete, besuchte 1888 auf dessen Einladung England und begann sich für die dortige neuzeitliche Architektur zu interessieren. Der Einfluss dieser Reise läßt sich schon bald bei seinen Landhausbauten erkennen, konsequent "englisch" wird aber erst das Landhaus für seinen Schwager Fritz Vorster, mit dessen Planung spätestens 1891 begonnen wurde. Die 1894 fertiggestellte Villa zeigt eine für spätere Zeiten fast "klassische" Grundrisslösung, deren Vorbildhaftigkeit sich in den 1920er Jahren besonders bei Paul Bonatz (1877-1956), dem späteren "Hausarchitekten" der Vorsters zeigt. Prägend ist die Südorientierung der Hauptwohnräume mit winkelförmig angelegtem Wohnzimmer und einem "Grünhaus"; der Funktionsbereich Küche liegt ebenerdig nach Norden und in praktischer Nähe zum Eßzimmer; die Treppenhalle umschließt an der Westseite das Herrenzimmer; das Damenzimmer wurde zugunsten eines kombinierten Wohn-/Musikzimmers aufgegeben.

Otto Marchs Vorbilder waren neben dem Architekten Richard Norman Shaw (1831 - 1912) William Eden Nesfield (1835 - 1888) und Thomas Edward Collcutt (1840 - 1924). Während die Grundform eines vielteiligen roten Backsteingebäudes mit überhöhtem, "durchgestylten" Kamin und verschindelten Giebeln bei Shaw vorkommt, scheinen einige Details andere Anregungen zum Ursprung gehabt zu haben. So finden sich z. B. die prägnanten Erker und Risalite an dem Betteshanger House (Kent) von George Devey (1820 - 1886), dem March die polygonale Brechung, die Skelettierungen und auch einige Fensterformen entlehnt hat. Trotz der erkennbaren Anleihen bleibt die Villa Vorster eine eigenständige Schöpfung. Eingebettet in einen englischen Landschaftsgarten befindet sich neben der Villa an der Eingangsseite des Grundstücks ein Pförtnerhaus, aus den gleichen Materialien und in ähnlichen Formen, nur in weitaus kleineren Dimensionen als das Haupthaus ausgeführt.

Eine ebenfalls noch erhaltene Remise ist heute ausparzelliert und dient als eigenständiges Wohngebäude.

Die Villa Vorster ist mit ihrer weitgehend erhaltenen Innen- und Außenarchitektur und dem umgebenen Park mit Pförtnerhaus und historischer Einfriedung ein herausragendes Beispiel für die Übernahme der Entwicklungsprinzipien des englischen Landhausbaus in Deutschland zur Zeit der Jahrhundertwende. Als frühes, nahezu vollständig erhaltenes Beispiel dieser Architekturströmung besteht ein öffentliches Interesse an Erhaltung und Nutzung. Das Gebäude besitzt im Zusammenhang mit der übrigen Bebauung der "Villen-Colonie" Marienburg durch seine herausgehobene Lage auf einem Eckgrundstück zur Leyboldstraße auch prägende Wirkung für den Stadtteil. Dementsprechend besteht nicht nur aus wissenschaftlichen, sondern auch aus städtebaulichen Gründen ein öffentliches Interesse.

Referenz: 8828


Das Denkmal hat die Nummer 7431 und ist seit dem 6. März 1995 geschützt.

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