Wohnhaus

Gartenstr. 8, 50733 Köln - Nippes
Errichtet: um 1890


  • zwei Geschosse, ausgebautes Dachgeschoss, Satteldach
  • drei Achsen
  • Stuckfassade
  • Stil: Neo Klassizismus

 

Fassade

  • L-förmiger Grundriß
  • Ziergiebel über der mittleren Achse
  • Hauseingang links
  • originale Haustür mit Oberlicht
  • straßenseitige Fensteröffnungen der Hauptgeschosse verändert (ursprünglich Segmentbogenfenster)
  • Fenster erneuert


Rückseite

  • strukturierte Putzfassade
  • Fenster mit geradem Abschluß
  • alle Fenster erneuert
  • Hoftür erneuert


Inneres

  • Im Innern original erhalten
  • Holztreppe
  • Holzdielenböden
  • Gewölbekeller

 

Bestandteil des Denkmals ist das rückwärtige Gartengelände mit originaler Einfriedungsmauer.

Nicht Bestandteil des Denkmals ist ein eingeschossiges Gebäude im Garten.

 

 

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes ließen sich bereits ab 1800 die ersten Fabrikanten nieder. Die Neusser Str. - eine ursprünglich römische Straße - gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den heranwachsenden Vorort. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachse die Merheimer Str. bildete, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof.

In der zweiten Jahrhunderthälfte entwickelte sich das 1888 zu Köln eingemeindete Nippes zu einem wichtigen Industriestandort. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Str. (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende wuchs die Bevölkerung der Siedlung rapide an, bis ca. 1914 entstanden nördlich der Mauenheimer Str. und Florastr., die Wohngebiete um den Leipziger Platz und Erzbergerplatz; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Innern Grüngürtel nach Süden aus.

Heute erscheint der Vorort Nippes als dicht bebauter, mit wenigen Grünflächen durchsetzter Wohnbereich. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil. Die städtebauliche Verdichtung des Ortsteils zu beiden Seiten der Neusser Str. hat sich in jüngster Zeit fortgesetzt.

Die Gartenstraße, angelegt um 1887 als Verbindung zwischen der seit etwa 1873 bestehenden Wilhelmstr. (Nippes) und der auf alte Vorläufer zurückgehenden Florastr., wurde bis in die Zeit um die Jahrhundertwende allmählich bebaut mit zwei- bis viergeschossigen, in zeittypischer Weise einfach dekorierten, schlichten Wohn- und Miethäusern. Eine reduzierte Anzahl von Wohngebäuden zeigt noch die typische Erscheinungsform der Bauten aus der ersten Zeit des raschen Anwachsens des Stadtteils - schmale Parzellen mit drei Fenster breiten Fassaden und zwei- oder dreigeschossigen Häusern mit einfachen, hauptsächlich dem Klassizismus entlehnten Schmuckformen

  • Fugenschnitt
  • profilierte Einfassung der Eingangstür und der ursprünglichen Fensteröffnungen
  • breites Stockwerkgesims
  • im Obergeschoß konsolgetragene waagrechte Verdachungen
  • segmentbogig bekrönter Ziergiebel in der Mittelachse
  • Einschluß von Diamantquadern die in Anlehnung an einen Querbalken den Bogen tragen
  • schmale, profilierte Halbrundfenster mit konsolartigen Schlußsteinen

 

Einen besonderen Akzent, der als Anleihe an bürgerliche Architekturformen zu werten ist, setzen Ziergiebel in den Mittelachsen.

Das im Kreuzungsbereich zur ebenfalls recht schmalen Nelkenstr. gelegene Haus Gartenstraße 8 und weitere annähernd im Originalzustand erhalten gebliebene Gebäude der Zeile sind Zeugnisse der ursprünglich auf den unteren Mittelstand zugeschnittenen Erstbebauung einer der neu angelegten Straßen des Industrieortes Nippes. Charakteristisch für die frühe Erschließung und Bebauung der unmittelbar an der Straße errichteten Gebäude ist die geringe Parzellenbreite - das Haus Nr. 8 zeigt die typische dreiachsige Fassade städtischer Bebauung - sowie die Zweigeschossigkeit mit ausgebautem Dachgeschoß und die geringe Höhe der Geschosse. Die unmittelbar benachbart liegenden Gebäude 10 und 12 zeigen eine annähernd gleiche Dimensionierung.

Das Objekt ist als Beispiel für den frühen Wohnbau in Nippes ein historisches Dokument. Im weiteren Verlauf der Gartenstraße umgeben von drei- bis viergeschossigen Mietwohnhäusern und Neubauten jüngeren Datums, dokumentiert es mit wenigen noch erhaltenen Beispielen die frühe Bebauung und markiert den Anfang der kurz darauf einsetzenden massenhaften Erschließung und Bebauung des Gebietes Florastr., Nelkenstr. und Gartenstraße mit einfachen Ansprüchen genügenden Mietobjekten. Es ist ein unverzichtbarer Bestandteil im Ensemblebereich der Straße und somit als Baudenkmal zu erhalten.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Referenz: 3895


Das Denkmal hat die Nummer 7409 und ist seit dem 6. März 1995 geschützt.

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