Tankstelle

Escher Str. 66, 50733 Köln - Nippes
Errichtet: um 1955


im Kreuzungsbereich Escher Str., Hartwichstr., Sechzigstr.

Aufbau

  • auf nach Westen trapezförmig zulaufender Parzelle in Ost-West-Richtung gelegen
  • eingeschossiger, mit der Rückseite an bestehende Bebauung anschließender und im Gegensatz zu dieser beidseitig rückspringender, pavillonartiger Tankstellenbau auf unregelmäßigem Grundriß
  • Werkstattgebäude und Kassenhaus werden durch das an den Kanten vorkragende (ca. 0,50 m) Flachdach zusammengefasst.
  • geschwungene, den Vorplatz (ursprünglich Pumpenstation) überdachende, von Stahlstützen getragene und seitlich asymmetrisch eingeschwungene Dachplatte zum Kreuzungsbereich hin
  • als Stell- bzw. Parkfläche dienender, gänzlich asphaltierter freier Hofbereich

 

Kassenhaus

  • halbrunder Grundriß
  • gemauerter und verputzter Sockel
  • achtteilige Verglasung in Metall
  • hohe Oberlichter bis zum Dachansatz (heute z. T. geschlossen)
  • Eingangstür in der zweiten Achse von rechts
  • von Metalleiste gefasste, dem Verlauf des Kassenhauses folgende sockelbildende Stufe

 

Werkstattgebäude

  • rechteckiger Grundriss

 

Halle

  • Front zur Kreuzung
  • vierteilige Toröffnung mit Oberlicht in Metall

 

Seitenfront zur Escher Straße

  • zwei sechsteilige durch Sprossen geteilte Metallfenster (im unteren Bereich geschlossen)
  • hohe Oberlichter

 

Dachplatte

 

Inneres

Im Innern original erhalten

  • Werkstatt
    • Betonboden
    • Wandfliesen (bis ca. 2 Meter Höhe)
    • rückwärtige Belichtung durch farblose Glasbausteine
  • seitlicher Raum (ehemals Heizöltank)
    • Belichtung durch Glasbausteine
  • Kassenraum
    • Fliesenbodenbelag
    • Abdeckung der Heizköper durch Kunststein
    • abgehängte Decke
    • zwei kleine rückwärtige Räume.

 

 

Das Gebäude Escher Straße 66 liegt im Westen des Stadtteils Nippes, dem ursprünglich Sechzig-Viertel genannten Ortsbereich an der Grenze zum Stadtteil Bilderstöckchen. Das Sechzig-Viertel fand seine ursprüngliche Begrenzung im Osten durch den Bahndamm (heute Kempener Str.) und wurde von Nippes aus durch die Holbeinstr. und die Lohsestr. erschlossen. Bis heute hat dieses Wohngebiet zwischen Neusser Str. und der jetzt parallel zur Escher Straße verlaufenden S-Bahn-Trasse sein kleinteiliges Gefüge bewahrt.

Die Entwicklung der ehemals ländlich geprägten Teile ist in diesem Bereich eng miteinander verwoben. Bilderstöckchen erfuhr mit der Anlage des Bahnhofs Nippes 1898 und durch den Bau des Schlachthofes eine allmähliche Anbindung an den südlich angrenzenden Stadtteil. Zu dieser Zeit entstand um die Escher Straße eine Ansiedlung mit kleinen Wohnhäusern. Auf Betreiben der "Nippeser Bau- und Spargenossenschaft" wurde u. a. an der dem Nippeser Friedhof benachbart gelegenen Nievenheimer Str. Wohnbebauung angelegt. 1904 folgte ein Schulbau an der Osterather Str., 1909 im Norden ein großes Artilleriedepot. Im Anschluß kam es erst wieder in den 20er Jahren zu einer Erweiterung durch Mietwohnungsbauten im Bereich des Schulgebäudes.

Als zu Beginn der 30er Jahre nach Überantwortung des militärisch genutzten Geländes an die Stadt Köln die eigens gegründete Siedlungsgesellschaft "Am Bilderstöckchen" den Ausbau der Depothallen zu Wohnzwecken betrieb, sezte eine kontinuierliche Besiedelung ein. In der Nachkriegszeit entstand ein großes Siedlungsgebiet mit ursprünglicher Anbindung an Neu-Ehrenfeld. Die Escher Straße ist im westlichen Bereich geprägt durch weiträumige Grünanlagen und in unmittelbarer Umgebung des Gebäudes Nr. 66 durch eine heterogene Nutzungsstruktur der anstehenden Architektur.

Das Gebäude Escher Str. 66 im Kreuzungsbereich der nach Neu-Ehrenfeld führenden Liebigstr., der Osterather Str. und Lämmerstr. entstand zu Mitte der 1950er Jahre. Der Servicebetrieb Tankstation liegt hier verkehrsstrategisch günstig im Einzugsbereich von Neu-Ehrenfeld, Nippes und Bilderstöckchen. Die rückwärts des Objektes anstehenden geschlossenen Giebelwände der anschließenden Wohnbebauung Escher- und Hartwichstr. lassen vermuten, daß hier möglicherweise den Blockbereich schließende Gebäude ehemals vorhanden oder geplant waren.

Die Tankstation nimmt die Disposition des durch vorhandene Bebauung vorgegebenen Verlaufs auf und findet sowohl eine verkehrsräumlich günstige Lage an der vielbefahrenen Straßenkreuzung mit Zufahrt auf beiden Seiten des Grundstücks, als auch haben die nach beiden Straßen hin sich orientierenden Bauten Signalcharakter, der durch die asymmetrisch geschwungene Dachplatte, die die Gebäude sowie den ehemaligen Servicebereich überdacht, und ursprünglich vorhandene Werbeflächen, gesteigert war.

Die 50er Jahre, die erste Wiederaufbauphase nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs, geraten als inzwischen abgeschlossene Periode des Bauschaffens immer mehr in das Interesse der Allgemeinheit. Aus dieser Zeit verfügt Köln über eine Anzahl Bauten von hoher baukünstlerischer und städtebaulicher Qualität. Die Tankstation im Zusammenhang mit einem Werkstattgebäude schließt mit ihrer gesamten Rückfront an die bereits bestehende Wohnbebauung an. Die auf unregelmäßiger Grundfläche errichteten Gebäude umfassen den pavillonartigen Kassenraum und eine Werkstatt/Wagenpflegestation mit kleinen Nebenräumen. Besonders die zum großen Teil verglaste halbrunde Vorderfront des Kassenhauses, eine der Architekturauffassung der 1950er Jahre entsprechende, Transparenz und Leichtigkeit der Formen erzeugende Gestaltungssprache, dessen Gestalt auch durch die spezifische Nutzung vorgegeben ist, betont die Tendenz zu weitgehender, dem Betriebsablauf dienender Überschaubarkeit der Gewerbearchitektur.

Von den Baukörpern ausgehend schwingt die Dachplatte bis über die frühere Pumpenstation mit Zapfsäulen hinweg aus, wobei zwei Stahlstützen für Stabilität sorgen. Das Gebäude, das - wenn auch eher zurückhaltend - einer dynamischorganischen Architektursprache der 50er Jahre verpflichtet ist, ist als qualitätvoller Tankstellenbau erhaltenswert.

Vor dem Hintergrund des anwachsenden Individualverkehrs ist die Tankstation als eigener Bautyp nach den Vorläufern der 30er Jahre in den 50er Jahren als wichtige Bauaufgabe in den Städten neu entstanden. Es ist hier im Kreuzungsbereich und an einer verkehrsreichen Ausfallstraße gelegen. Die städebauliche Lage wurde geschickt gewählt, der Signalcharakter des niedrigen und zurückspringenden, den Abschluß des Baublocks markierenden Bauwerks an dem in den öffentlichen Straßenraum ragenden Grundstück ist unverkennbar.

Die Tankstelle Escher Straße 66 ist ein gelungenes Beispiel, bei dem die Bauaufgabe sowohl baukünstlerisch und ästehetisch qualitätvoll als auch funktional befriedigend und mit Einschränkung städtebaulich harmonisch gelöst wurde.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen.

Referenz: 0815


Das Denkmal hat die Nummer 7406 und ist seit dem 6. März 1995 geschützt.

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