Wohn- u.Geschäftshaus m. Fertigungs-u.Lagerhallen

Äußere Kanalstr. 10-12, 50827 Köln - Ehrenfeld
Errichtet: in 4 Bauabschnitten von 1960 - 1968


Architekt: Wilhelm Muth (1924-1995)

Gesamtkomplex gliedert sich in

  • a) ein langgestrecktes, dreigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus, das in 2 Bauabschnitten errichtet wurde (Nr. 10 erbaut 1960; Nr. 12 erbaut 1967/68)
  • b) in zwei eingeschossige, rückwärtig Lförmig um einen Hof gruppierte Fertigungs- und Lagerhallen
    • der erste Lagerbau wurde 1963 leicht abgewinkelt (gemäß der Parzellenausrichtung entlang der Franz-Liszt-Str.) an das Gebäude Nr. 10 angebaut
    • 1965 entstand rechtwinklig dazu das zweite Lagergebäude (der Innenhof bildet so eine unregelmäßige Fläche).

 

Äußere Kanalstr. 10:

  • Wohn- und Geschäftshaus, traufständig
  • drei Geschosse, Souterraingeschoss
  • ausgebautes, flachgeneigtes Satteldachgeschoß mit erneuerten Dachflächenfenstern;
  • Betonrasterfassade mit Ausfachungen im Kalksandsteinmauerwerk
  • Fenster erneuert
  • Erschließung über einen original erhaltenen, großflächig verglasten, mittig gelegenen Zugang

 

Rückfront

  • verputzt
  • schlichte Horizontalgliederung durch bandartige Reihung von Fenstern unterschiedlicher Größe (Fenster außer im EG original)
  • drei Gauben mit gekoppelten Fenstern
  • Kellerabgang mit Geländer original

 

Inneres

Innen original

  • Eingangshalle mit Natursteinbelag
  • Treppensockel im Parterre mit Riemchen verkleidet
  • ab dem Erdgeschoss wird die Treppe (schwarzer Terrazzo) in einen halbkreisförmigen Schwung geführt
  • Eisengeländer mit Mipolan-Handlauf
  • Büroeingangstür Erdgeschoss links
  • die Grundrisse wurden aufgrund mehrfacher Nutzungsänderungen verändert
  • teilweise originale Türen.

 

Fertigungshalle von 1963

  • als Erweiterung des Hauses Nr. 10 geplant
  • dem schmalen eingeschossigen Gebäude mit Souterraingeschoß und Flachdach ist hofseitig eine überdachte Rampe vorgelagert
  • rechter Hand befindet sich ein separater Eingang mit originaler Eingangstür und Glasbausteinen
  • originaler Treppenaufgang mit Metallgeländer und Mipolam-Handlauf
  • Front ist komplett mit originalen weißen Wandfliesen verkleidet, die seitlich der Wandöffnungen grau abgesetzt sind
  • Grundrisse aufgrund von Nutzungsänderungen verändert


Fertigungshalle von 1965

  • tiefer Hallenbau mit flachgeneigtem, mit Welleternit eingedeckten Satteldach
  • Front komplett mit originalen weißen Wandfliesen verkleidet (seitlich der Wandöffnungen grau abgesetzt)
  • dem Gebäude vorgelagert eine überdachte Rampe, mit integriertem Lastenaufzug
  • rückwärtige Fensteröffnungen mit Glasbausteinen geschlossen
  • Zugang über originalen Treppenaufgang mit originalem Metallgeländer
  • Grundrisse mehrfach wegen Nutzungsänderungen verändert
  • Decken abgehängt


Äußere Kanalstr. 12

  •  Wohn- und Geschäftshaus, traufständig
  • drei Geschosse, Souterraingeschoss, ausgebautes, flachgeneigtes Satteldachgeschoss mit neuen Gauben
  • Betonrasterfassade mit Ausfachungen in Kalksandsteinmauerwerk in Weiterführung der Fassadengliederung von Nr. 10
  • zwischen beiden Bauabschnitten bildet ein glatt vermauertes Wandfeld eine deutliche Zäsur
  • linker Hand
    • Tordurchfahrt mit originalem Eisentor
  • rechter Hand
    • Zugang neben der Durchfahrt
  • Fenster erneuert

 

Rückfront

  • verputzt
  • Horizontalgliederung durch bandartige Fensterreihung (Fenster außer im Erdgeschoss original)
  • Rückfront
    • im Bereich des Treppenhauses (links neben der Tordurchfahrt) durch Glasbausteine über die gesamte Höhe der Fassade vertikal geöffnet
    • vom Hofbereich über eine Tür zugänglich
  • Dachfläche durch vier originale Gauben regelmäßig gegliedert

 

Inneres

Innen original

  • der straßenseitige Eingangsbereich im Parterre mit Marmor verkleidet
  • Eisengeländer mit Mipolam-Handlauf
  • Wohnungsabschlußtüren teilweise erneuert
  • Grundrisse im Erdgeschoss durch Nutzungsänderungen verändert.

 

Die städtebauliche Entwicklung Ehrenfelds zu einem Vorort im Nordwesten Kölns beginnt um die Mitte des 19. Jh. von der Venloer Str. aus in nördlicher Richtung in Höhe der Philippstr. und Leostr. (Ehrenfeld) Bis zu seiner Eingemeindung im Jahr 1888 gewann Ehrenfeld in Folge zahlreicher industrieller Ansiedlungen rasch an Bedeutung. Im Verlauf der daraus resultierenden zügigen Erschließung weiterer Bereiche Ehrenfelds wird ab der Jahrhundertwende auch der Bereich südlich der Venloer Straße zwischen Leyendeckerstr. und Äußerer Kanalstraße bzw. Vitalisstr. erschlossen. Dieser Teil Ehrenfelds ist maßgeblich durch genossenschaftlichen Siedlungsbau und eine Vielzahl von Gewerbebetrieben geprägt.

Neben der Venloer und Vogelsanger Str., die als Radialstraßen bedeutsam für die Raumerschließung und Siedlungsentwicklung sind, ist die Äußere Kanalstraße als Bestandteil des halbringförmigen Erschließungssystems Kölns die Begrenzung der sogenannten mittleren Vorortzone stadtauswärts. An dieser verkehrstechnisch günstigen Stelle ließ der Fabrikant Willi Müller ab 1960 in mehreren Bauabschnitten einen multifunktionalen Gebäudekomplex durch den Architekten Wilhelm Muth (1924-1995) errichten. Die zeittypischen Gestaltungsmerkmale wie die Betonrasterfassade oder die repräsentative, schwungvolle geführte Treppenanlage waren dem Bauherren derart wichtig, daß er sich von dem Architekten einen Entwurf erbat, der sich an dem kurz zuvor fertiggestellten Bürogebäude  Venloer Str. 160/Ecke Innere Kanalstr. (heutiger Nutzer: Türkisch Islamische Union) orientieren sollte.

Entstanden ist ein für die späten 50er und frühen 60er Jahre typischer Gebäudekomplex, dessen sachlich-strenge Gestaltung in Verbindung zur Tradition der klassischen Moderne steht. Bauherr und Architekt realisierten einen Bau, der einerseits nach klar definierten Anforderungen zu funktionieren hat, andererseits durch seine progressive Gestaltung das Selbstverständnis des Betriebes zum Ausdruck bringen soll.

Als bauliches Dokument der Wiederaufbauphase nach dem zweiten Weltkrieg von hoher baukünstlerischer Qualität ist das o.g. Objekt in architektur- und stadtbaugeschichtlicher Hinsicht unbedingt zu erhalten. Darüberhinaus belegt es eine bereits Anfang der 60er Jahre einsetzende Tendenz zur Entwicklung von Gewerbegebieten in Stadtrandlage, die maßgeblich durch eine gute Anbindung an den Fernverkehr geprägt sind. Für die Entwicklungsgeschichte Ehrenfelds stellt das o.g. Objekt ein wichtiges charakteristisches Beispiel dar.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen.

Referenz: 3575


Das Denkmal hat die Nummer 7366 und ist seit dem 8. Februar 1995 geschützt.

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