Schloßanlage Schloß Arff

Schloß-Arff-Str., Köln - Roggendorf/Thenhoven

inschriftlich datiert 1750 (Kartusche an der Rückfront),

Architekt: Michael Leveilly

  • Freistehendes, barockes Schloßgebäude,
  • zwei Geschosse und Sockelgeschoß, ausgebautes Mansardgeschoß,
  • sieben Achsen, symmetrischer Bau,
  • zweifarbige Putzfassade,
  • abgesetzte Gliederungselemente (Rustikalisenen, glatte Geschoßgesimse, profiliertes Dachgesims),
  • hohes, schiefergedecktes Mansarddach mit Gauben,
  • sechseckiges Türmchen mit Haube, neuerer Fachwerkverblendung, Rundfenster und originalen Hebefenstern, Wetterfahne und Uhr;
  • Kamine.

 

Vorderfassade:

  • leicht vortretender Mittelrisalit mit Giebelfeld und Vase sowie rechteckigem Balkon auf Konsolen mit schmiedeeisernem Gitter im 2.OG;
  • doppelläufige Freitreppe mit schmiedeeisernem Gitter;
  • helle Fenster- und Türrahmungen aus Naturstein;
  • Fenster und Fenstertüren (separates Oberlicht) mit stichbogigem Sturz (im 1. und 2.OG durch ornamentierten Schlußstein hervorgehoben);
  • originale schmiedeeiserne Oberlicht- und Kellerfenstervergitterungen,
  • hölzerne Sprossenfenster,
  • Schlagläden,
  • Eingangstüre,
  • Balkontüre und zweiflügelige Holztüre zum Sockelgeschoß nach historischem Vorbild erneuert,
  • ehemals originale Dreiecksüberdachung der Gauben verändert.

 Rückfassade unterscheidet sich in der Gestaltung des Risalits von der Vorderfassade:

  • dreiachsiger, vorgewölbter Risalit mit abgeschrägten Seiten,
  • kein Giebelfeld,
  • am Risalit Balkon mit originalem schmiedeeisernen Geländer (Balkonplatte verändert),
  • im oberen mittleren Teil des Dachs statt Gaube Kamin mit Uhr;
  • den Risalit umgebende, im Grundriß ovale Terrasse aus Natursteinquadern mit doppelläufiger, geschwungener Freitreppe und originalem schmiedeeisernen Geländer;
  • drei Fensteröffnungen mit Stichbogen unter der Terrasse,
  • neue sprossenlose Fenster,
  • Vergitterungen entfernt;
  • zweiflügelige, erneuerte Türe zum Kellergeschoß,
  • einige Schlagläden an Mansardenfenstern fehlen.


Südseite/Nordseite:

  • Vier Achsen,
  • zweifarbige Putzfassade mit abgesetzten Gliederungselementen,
  • helle Fensterrahmungen in Naturstein,
  • Fenster und Fenstertüren (separates Oberlicht) mit stichbogigem Sturz,
  • Dreiecksüberdachungen der Gauben;
  • hölzerne Sprossenfenster und Schlagläden nach historischem Vorbild erneuert,
  • Fensteröffnungen im Sockelgeschoß bis auf eines an der Südseite zugemauert;
  • Kanalöffnung unter dem Sockelgeschoß.

 

Im Inneren original erhalten:

  • Reich ornamentierte Mosaikfliesenfußböden in Vestibül und Haupttreppenhaus,
  • üppige Deckenmalerei auf Stuckatur mit Rocailleformen in der Eingangshalle,
  • hölzerne Treppenanlagen im offenen, zweiläufigen Haupt- und geschlossenen Nebentreppenhaus (im Haupttreppenhaus mit aufwendig in Rocailleformen gestaltetem Antrittspfosten und marmorimitierender Bemalung),
  • im Haupttreppenhaus Wandmalereien mit Scheinarchitekturen und Deckengemälden (trompe-l'oeil)
  • Zimmertüren mit Beschlägen und Laibungen (an einer Türe Reste originaler Bemalung),
  • Dielenfußböden,
  • Parkettfußböden,
  • teilweise originale Farbigkeit der Zimmerwände wieder hergestellt,
  • Wandschränke,
  • hölzerne Fensterbänke,
  • Innenläden an den Fenstern,
  • Stuckdecken mit Rocailledekor, Decken mit Hohlkehlen,
  • mythologische Deckenmalerei im 2.OG,
  • Wappenkartusche der Gebrüder Buschmann, Marmorkamin mit Rokokodekor.

 

Sogenannter Weißer Saal (Gartensaal):

Stuckdekor an Decke und Wänden im Transitionsstil (korinthische Pilaster, Rankenwerk mit Blütenkörben, Blüten- und Fruchtgirlanden, Rosette aus Akanthusblättern),

  • verglaster Wandschrank,
  • Wandspiegel,
  • zwei Nischen mit aufgesetztem Rundbogen und stukkierten Vorhängen.

 

Kapelle:

  • Bemalter, marmorimitierender, hölzerner Altar mit rahmenden Scheinarchitekturen,
  • Altarbild (Die Anbetung der Hl. Drei Könige),
  • Ölgemälde an vorgewölbter Wand (Maria auf der Mondsichel),
  • Grisaille (Das Hl. Paar auf der Flucht),
  • Deckengemälde (trompe-l'oeil),
  • Totenzettel.

 

Keller:

  • Kreuzgratgewölbe,
  • Steinfußboden,
  • zweifarbiger Fliesenfußboden,
  • eine Säule,
  • Türen.

 

Vorburg:

  • Zwei symmetrisch angelegte, einander gegenüber liegende Gebäude mit Backsteinfassaden,
  • jeweils bestehend aus einem zur Straße hin liegenden, längeren, eingeschossigen Gebäudeteil
  • und einem zum Schloß hin abgestuft zurückliegenden, kürzeren und niedrigeren Gebäudeteil.

 

Südliche Vorburg,

  • höherer Gebäudeteil (heute Wohnhaus):
  • Satteldach mit zwei schiefergedeckten Giebeln,
  • Rundöffnungen (zum Teil mit neuen Fenstern),
  • neue Dacheindeckung,
  • drei neue Dachgauben mit Sprossenfenstern,
  • Wetterfahne nach historischem Vorbild erneuert;
  • Maueranker,
  • profiliertes Traufgesims,
  • Werksteingliederung an Fensteröffnungen;
  • neue Sprossenfenster mit Stichbogen,
  • einige Fenster vergrößert und ohne Sprossengliederung,
  • Schlagläden nach historischem Vorbild erneuert,
  • Werksteinumrandung der Türen,
  • Türen entsprechend dem ländlichen Stil bzw. nach historischem Vorbild erneuert,
  • neue, gesprosste Verglasung in Türöffnung,
  • neue Türüberdachung,
  • zweiflügeliges Tor nach historischem Vorbild erneuert.


Giebelfassade:

  • Gerader Abschluß,
  • Werksteingliederung an Fensteröffnungen,
  • neue Sprossenfenster mit Stichbogen,
  • Schlagläden nach historischem Vorbild erneuert,
  • neue Türe.

 

Im Inneren original erhalten:

  • Teilweise Holzbalkendecken,
  • Gewölbekeller nach historischem Vorbild wieder hergestellt.

 

Rückseite:

  • Traufgesims mit abgerundeten Ziegeln,
  • Werksteingliederung an Fensteröffnungen,
  • Maueranker,
  • neue Fenster mit Stichbogen,
  • einige Fenster vergrößert,
  • stellenweise nach historischem Vorbild erneuerte Schlagläden,
  • äußerer Treppenabgang.


Südliche Vorburg,niedriger Gebäudeteil (heute Wohnhaus)

  • Walmdach, neue Dacheindeckung,
  • Blendbögen mit geringfügiger Werksteingliederung,
  • profilierte Gesimse,
  • Maueranker,
  • Vorderfassade angestrichen,
  • Werksteinumrandung an einer Türe und am Rundbogenfenster im Giebel,
  • Türen nach historischem Vorbild erneuert,
  • neue Türüberdachung.

 

Giebelfassade:

  • backsteinsichtig,
  • profiliertes Traufgesims,
  • Maueranker,
  • neue Fensteröffnungen, neue Fenster.

 

Nördliche Vorburg, höherer Gebäudeteil (Stall):

  • 1973 nach Brand von 1968 nach historischem Vorbild unter Verwendung originaler Materialien wieder aufgebaut;
  • Satteldach,
  • zwei schiefergedeckte Giebel mit Rundöffnungen (eines mit neuerer Werksteinumrandung),
  • neue Dacheindeckung,
  • Wetterfahne nach historischem Vorbild erneuert;
  • Maueranker,
  • profiliertes Traufgesims;
  • Stichbogen an einem Stalltor und Form des zweiflügeligen Tors verändert,
  • ein weiteres Holztor nach historischem Vorbild erneuert;
  • Werksteingliederung an einem Tor;
  • neue Fenster mit Stichbogen ohne Sprossengliederung, zwei Fensteröffnungen zugemauert. 

 

Giebelseiten:

  • Gerader Abschluß,
  • Maueranker, Rundöffnung;
  • Fensteröffnungen mit Stichbogen und stellenweise Werksteingliederung, neue Fensteröffnungen, zum Teil in veränderter Form.
  • Inneres weitgehend erneuert.

 

Rückseite:

  • Zwei schiefergedeckte Giebel mit zum Teil erneuerten Rundöffnungen;
  • Stichbogen an einem Stalltor verändert,
  • Tore verglast,
  • Fensterformen verändert,
  • neue Fenster ohne Sprossengliederung.


Nördliche Vorburg, niedriger Gebäudeteil (Lager):

  • Walmdach, neue Dacheindeckung,
  • ehemalige Blendbögen geöffnet und verglast,
  • Werksteingliederung, profilierte Gesimse,
  • Maueranker,
  • Werksteinumrandung des Rundbogenfensters (mit Holzblenden) am Giebel.

 

Giebelfassade:

  • Profiliertes Traufgesims,
  • Türöffnungen mit Stichbogen,
  • Türen neu.
  • Inneres erneuert.

 

Rückseite:

  • Fensterformen verändert,
  • neue Fenster ohne Sprossengliederung.

 

Originale, verputzte Einfriedungsmauer mit schmiedeeisernem Gitter, Einfahrtstore mit Eckpfosten.

Bestandteil des Denkmals ist auch die ehemals zweigeteilte, von einem zusammenhängenden Wassergraben umschlossene Gartenanlage mit altem Baumbestand sowie die an die Schloßanlage heranführende Baumreihe.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Das abseits von Roggendorf/Thenhoven dicht am Wald in einem ehemaligen Bruchgebiet gelegene Schloß Arff gehört zu den bedeutendsten Kölner Denkmälern des 18. Jahrhunderts. Erbauer waren die Gebrüder Buschmann, Kanoniker und Mitglieder einer geadelten Kölner Beamtenfamilie. Es gilt als Werk des französischen Hofarchitekten Michael Leveilly, der in den Diensten des Kölner Kurfürsten Clemens August stand und an der Innenausstattung verschiedener kurfürstlicher Schlösser, u.a. des Brühler Schlosses, mitwirkte.

Schloß Arff zählt zu den barocken Landschlössern, bei denen vorhandene Vorbilder in den landesherrlichen Residenzen gesucht und nachgeahmt wurden. Es reiht sich ein in die Gruppe rheinischer Lustschlösser wie Falkenlust, Benrath, Augustusburg und Schloß Jägerhof. Dem Typ nach gehört es zum französischen "Maison de Plaisance" mit axialer Zufahrtsallee, einer zweigeteilten Hofanlage, symmetrisch angeordneten Nebengebäuden und einem dominierenden, freistehenden Hauptgebäude.

Elemente der regionalen Baukunst sind jedoch der Wassergraben, das erhöhte Kellergeschoß und das Türmchen. Diese Merkmale geben Arff bei aller Verbundenheit mit dem französischen Bautyp eine rheinische Note. Mit einer Fülle an originaler Innendekoration und Ausstattung (Mobiliar und Gemälde) übertrifft Schloß Arff, bis auf Falkenlust und Benrath, alle übrigen rheinischen Maisons de Plaisance.

Über die Merkmale der Residenzschloß-Architektur hinaus weisen die Zweiteiligkeit (Haupt- und Vorburg) und der umgebende Wassergraben auf frühere Burganlagen hin, wobei der Wassergraben freilich keinen wehrhaften Charakter mehr hatte, sondern - aufgrund natürlicher Gegebenheiten angelegt - als Gestaltungselement in die einst repräsentative Gartenanlage eingefügt wurde.

Referenz: 7879


Das Denkmal hat die Nummer 735 und ist seit dem 20. Juli 1981 geschützt.

Denkmal <Schloßanlage Schloß Arff> bearbeiten
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