Postbank/ ehem. Postscheckamt

Marzellenstr. 13-19, 50668 Köln - Altstadt-Nord

 

 errichtet 1951 - 1954

  • Entwurf: Wilhelm Albrecht(?), Mitarbeiter: Kaminski, Hilgers, Tranner.

 

  • auf einer Pfahlgründung ruhender Baukomplex,
  • Stahlskelettkonstruktion mit Leichtbetonummantelung und Schwemmsteinausfachung. Tuffsteinfassaden in regelmäßigem Fugenschnitt;
  • Sockel, Vorlagen und Türgewände in Basaltlava.
  • achtgeschossiges, breit gelagertes Hauptgebäude an der Postprivatstraße mit zwei risalitartigen Treppenhäusern,
  • zwei vier- und fünfgeschossige Flügelbauten umschließen im Norden und Süden einen Hof,
  • zur Marzellenstraße hin durch eingeschossige Ladenzeile abgetrennt.

 

Begründung der Denkmaleigenschaft gemäß § 2 Abs. 1 Denkmalschutzgesetz (DSchG):

Der Fassadenaufriß der einzelnen, mit deutlich vorkragenden Flachdächern versehenen Baukörper zeichnet sich durch eine strenge Rhythmisierung aus, die sich aus der Stützenfolge und der daraus abgeleiteten Gruppierung der Fenster ergibt. Zusammen mit dem einheitlichen Fugenbild entsteht so eine klare, einfache Gestaltung der Fassaden mit einem die Konstruktion wiederspiegelnden Ordnungssystem.

Architektonisch herausgehoben sind auf der Westseite die Treppenhäuser und auf der Ostseite der Haupteingang durch den hier aufgesetzten Eingangsbereich am Kopfende des südlichen Flügels. Links neben dem zweiflügeligen Portal befindet sich als "Kunst am Bau" ein aus dünnen Eisenstäben geschmiedeter Phönix von Ernst Göhlert mit der Jahreszahl "1954" in römischen Ziffern und den drei Kronen des kölnischen Stadtwappens.

Die den Hof zur Straße hin abschließende eingeschossigen Ladenzeile ist mit einem weit herauskragenden, aus einer Kehle sich entwickelnden Vordach versehen. Die Fronten der einheitlich gestalteten Ladenlokale sind durch dünne Vorlagen aus Basaltlava, die in die Kehle des Vordaches eingreifen, voneinander getrennt.

Ein wesentliches charakteristisches Merkmal der Anlage besteht auch in der städtebaulichen Anordnung der Baukörper. Als bauliche Vorgaben waren zunächst die Anschlüsse an das Gebäude des Sozialgerichts (ehemals Darmstädter- und Nationalbank, 1923, Architekt: Carl Moritz) sowie an das alte Scheckamtgebäude (Druckerei der Hauptpost) zu berücksichtigen. Ganz besondere Rücksichtnahme verlangte die gegenüberliegende Baugruppe von St. Maria Himmelfahrt und dem ehemaligen Jesuitenkolleg mit dem prächtigen Giebel von 1715.

Ausdrücklich im Hinblick auf diese Situation wurde das achtstöckige Hauptgebäude nach Westen zurückgelegt und somit über die Ladenzeile hinweg eine Aufweitung des Straßenraumes geschaffen, die dem Kirchengebäude und dem Kolleg einen städtebaulichen Freiraum bot. Dabei wird auch ein stadtbaugeschichtlicher Bezug zu den an dieser Stelle errichteten Vorgängerbauten hergestellt.

Der Jesuitenorden hatte 1672 - 1674 gegenüber von St. Maria Himmelfahrt einen Neubau des Gymnasiums Tricoronatum mit seitlich angelegtem Hof errichten lassen. Nach einem Brand im November 1727 wurde ein Jahr später ein Neubau nach einem Entwurf von Johann Konrad Schlaun begonnen. Es entstand ein dreigeschossiger Bau mit einem Vorhof, der 1737 zur Straße hin durch ein kunstvoll geschmiedetes Gitter auf einem Mauersockel mit Pfeilern abgeschlossen wurde. Die Anlage wurde nach dem Umzug des Gymnasiums in einen Neubau am Thürmchenswall schließlich 1912 abgerissen. Durch die Neubebauung von 1951 - 1954 ist die städtebauliche Situation des 18. Jahrhunderts in ihrer räumlichen Struktur nachvollzogen worden.

Nach Überprüfung des baugeschichtlichen und stadtbaugeschichtlichen Sachverhalts ist festzustellen, daß das Gebäude des Postscheckamtes in der Marzellenstraße in Köln in dem hier beschriebenen baulichen Umfang als Baudenkmal gem. § 2 (1) DSchG NW anzusehen ist. Es ist bedeutend für Städte und Siedlungen im stadtbaugeschichtlichen Sinne, weil es eine seit dem 18. Jahrhundert überlieferte städtebauliche Situation tradiert. Für seine Erhaltung und Nutzung sprechen wissenschaftliche, insbesondere architekturgeschichtliche Gründe, da das Bauwerk als charakteristisches Beispiel einer Architekturauffassung der Nachkriegszeit anzusehen ist, die Bauformen des sog. Neuen Bauen mit Elementen traditioneller Architektur (u.a. in der Materialwahl) kombiniert. Sie tritt innerhalb des breitgefächerten Spektrums der architektonischen Formensprache der Nachkriegszeit als eigenständige Gruppe hervor. Darüber hinaus sind bei der Bewertung des Postscheckamtes im Hinblick auf die besondere Lage des Gebäudes gegenüber der Kirche St. Maria Himmelfahrt und dem ehemaligen Jesuitenkolleg auch städtebauliche Gründe zu berücksichtigen.

Referenz: 9438


Das Denkmal hat die Nummer 7321 und ist seit dem 20. August 1998 geschützt.

Denkmal <Postbank/ ehem. Postscheckamt> bearbeiten
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