Messe- u. Ausstellungshallen, Turm

Messeplatz, 50679 Köln - Deutz weitere ...
Errichtet: 1926-1928


 

Architekt Adolf Abel (1882-1968)

Die um 1925/26 vom Leiter des Kölner Hochbauamtes Adolf Abel geplanten, 1926-28 errichteten Rheinhallen einschließlich Messeturm sind ein wichtiges Baudenkmal gemäß § 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Sie sind bedeutend für die Geschichte des Menschen und der Stadt Köln (1). Das öffentliche Interesse an ihrer Erhaltung und Nutzung gründet sich weiterhin auf die architektonisch-künstlerische (2) wie auf die städtebauliche Bedeutung der Gebäude.

Schon die Gründung der ersten Kölner Messe -1922 auf Initiative des  Oberbürgermeisters Adenauer; Architekten Hans Verbeek (1873-1954) und Hans Pieper(1882-1946)- war, zusammen mit der Neugründung der Universität, der Erschließung neuer Industriegelände und der Anlage ausgedehnter Grünzonen eine zukunftweisende Maßnahme für die Entwicklung der modernen Stadt.

Über viele Jahrhunderte hin war Köln eine bedeutende Handelsstadt, die ihrer Lage an wichtigen Verkehrswegen einen Großteil ihres Wohlstandes verdankte, obwohl sie, anders als Frankfurt (seit 1240) oder Leipzig (seit 1268) keine (Waren-) Messe hatte. Die moderne, damals in Köln gegründete (Muster-) Messe knüpft nicht nur an die Tradition des alten Markt-Ortes Köln an, sondern versteht sich und wirkt - damals wie heute - als modernes, internationales Vermittlungsforum der Freien Marktwirtschaft, als Instrument der wirtschaftlichen Selbstregulierung von Angebot und Nachfrage; sie dient der Markttransparenz und bisweilen als Indikator des Konjunkturverlaufs.

Über all dies hinaus ist die Messe seit mehr als zwei Generationen als Unternehmen auch für Köln selbst ein bedeutender Wirtschaftsfaktor mit wichtigen Auswirkungen auf das lokale Gewerbe und den Fremdenverkehr. Insofern besitzt die Messe auch ein nicht zu überschätzendes Element der überregionalen, städtischen Selbstdarstellung, das zu nicht geringem Maß auch an ihre Baulichkeit und deren sichtbare, äußere Form geknüpft ist:

Das für Köln typische, unverwechselbare, qualitätsvolle, architektonische Bild ist Symbol für gewachsene, solide (auch städtisch-politische) Kontinuität des Messewesens, gebautes Wahrzeichen für den Messe- und Handelsplatz Köln. Mit den großen Messen und Ausstellungen wurde die Messe zur "Visitenkarte der Stadt Köln".

Das heutige Erscheinungsbild der Kernbauten der Kölner Messe (Hallen 1 - 5) wurde durch Adolf Abel für die internationale Presse-Ausstellung "Pressa" (1928) geschaffen; integriert wurden hier vor allem die älteren Messebauten von Verbeek und Pieper. Um sie wurde ein nach außen vereinheitlichender neuer Raumkranz gelegt mit einheitlichem Fassadenabschluß, der eine repräsentative Rheinfront und eine betonte Haupt- und Eingangsseite ermöglichte. In der Nordwestecke des rechteckigen Baukomplexes bildet am Rhein ein 85 Meter hoher Turm den Gegenpol zu den breitgelagerten, sehr langgestreckten, backsteinverkleideten Stahlskelettbauten.

Das ganz herum laufende, nur von eingezogener, rückwärtig turmartig überhöhter Portalzone, Messeturm und Messehof unterbrochene Fassadenband ist von beeindruckender Monumentalität. Das Erdgeschoß ist durchgehend in Loggiengänge geöffnet; die so gleichsam darüber schwebenden Fassadenstreifen sind durch frei über der Traufe endende Hauptpfeiler und Zwischenlisenen sowie von vertikalen, zackig gerahmten und Lamellenmotiven eingeschlossenen Fensterbändern rhythmisiert und gegliedert. Ähnliche Gestaltungsmittel finden sich am Messeturm; er hat ein verglastes Obergeschoß, einen laternenartigen (ehemals geschlossenen) Gerüstaufsatz mit drei symbolischen Großmasken und ein stark auskragendes Flachdach, das den dynamischen Höhenzug des Turms bremst.

Dieses Gestaltungsprinzip des Architekten Abel - kurz danach am Bau der Neuen Universität ganz ähnlich wiederholt - hat seinen Ursprung in den eher konservativen, immer aber monumentalen Bauten von Paul Bonatz (1877-1956) (Hauptbahnhof Stuttgart), dessen Mitarbeiter Adolf Abel in Stuttgart gewesen war.

Der 1925 neu ernannte Leiter des Kölner Hochbauamtes entwickelte aus den klassischen Architekturelementen, etwa Pfeiler, Lisene, Gesims und Bautypen Halle, Turm und Säulenportikus eine moderne, absichtsvoll stilisierte, dennoch erkennbar traditionsverbundene Architektur. Sie stand als städtische Monumentalbauweise (von Abel stammen auch die Entwürfe zum früheren Müngersdorfer Stadion) in fruchtbarem Gegensatz zum "Neuen Bauen" nach den Lehren des Bauhauses, in Köln eindrucksvoll vertreten durch die gleichzeitige GAG-Siedlung "Weiße Stadt" von Riphahn und Grod.

In Architektur- und Kunstgeschichte ist die Kölner Messe mit ihren klassischen architektonischen Rückgriffen - u.a. auf den Schloßgrundriß des 18. Jahrhunderts mit Flügelanlagen, Achsenbildungen, Ehrenhöfen und umgebenden Grünanlagen - ein bedeutendes Denkmal öffentlich-repräsentativer, auch städtebauliche Perspektiven schaffender Bauweise in der Nachfolge der "Stuttgarter Schule" um Bonatz und Schmitthenner.

Die Messebauten Adolf Abels fassen ein stadtviertelgroßes Gebiet nördlich der Hohenzollernbrücke baulich einheitlich zusammen; die breit gelagerte Ziegelfassade zum Rhein mit dem akzentuierenden Turm ist eine kontrastierende, moderne, städtebauliche Antwort auf die gegenüberliegende Kölner Altstadt mit meist vertikal orientierter Mischbebauung. Wie die alten linksrheinischen Kirch-, Rathaus- und Wohnhaustürme markiert und identifiziert auch der Messeturm einen Ort von großer, städtischer Bedeutung; wie die Messearchitektur selbst ist der signalhafte Turm ein bewußter Rückgriff auf historische städtebauliche Bedeutungsträger.

Über die qualitätvolle Gestaltung des Deutzer Rheinufers hinaus ist der Komplex der Rheinhallen ein eigenes, architektonisches und funktionales Gravitationszentrum, eine ästhetisch in sich geschlossene, städtische Funktionseinheit. Noch heute ist überdies der in der ursprünglichen Konzeption vorgesehene Zusammenhang des riesigen Bauwerkes mit den anschließenden Grün- und Freizeitanlagen (Rheinpark, Tanzbrunnen) erhalten. Immer wieder konnte seit ihrer Gründung auch die Messe selbst als Kulturforum (zuletzt: Westkunst) der Stadt und ihren Bürgern nutzbar gemacht werden: Dies ist eine Folge ihrer zentralen Lage und ihrer baulichen und städtebaulichen Ästhetik, die die hohe Akzeptanz der Kölner Bürger und auswärtiger (Messe-) Besucher bewirkt.

Der große, bauliche, äußerst harmonisch in die Stadtlandschaft und die Natur eingebundene Bautenkomplex auf dem rechten Rheinufer Kölns, der schlicht als "Messe" bezeichnet wird, zählt zu den wichtigsten Planungen der 20er Jahre in den Rheinlanden. Die Bedeutung dieser Anlage resultiert nicht alleine aus ihrer Dimension, sondern insbesondere aus ihrer architektonischen und städtebaulichen Qualität sowie dem historischen Anlaß, der zur Errichtung dieser Ausstellungsbauten führte.

Anlaß war die internationale Ausstellung "Pressa" im Jahre 1928, eine Kulturausstellung des gesamten Pressewesens, eine Ausstellung in Größe und einer Bedeutung einer Weltausstellung und vor allem eine Ausstellung, bei der erstmals nach dem verlorenen ersten Weltkrieg in einer Vielzahl ausländische Staaten teilnahmen.  Mit dieser  Ausstellung  versuchte Deutschland in eindrucksvoller Weise den Beweis seiner politischen Rehabilitierung zu erlangen, und Köln unternahm alle Anstrengungen, dieser Absicht in einer großzügigen und qualitätsvollen baulichen Planung Rechnung zu tragen. Die folgenden Worte Konrad Adenauers geben beeindruckend die damals empfundene Euphorie dieses Ausstellungserfolgs und politischen Erfolgs wieder:

"Die Internationale Presse-Ausstellung Köln 1928 hat schon jetzt  in der  gesamten Kulturwelt stärksten Widerhall und größte Anziehungskraft gefunden. Die Bedeutung des Ausstellungsgebiets, die Verflechtung des 'vervielfältigten und verbreiteten Wortes' mit allen Gebieten menschlicher Tätigkeit ist auch für die Sachkenner viel größer und interessanter, als man bisher annahm, die Beteiligung von 43 Auslandsstaaten und des Völkerbundes ist in der Geschichte, wenigstens des deutschen Ausstellungswesens, bisher einzig. Aufsehen erregt die besondere Art der Ausstellung und der künstlerische Rahmen, in den sie gefaßt ist: die Bauten, die Parkanlagen, der Rheinstrom, das unvergleichliche Stadtbild Kölns."

 

 

 

 

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Das Denkmal hat die Nummer 73 und ist seit dem 1. Juli 1980 geschützt.

Denkmal <Messe- u. Ausstellungshallen, Turm> bearbeiten
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Unknown_user

Anonym  sagt:

Schade ist nur das beim Umbau der Messehallen nicht mal die Fassaden original erhalten geblieben sind. Ob man das im heutigen Zustand noch als Denkmal bezeichnen kann ? Ich denke nicht. VG, Holger

Geschrieben: vor etwa 9 Jahre