WDR Rundfunkgebäude (Teile des Gebäudes-siehe Anlage)

Wallrafplatz 5, 50667 Köln - Altstadt-Nord
Errichtet: zwei Bauabschnitte 1948-52/1953-54


 

Funkhaus des Westdeutschen Rundfunks Köln WDR (bis Ende 1955 Nord-Westdeutscher Rundfunk NWDR)

Architekt: Peter Friedrich Schneider (1901-1981)

 

  • fünf bis sechs Geschosse, ein bis zwei Staffelgeschosse
  • Werksteinfassaden(Travertin)

 

 Vorbemerkung

Das Gebäude wurde in zwei Bauabschnitten unter Einbeziehung der Bausubstanz des Hotels "Monopol" überwiegend in Stahlkonstruktion bzw. Stahlbetonskelettbauweise errichtet.

1986-91 Generalsanierung, wobei die denkmalpflegerisch relevanten Bereiche in bezug auf Materialwahl, Verarbeitung sowie Farbgebung dem jeweiligen Originalbefund entsprechen.

Flachgedeckter 5-6geschossiger, um einen Innenhof angelegter Baublock zwischen Unter Fettenhennen, Wallrafplatz,An der Rechtschule und Funkhausprivatstraße mit 1-2 Staffelgeschossen und (teilweise) davorliegenden Dachterrassen;

 

Außenbau

Fassade an Wallrafplatz und Unter Fettenhennen (siebzehn Achsen)

  • leicht konvex gekurvt
  • Erdgeschoss im Bereich des Hotelumbaus mit
  • freigestellten bronzeverkleideten Stützen
  • einer zurückgesetzten wandhohen Verglasung
  • blaugrüne Stahlrahmenfenster
  • im Bereich des Foyers mit Ätzglasscheiben
  • hier auch die Haupteingangssituation mit
  • der breit gelagerten geschwungenen Stufenanlage aus Basalt (weitergeführt im Sockelbereich der freistehenden Stützen; neueres Geländer)
  • den flankierenden Travertinreliefs von Ludwig Gies (1887-1966) Bildhauer
  • der Eingangstüranlage
  • Foyers mit blaugrünen - zu einem Block zusammengefaßten - Stahlrahmenfenstern (innen mit vorgesetzten kunstgeschliffenen Gußglasscheiben von Ludwig Gies (1887-1966) Bildhauer)
  • das Material der weiteren Fenster wurde ausgetauscht
  • pompejanisch roter Anstrich der beiden jeweils zurückgesetzten verputzten Staffelgeschosse; davorliegende Dachterrassen teilweise verändert (ursprünglich mit einer die beiden Ebenen verbindenden Wendelstiege)
  • hier umlaufende Brüstungsgeländer

 

Fassade An der Rechtschule (29 Achsen)

  • Verblendung aus Travertinplatten(Brüstungsfelder der Fenster im Mittelteil kanneliert, im linken Teil kanneliert und kassettenartig vorspringend).

 

Fassade an der Funkhausprivatstraße

  • Im Westen breite Durchfahrt zur Privatstraße über 4 Rundstützen (neuere Pförtnerhäuschen) sowie seitlich davon angebrachtes Travertinrelief von Ludwig Gies (1887-1966) Bildhauer
  • Erdgeschossstützen im Bereich des Umbaus freigestellt und mit dahinterliegenden Stahlrahmenfenstern (siehe oben)
  • Erdgeschoss des Mittelteils mit schräggestellten Ausstellungsvitrinen
  • Material der Obergeschossfenster ausgetauscht
  • neueres zurückgesetztes Staffelgeschoß in Angleichung an das ursprüngliche (jetzt westlich bis zur Höhe der Durchfahrt reichend) mit
  • einem Anstrich in pompejanisch rot
  • umlaufendem Brüstungsgeländer.

Nordfassade- bzw. Rückseite dieses Flügels an der Funkhausprivatstraße

Bereich der Durchfahrt mit neuerer Travertinverkleidung (ursprünglich in Sichtbeton, da hier ein - nie ausgeführtes - Relief aus farbig behandelten Gußbeton nach Entwurf von P. Strasmann vorgesehen war) sowie mit neuerem vorgesetzten Verbindungsgang.

 

Fassade des in Nord-Süd-Richtung an der Funkhausprivatstraße verlaufenden Traktes

  • Travertinverblendung
  • nördlicher Abschnitt (Fernsehtrakt) stärker gekurvt und im Bereich der fensterlosen unteren Hälfte mit Travertinrelief von Ludwig Gies (1887-1966) Bildhauer

 

Südlicher Abschnitt (sogenannter Pilzstützenbau)

  • über der Durchfahrt zum Innenhof auf zwei markanten pilzförmigen Sichtbetonstützen mit ovalem Querschnitt (Deckenuntersicht des Durchgangs Sichtbeton)
  • hier auch Eingangssituation
  • risalitartig vorgezogene Sichtbetonrahmung des Treppenhauses (nachträglich in Anpassung höhergezont) mit
  • schräg zurücktretender Türanlage (Stahl-Glas)
  • darüberliegendem Kragdach (kannelierte Untersicht)
  • einer Fensteranlage mit Stahlrahmenprofilen
  • bei den weiteren Fenstern wurde das Material ausgetauscht
  • neuerer verglaster Verbindungsgang in Nord-Süd-Richtung auf der Mittelachse des Flachdachs, davor beidseitig Brüstungsgeländer
  • neueres Pseudomansarddach auf dem Fernsehtrakt (nicht denkmalwürdig)
  • Fassaden zum Innenhof verputzt
  • Material der Fenster ausgetauscht.


Inneres

  • Die Haupteingangshalle mit
  • dem Bodenbelag aus Kunststoff
  • dem Windfang (ursprüngliche Windfangsituation durch die neuere Sicherheitsschleuse verunklärt)
  • den beiden zweiflügeligen Ganzglastüren in Stahlzargen innerhalb einer Ganzglaswand (als Abgrenzung zu Foyer und Teestube)
  • der Deckenverkleidung
  • der Beleuchtung.

Das Haupttreppenhaus (T1) mit

  • der geschwungenen Treppenanlage in geknickter Stahlbetonbauweise mit
  • dunkler Kunststeineinfassung - ehemals für Stufenauftritte aus Mipolam -
  • teilweise ergänztem brüniertes Bronzegeländer
  • vom ersten Untergeschoss zum Erdgeschoss durchgeführten Stäben
  • dem großen Antikglasfenster (nach Entwurf von Georg Meistermann(1911-1990)Glasfenstergestalter)  zum Innenhof
  • den Wandleuchten
  • den Etagenabschlußtüren.

 

Das Nebentreppenhaus (T3) zur Funkhausprivatstraße mit

  • der Treppe in geknickter Stahlbetonkonstruktion auf tragender Mittelrippe
  • dunkler Kunststeinbelag
  • teilweise ergänztes Metallgeländer

 

Das Hauptfoyer des Komplexes Großer Sendesaal (Erdgeschoss) mit

  • dem Parkettboden
  • der Holzverkleidung der Wände (teilweise gestäbt)
  • der integrierten Garderobe mit gestaffelt geschwungener Theke (gestäbt)
  • den Zugängen zum großen Sendesaal beidseitig der Garderobe mit
  • Holzstufen
  • zweiflügeligen Holztüren
  • der ins obere Foyer führenden parabelförmig geschwungenen Stahlbetontreppe
  • Trittstufen aus Eiche
  • Bronzegeländer
  • der abgehängten Stuckdecke
  • der Beleuchtung
  • Deckenleuchten mit kegelförmigem Messingschirm
  • geätzte Glaspendelleuchten mit Messingteilen - "Stachelbeerleuchten"
  • seitliche Hinterleuchtung der Kunstschliffenster von Ludwig Gies (1887-1966) Bildhauer

Das Seitenfoyer des Komplexes Großer Sendesaal (Erdgeschoss)

Die  Raumstruktur und Wandabwicklung der Südseite des Seitenfoyers wurde in modifizierter Angleichung an den Ursprungszustand wiederhergestellt mit dem

  • Parkettboden
  • der im Wechsel angebrachten Hartstuck und Holzverkleidung der Wände
  • den Spiegelelementen (geätzte Muster)
  • der Decke
  • der Beleuchtung
  • den Garderoben
  • der Ganzglastüranlage zum Entrée Funkhausprivatstraße(unter dem sog. Pilzstützenbau).

 

Das Entrée zur Funkhausprivatstraße

  • mit der ehemaligen Kartenvorverkaufsstelle

 

Der funktionstüchtige Umlaufaufzug (Paternoster) mit der

  • gestäbten Holzverkleidung
  • den hölzernen Schiebetüren im Erdgeschoss
  • den gerundeten, holzgestäbten Laibungen in den Obergeschossen

 

Hauptfoyer des Komplexes Großer Sendesaal (Obergeschoss) mit

  • dem Spannteppichboden
  • der gestäbten Holzverblendung an der Treppenwand
  • den Holztüren in Birnbaum mit geschnitzten Schlagleisten von Ludwig Gies (1887-1966) Bildhauer (teilweise auch mit Türdrückern von P. F. Schneider)
  • dem überlebensgroßen Hartstuckrelief (Orpheus) nach Entwurf von Ludwig Gies (1887-1966) Bildhauer an der Kopfwand
  • der Stuckdecke mit Schallschluckelementen
  • den "Stachelbeerleuchten"
  • seitlichen Hinterleuchtung der Kunstschliffenster.

 

 Nebentreppenhaus zwischen Erdgeschoss und Obergeschossfoyermit

  • Bodenbelägen
  • Beleuchtung
  • Geländer
  • Farbgebung der Wände.

 

 Der Große Sendesaal I mit

  • dem Parkettboden
  • den getreppt ansteigenden, variablen Podium mit versenkbarer Vorbühne
  • der (wieder) bespielbaren Konzertorgel (J. Klais, Bonn) mit
  • verstellbarem Spieltisch
  • wiederhergestellter Effektbeleuchtung im Korpus
  • den in Segmenten gestaffelten Wänden mit
  • einer - teilweise gestäbten - Birnbaumverkleidung
  • geschnitzten Vertikalbändern von Ludwig Gies (1887-1966) Bildhauer
  • den Eingangsschleusen mit gestäbter und gelochter Holzverkleidung
  • der saalseitigen Ansicht der - teilweise verglasten - Regieräume
  • der Bestuhlung (Klappsessel)
  • der Empore mit
  • Holzverblendung
  • einer Untersicht aus kanneliertem Hartstuck
  • den sägezahnförmigen holzverkleideten Deckenelementen über den Seitengängen
  • der reich gegliederten Stuckdecke (über dem Auditorium in Kassetten unterteilt, über dem Podium kanneliert)
  • den integrierten Deckenstrahlern über dem Podium
  • der Wand- und Deckenbeleuchtung über den Seitengängen
  • der indirekten Deckenbeleuchtung im Bereich der Empore.

 

Kleiner Sendesaal II (Kammermusiksaal) mit

  • dem Parkettboden im Farbwechsel
  • dem um zwei ausschwingende Stufen erhöhten Orchesterplatz,
  • der abgehängten sägeschnittförmigen, quer zur Raumtiefe abgeschleppten und in die schräggestellte Rückwand übergehende Decke (Decke und Rückwand sowie Seitenwände in Holz)
  • dem Regiefenster
  • den Türanlagen
  • den "Stachelbeerleuchten"
  • der Beleuchtung im Sägezahn
  • der Rückwandbeleuchtung.

 

Teestube (Cafeteria) mit

  • dem Parkettboden im Farbwechsel
  • der Säule
  • dem Treppenabgang zur ehemaligen Kantine im Untergeschoss mit
  • Bronzegeländer
  • Holzstufen
  • der großflächigen Wandmalerei von Anton Wolff (Enkaustiktechnik) an der West- und Nordseite
  • der farbig gefaßten gestäbten Decke
  • den "Stachelbeerleuchten".

 

 

Bestandteil des Denkmals sind auch

  • das ursprünglich in eine Glasprismen-Wand eingebaute Betonglasfenster von Georg Meistermann (1911-1990)Glasfenstergestalter im Treppenhaus des 1953/54 im zweiten Bauabschnitt errichteten Erweiterungsgebäudes an der Ecke Margarethenkloster/Funkhausprivatstraße (Fernsehtrakt) sowie
  • die kunstgeschliffenen Gußglasfenster nach Entwurf von Ludwig Gies (1887-1966) Bildhauer in den ehemaligen Studios IV und V.

 

Vom Denkmalschutz ausgenommen ist aufgrund der starken Veränderungen der übrige Teil des Baus bis auf die oben beschriebene Fassade an der Privatstraße.

 

Die 50er Jahre, die erste Wiederaufbauphase nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges, erlangen als inzwischen abgeschlossene Bauepoche immer mehr das Interesse der Allgemeinheit. Aus dieser Zeit verfügt Köln über eine Anzahl Bauten von hoher baukünstlerischer Qualität, von den Architekten oft im Sinne eines "Gesamtkunstwerkes" durchgestaltet und in Beziehung zu einem neuen städtebaulichen Gesamtkonzept entworfen. Das Funkhaus des WDR (ehemals NWDR) wurde 1948-52 und 1953-54 in zwei Bauabschnitten in Domnähe zwischen Wallrafplatz, Unter Fettenhennen, An der Rechtschule, Privatstraße und Margarethenkloster errichtet. Planung und Ausführung des Bauwerks, dessen Hauptteil mit dem Komplex des Großen Sendesaals 1952 feierlich eröffnet wurde, lagen bei Architekt BDA Peter Friedrich Schneider (1901-1981), der auch in den folgenden Jahren weitere Bauten für den expandierenden WDR realisierte.

Eine Besonderheit der Bauaufgabe bestand in der - kostenbedingten - Notwendigkeit, die noch erhaltene Bausubstanz des kriegsbeschädigten Hotels "Monopol", im Kern- und Schnittpunkt des Planungsareals an der Ecke Wallrafplatz/An der Rechtschule gelegen, zu verwenden und in den Neubau einzubeziehen. Durch Lage, Geschosszahl und Geschoßhöhe nahm dieser Altbau somit bestimmenden Einfluß auf Konzeption und Gestaltung des Neubaus.

Entstanden ist ein horizontalbetonter, um einen Innenhof gruppierter mehrflügeliger Baublock mit Staffelgeschossen und Flachdächern, dessen an mehreren Seiten leicht konvex ausschwingende Travertinfassaden durch ihre Flächigkeit ein einheitliches, ruhiges und harmonisches Erscheinungsbild von großzügiger Maßstäblichkeit ergeben.

Wesentliches Gestaltungsmerkmal sind die zu unterschiedlichen Blöcken und Bändern zusammengefaßten, rhythmisierten Fenstergruppen, die durch Format, Anordnung und Form gleichzeitig auch Rückschlüsse auf die innere Raumaufteilung und -funktion zulassen.

Das Erdgeschoss wurde im Bereich des umgebauten Altbaus - in Anlehnung an dessen einst geöffnete Erdgeschoßarkaden - durch eine wandhohe, hinter die hier freigestellten Stützen zurückgesetzte Verglasung besonders transparent gestaltet. Hierein fügt sich auch der durch seitliche Travertinreliefs von Ludwig Gies (1887-1966) Bildhauer betonte Haupteingang mit der asymmetrischen Stufenanlage.

Ein vertikales Gegengewicht zur vorherrschenden Horizontalbetonung stellen die eingefügten breiteren Mauerflächen sowie die "große Ordnung" der über mehrere Geschosse reichenden Fensteranlagen von Foyers und Treppenhäusern dar, die gleichzeitig als Zäsuren zwischen den einzelnen Bautrakten angesprochen werden können. Dadurch erfährt die sehr lange Front An der Rechtschule eine Dreiteilung, die durch eine differierende Gestaltung noch betont wird. Akzente setzen hier auch die Durchfahrt zur Privatstraße mit dem seitlich angebrachten Relief von Ludwig Gies (1887-1966) Bildhauer sowie die schräggestellten Vitrinen, die die Funktion von Schaufenstern adaptieren und eine dynamische Fassadenflucht suggerieren. Die oberste umlaufende und enger gestellte Fensterreihe erinnert an die architektonische Funktion eines abschließenden Attikageschosses und trägt wesentlich zur ausgewogenen Proportionierung des flachgedeckten Baues bei.

Die Rückfront des Komplexes verläuft an der durch den Südflügel geführten Funkhausprivatstraße und wurde analog zu den Hauptfassaden als Straßenfassade ausgebildet. Besonders markant ist dabei der südliche Abschnitt, der in der Breite des Innenhofs auf zwei mächtige Pilzstützen gesetzt worden ist. Diese Lösung garantiert eine freie Durchfahrt zum Hof. Des weiteren ist die Gestaltung des nördlichen, bereits zum Erweiterungsbau (zweiter Bauabschnitt) gehörenden gekurvten Fassadenabschnitts hervorzuheben. Die in der unteren Hälfte fensterlose Fläche wird durch ein graphisch wirkendes Relief von Ludwig Gies (1887-1966) Bildhauer ornamental gegliedert und betont: hier ist damals das zweite in der Bundesrepublik Deutschland gebaute Fernsehstudio untergebracht worden.

Ist die äußere Gestaltung des Funkhauskomplexes im wesentlichen aus dem inneren Raumgefüge entwickelt worden und eher klar und sachlich, so wurde - in Entsprechung zur Bauaufgabe Funkhaus - der Schwerpunkt vor allem auf die gestalterische und technische Anlage des Innenbaus gelegt. Unter Beteiligung namhafter Künstler wie Ludwig Gies (1887-1966) Bildhauer, Georg Meistermann (1911-1990)Glasfenstergestalter und Anton Wolff sind vor allem die der Öffentlichkeit zugänglichen Bereiche des Haupttraktes mit

  • Eingangshalle
  • Haupttreppenhaus
  • Teestube u
  • ehemalige Kantine
  • Kammermusiksaal
  • Komplex Großer Sendesaal inklusive der Foyers

 

aufwändig und höchsten ästhetischen wie funktionalen Ansprüchen gerecht werdend gestaltet worden.

Die Ausführung der weiteren Bestandteile der Innenausstattung, wie

  • Bestuhlung
  • Beleuchtungskörper
  • sogar Türgriffe

erfolgte im wesentlichen nach Entwürfen des Architekten Peter Friedrich Schneider (1901-1981).

 

Von hervorragender Bedeutung für den Gesamtcharakter des Funkhauses ist auch der Paternoster, dem Heinrich Böll in seiner Erzählung "Doktor Murkes gesammeltes Schweigen" (1955) ein literarisches Denkmal setzte. Seine gleichmäßig sich vollziehende Bewegung macht das räumliche wie funktionale Ineinandergreifen verschiedener Ebenen innerhalb des Rundfunkbetriebes besonders anschaulich.

Der Große Sendesaal, bereits 1950 eingeweiht und gleichzeitig erster Neubau eines öffentlichen Konzertsaales im Nachkriegs-Köln, stellt wie der benachbarte kleinere Kammermusiksaal ein innenarchitektonisches Denkmalensemble allerersten Ranges dar. Die Gestaltung des Raumes verbindet, etwa durch die Staffelung der birnbaumvertäfelten und mit geschnitzten Vertikalbändern von Ludwig Gies (1887-1966) Bildhauer versehenen Wandsegmente, Ästhetik mit technischen (= akustischen) Erfordernissen. Das gleiche gilt für die abwechslungsreiche, kassettierte Stuckdecke mit den seitlichen sägezahnförmigen Deckenelementen aus Holz. Dominiert wird der Große Sendesaal von der (wieder) bespielbaren Konzertorgel, seinerzeit die größte Westdeutschlands und ein bedeutendes Tondenkmal der 50er Jahre.

Voraussetzung für die sich vor allem in der Gestaltung der beiden Sendesäle manifestierende gelungene Synthese von architektonischen und funktechnischen Belangen waren zahlreiche konstruktive Neuerungen zur Ausschaltung von Geräuschübertragungen und zur Schaffung einer geeigneten Akustik, wie Eigenfundamente für schwingungssensible Gebäudeteile, isolierende (Gummi-)Lagerung von Eisenträgern, Hängekonstruktion von Geschossen, Hängedecken und schwimmende Fußböden.

Das bereits 1948 begonnene Funkhaus ist als erster großer Kulturbau Kölns nach dem Zweiten Weltkrieg und als gelungene Lösung der bautechnisch komplexen und schwierigen, damals noch jungen Bauaufgabe Funkhaus ein unverzichtbares Dokument der frühen Nachkriegsarchitektur. Nach der vorangegangenen Zeit des Nationalsozialismus beruht seine Konzeption auf Öffentlichkeit und funktionaler Transparenz als Ausdruck des demokratischen Mediums Rundfunk. Diese inhaltliche Offenheit wurde auch architektonisch unterstrichen, so beispielsweise in der optischen, zeitweise auch funktionalen Öffnung des Erdgeschosses für das Publikum.

Auch seine - einst umstrittene - Lage im traditionsreichen zentralen Altstadtbereich, statt, wie ursprünglich von der Stadtplanung vorgesehen im Grüngürtel, steht in diesem Zusammenhang und dokumentiert gleichzeitig die hohe politische Bedeutung, die man dem öffentlich-rechtlichen Medium der Information und Meinungsbildung beimaß. Das Funkhaus trug darüber hinaus wesentlich dazu bei, daß die Innenstadt - mit Opernhaus, Gürzenich und zahlreichen Museen - kultureller Mittelpunkt der Stadt blieb.

Von großer Bedeutung ist auch die Tatsache, daß mit der Formensprache des Funkhauses eine für die Domumgebung verbindliche Architekturfassung aufgenommen wurde. So entsprechen die Betonung der Horizontalen sowie Staffelgeschosse und Flachdächer der Wiederaufbaukonzeption von Generalplaner Rudolf Schwarz (1897-1961), die in der Umgebung des Doms, "der keine kleinliche Vertikalkonkurrenz gestattet" (Franz Berger), einen Kranz von Flachdachbauten vorsah.

Das Funkhaus, Ausgangspunkt für die weiteren raumgreifenden Erweiterungsbauten, ist 1986-91 unter Leitung der Bauabteilung des WDR und in enger Zusammenarbeit mit dem Stadtkonservator Köln generalsaniert worden. Dabei ist es nicht nur auf den neuesten technischen Stand gebracht worden, sondern sämtliche denkmalrelevanten Bereiche, vor allem des Inneren, sind nach dem jeweiligen Originalbefund im Sinne des ursprünglichen Zustands wiederhergestellt bzw. funktionsbedingt ergänzt worden, so daß sich das Funkhaus heute wieder als ein bedeutendes, in sich geschlossenes und konsequent verwirklichtes Gesamtkunstwerk der frühen 50er Jahre präsentiert.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes Nordrhein Westfalen (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen.

Referenz: 9224


Das Denkmal hat die Nummer 7242 und ist seit dem 28. Oktober 1994 geschützt.

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