Wohnhaus

Belfortstr. 11, 50668 Köln - Neustadt-Nord
Errichtet: 1922-23


Architekten: Löwenstein (?-?)

  •     Hans Walter Reitz (1888-1955)

 

  • freistehende Villa auf unregelmäßigem Grundriss
  • zwei Geschosse
  • Putzfassaden mit Werksteingliederungen

 

 

Fassaden/Aufbau

  • turmartiger Anbau auf der Südseite
  • im Dachbereich verändert
  • ursprünglich Walmdach
  • Teile des ehemaligen Dachgeschoßausbaus erhalten

 

Straßenseite

  • Haupteingang mit Werksteinrahmung über drei vortretenden Treppenstufen aus Naturstein
  • Haustür original
  • südlich gelegener, offen rundbogiger Nebeneingang mit originalem Gittertor
  • zurückliegende Treppe
  • halbhoher Wandbelag aus Keramikfliesen
  • seitlich neues Fenster
  • Eingangstür original
  • rechteckige und runde Fensterööfnungen
  • Fenster original (teilweise mit Bleiverglasung)
  • originale Fenstergitter in
  • Erdgeschoss
  • Kellergeschoss
  • Vorgartenbeet mit originaler Einfriedung (niedriger Metallzaun)
  • straßenseitig verputzte Einfriedungsmauern beiderseits des Hauses mit gerundeten Ecken
  • südlich Toreinfahrt mit originalem Gittertor, flankiert von 2 Laternen auf den Mauerkronen

 

Rückseite

  • axialsymmetrischer, in der Mitte leicht zurückspringender Fassadenaufbau
  • rechteckige und rundbogige Fenster- und Türöffnungen
  • Fenster und Türen original, teilweise mit Vergitterungen und Rolläden
  • mittlere Terrasse mit
  • Brüstungsmauer
  • halbkreisförmiger Freitreppe
  • mittlerer Balkon im Obergeschoss mit Brüstung und Überdachung aus Metall

 

Südseite

  • gerundet vortretender Treppenturm mit
  • runden Fensteröffnungen
  • Hofausgang
  • Fenster und Hoftür mit Vordach original
  • im Erdgeschoss originales dreiseitiges Erkerfenster mit Glasmalerei
  • Kellertreppe

 

Nordseite

  • halbkreisförmig vortretender Parterreerker
  • Fenster mit Vergitterung original

 

Inneres

Im Inneren insgesamt original erhaltene ursprüngliche Ausstattung aller Räume, insbesondere: Im nordöstlich gelegenen Haupteingangsbereich

  • Mosaikfußboden aus kleinformatigen Tonfliesen (schwarz-weiß)
  • vier Marmortreppenstufen
  • Wandstuck
  • Deckenstuck
  • schmiedeeiserne Heizungsverkleidungen
  • teilweise verglaste Edelholztüren mit Kristallglasknäufen
  • in der nördlich des Haupteingangs gelegenen Garderobe und Gästetoilette
  • Mosaikfußboden aus kleinformatigen Tonfliesen (schwarz-weiß)
  • Keramikwandfliesen
  • Marmorwaschtisch
  • im südlich des Haupteingangs gelegenen Haupttreppenhaus
  • Mosaikfußboden aus kleinformatigen Tonfliesen (schwarz-weiß)
  • Deckenstuck
  • gerade Werksteintreppe mit
  • gezogenen Stufen
  • schmiedeeisernem Geländer mit Messinghandlauf (im OG als Brüstung fortgesetzt)
  • Spindtür unter der Treppe
  • Edelholztüren mit Kristallglasknäufen
  • in den drei gartenseitigen westlichen Wohnräumen
  • Parkettfußböden
  • hölzerne Vertäfelungen der Wandsockel (im nördlichen Raum Vertäfelung der gesamten östlichen Wand)
  • hölzerne Heizungsverkleidungen (auf der Südseite in die Rahmung des dreiseitigen Erkerfensters übergehend)
  • Marmorfensterbänke
  • teilweise doppelflügelige Edelholztüren mit Kristallglasknäufen
  • hölzerne Abschlußleisten unterhalb der Decken
  • Stuckdecken
  • zwei Kamine aus Werkstein mit ornamentverzierten Seitenwangen und Simsen (Sturzplatten aus Gußeisen bzw. mit Schmuckfliesen belegt)
  • im südöstlich gelegenen Nebeneingangsbereich und Nebentreppenhaus
  • Terrazzofliesenboden mit Mosaikstreifen (schwarz-weiß)
  • Keramikwandfliesen
  • Türen
  • Werksteinspindeltreppe mit Wandhandläufen
  • in der Küche
  • Terrazzofliesenboden mit Mosaikstreifen (schwarz-weiß)
  • Keramikwandfliesen
  • Türen
  • Speisekammertür
  • in den OG-Räumen
  • Stuckdecken mit gekehlten Kanten
  • teilweise doppelte und mit Wandeinbauschränken verbundene Türen
  • Heizungsverkleidungen
  • Fußleisten

 

Bestandteil des Denkmals ist auch der zum Haustyp gehörige rückwärtige Garten mit

  • originaler backsteinsichtiger Einfriedungsmauer auf der Süd- und Westseite und  teilweise originaler Gestaltung 
  • auf der Südseite die einseitig mit alten Bäumen (Platanen) bestandener Auffahrt
  • Rasenflächen mit Bäumen und Büschen
  • westlich der Terrassenfreitreppe in formaler Anpassung halbkreisförmig angelegtes Zierbeet

 

Bestandteil des Denkmals ist auch das nordwestlich im rückwärtigen Grundstücksbereich liegende Remisengebäude auf rechteckigem Grundriss

  • ein Geschoss, ausgebautes Mansardwalmdach (originale halbkreisförmige Gaube)
  • Putzfassaden
  • rechteckige Fensteröffnungen
  • originale Fenster
  • originale Klappläden
  • auf der Südseite
  • originale Eingangstür
  • drei rechteckige Toröffnungen mit originalen Doppelflügeltüren
  • mit Metallbeschlägen
  • vergitterten Fensterchen

 

 

Die Kölner Neustadt, die seit 1881 bis in den Beginn des 20. Jahrhunderts unter Hermann Josef Stübben (1845-1936)als Stadtbaummeister und nach seinen Plänen halbkreisförmig um das alte Stadtgebiet angelegt worden ist, gilt als eine der bedeutendsten Stadterweiterungen des 19. Jahrhunderts. Sie entstand von Anfang an nicht als einheitlicher Stadtteil, sondern als Gefüge verschiedenartiger Wohnviertel entlang der Ringstraße als repräsentativem Boulevard: Im Norden und Süden der Neustadt waren von Stübben zwei Villenviertel geplant worden, von denen sich das südliche am Sachsenring seit 1888 rasch mit Bebauung füllte. Im nördlichen Villenviertel nördlich des Deutschen Rings, dem heutigen Theodor-Heuss-Ring, zwischen Riehler Str. und Rhein zahlreiche Grundstücke lange unbebaut blieben und die beabsichtigte Villenbebauung erst in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts erfolgte.

Auch die Belfortstraße wurde um 1895-1900 nur vereinzelt, im wesentlichen erst nach 1920 mit Wohnhäusern bebaut. Diese Phase dokumentiert das o. g. Gebäude Belfortstr. 11, das 1922-23 als Villa für den Fabrikanten Albert Charlier errichtet wurde. Charlier war einer der Geschäftsführer und Teilhaber der Waggonfabrik van der Zypen & Charlier GmbH in Deutz, später Hauptverwaltung und Werk Köln der Vereinigten Westdeutschen Waggonfabriken AG und nach dem 2. Weltkrieg der Klöckner-Humbold-Deutz AG.

Maßgeblicher Architekt des Gebäudes war Hans Walter Reitz (1888-1955), der seit 1921 mit dem Architekturbüro N?.Löwenstein (?-?) und später als namhafter freier Architekt in Köln tätig war. Die Villa Charlier zählt innerhalb seines Oeuvres der Wohnhäuser - darunter auch einiger nicht erhaltener Villen in Marienburg und Lindenthal - zu den frühen Werken. Während Reitz gegen Ende der 20er Jahre Wohnbauten entwarf, die klar gegliederte kubische Bauformen bei vergleichsweise geschlossenen Baukörpern aufwiesen und einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung des Neuen Bauens bildeten, werden die älteren Entwürfe durch Baugefüge charakterisiert, die in lockerer Komposition vom Wechsel-und Zusammenwirken der geometrischen Einzelformen leben. Vortretende Bauteile wie Erker und Treppentürme und expressionistische Details sind besondere Merkmale. Darüber hinaus weist das o. g. Gebäude Elemente auf, die als architektonische "Versatzstücke" von Reitz häufiger verwendet worden sind, etwa die vertikal geteilten Rundfenster oder die Einfriedungsmauern mit gerundeten Ecken.

Bezeichnend für den Bautypus der Villa ist zum einen die individuelle Gestaltung des Gebäudes, zum anderen die prägnante, zur Straße hin abgeschlossene, rückwärtig sich öffnende Bauform, die entsprechend der gesellschaftlichen Position des Bauherrn gleichermaßen sein Bedürfnis nach Repräsentation wie nach Zurückgezogenheit spiegeln. Das Gebäude Belfortstr. 11 ist als seltenes Beispiel einer außen wie innen bis in die Details vollständig im Originalbestand bewahrten und künstlerisch qualitätvollen Villenarchitektur von besonderem Wert. Einschließlich der charakteristischen Einbindung in den umgebenden Garten, dessen ursprüngliche Anlage weitgehend überliefert ist und zu der auch das rückwärtige Remisengebäude mit Wohnung für den Fahrer im Dachgeschoß gehört, ist es ein unverzichtbares Denkmal, zumal es auch städtebaulich im Villenviertel der nördlichen Kölner Neustadt die historische Erstbebauung dokumentiert, von der nur noch wenige Zeugnisse erhalten sind.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen.

Referenz: 1118


Das Denkmal hat die Nummer 7175 und ist seit dem 22. August 1994 geschützt.

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