Wohnhaus

Märchenstr. 28, 51067 Köln - Dellbrück
Errichtet: 20er Jahre


Teil der Märchensiedlung/Hälfte eines Doppelhauses

Architekten: Wilhelm Riphahn (1889-1963)

     Manfred Faber (1879-1942) ermordet in Auschwitz

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Holweide und Köln. Es ist ein Bestandteil eines großen, noch weitgehend erhaltenen Siedlungskomplexes - der Märchensiedlung. Diese Siedlungsbebauung, die für eine in der nahen Großstadt Köln beschäftigte Bevölkerung (vornehmlich Beamte) errichtet wurde, dokumentiert den Umwandlungsprozeß des einstigen Dorfs Holweide zu einem Kölner Wohnvorort.

Das o.g. Objekt dokumentiert einen bestimmten Haustypus, der mit Abwandlungen als Reihenhaus in der ganzen Siedlung immer wieder anzutreffen ist. Das Aneinanderreihen gleicher bzw. ähnlicher Baueinheiten ist dem in den 20er Jahren im Bauhaus entwickelten Baukastenprinzip verpflichtet. Danach entstehen je nach Bedarf zwei-, drei- und mehrteilige Hauszeilen mit ähnlicher Gesamterscheinung.

Das Teilhaus Märchenstraße Nr. 28 bildet zusammen mit dem Nachbarhaus Nr. 30 ein symmetrisch gegliedertes Doppelhaus mit zwei Geschossen und vier Achsen, das seinerseits einen Bestandteil einer Hauszeile gleicher Baueinheiten (Nr. 14 bis Nr. 52) darstellt.

Die sonst dekorlose Fassade des o.g. Teilhauses springt in der ersten Achse mit einem streng kubischen Altan hervor, dessen Flachdach die horizontale Linie unter dem breiten Traufgesims betont. Je ein rechteckiges Eckfenster im EG und OG mit abgeschrägter Laibung lassen diesen Altanvorbau leicht und offen erscheinen.

Die Betonung des Horizontalen wiederholt sich in der Eingangsüberdachung mit einem Flachdach, das sich über dem Fenster des Erdgeschosses als Fenstergesims fortsetzt. Über dem Eingang im OG liegt ein kleines Fenster des Treppenhauses. In der Aneinanderreihung dieser Baueinheiten (der Doppelhäuser) entsteht eine Rhythmisierung der ganzen Hausfront, die mit einem durchgehenden, niedrigen Satteldach zusammengefaßt ist.

Auch die gemeinsame, einheitlich durchgehende Einzäunung der Vorgärten (horizontale Holzleiter), die nur durch die Eingangstörchen unterbrochen wird, machen den ganzen Hausblock zur ästhetischen Einheit (Bauhaus-Stil). Eine Holztreppe, ein Kachelofen, Sprossenfenster und schwere Eichenholzhaustüre dokumentieren die ursprüngliche, ästhetische und funktionale Einheit des Hauses.

Die Märchensiedlung war in der Absicht entworfen und gebaut worden, ein Wohngebiet mit in sich geschlossenem, ländlich romantischen Charakter einer Kleinstadt im Grünen zu schaffen. Diese "Gartenstadt" zeichnet sich durch unregelmäßig angelegte, scheinbar organisch gewachsene Straßenzüge, einen "Dorfplatz" und malerische Gruppierungen von Einfamilienbauten mit Vorgärten (Gartenpfosten, Lattenzäune, Hecken) und große, rückwärtige Zier- und Nutzgärten aus.

Die ganze Anlage stellt ein hervorragendes Beispiel einer Verwirklichung der in den 20er Jahren aktuellen Gartenstadtvorstellung dar, die der Tradition der Idee einer heimatlich-romantischen "Idealstadt" verpflichtet ist. Als integraler Bestandteil eines bestimmten, im Ensemble der Märchensiedlung vertretenen Haustyps, ist der Erhalt des o.g. Objekts einschließlich der Einfriedung unverzichtbar.

Referenz: 9696


Das Denkmal hat die Nummer 717 und ist seit dem 10. Juni 1981 geschützt.

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