Schule

Horststr. 1, 51063 Köln - Mülheim

errichtet um 1900

 

  •  dreigeschossiger Klassentrakt,
  • zweihüftig aus gelben und roten Klinkern
  • roter Klinker im Erdgeschoß,
  • in den Obergeschossen gelber Klinker mit roten Ornamenten
  • sehr flaches Walmdach mit weit überstehendem Dachgesims über Bogenfries
  • große Fenster, drei Stück je Klasse, vier Dreiergruppen je Geschoß.

 

Inneres weitgehend erneuert

  • Betontreppen mit Eisengeländer

 

Hausmeister- und Verwaltungsgebäude malerisch konzipiert,

  • Giebel mit getreppten Backsteinverzierungen,
  • Fenster und Türen neu.

 

Lage der Schule bei der Herz-Jesu-Kirche, ebenfalls um 1900.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Die Schule Horststraße 1 (kath. Grundschule) ist bedeutend für die Geschichte des Stadtteils Mülheim, der 1914 in die Stadt Köln eingemeindet wurde. Die ehemalige Kreishauptstadt des nord-östlich Kölns gelegenen Landkreises wurde bereits 1098 urkundlich erwähnt und stieg unter den Bergischen Grafen bald zu einer sogenannten "Freiheit" auf. Die weitere Entwicklung, insbesondere die Umwallung, wurde von der freien Reichsstadt Köln teilweise gewaltsam verhindert. Mülheim gewann daher erst im 18. Jahrhundert aufgrund der freieren Religionsausübung im Bergischen einige Bedeutung, als die Seidenfabrikation unter der Familie Andreae sich entwickelte und Kölner Kaufleute in die "Freiheit" zogen.

Im 19. Jahrhundert siedelten sich dann, gefördert durch den Bau von Eisenbahnen und Straßen, bedeutende Industrieunternehmen auf dem Stadtgebiet an, so daß das kleinmaßstäbliche Straßengeviert der Altstadt sich schnell zum weitreichenden, gründerzeitlichen Vorstadtbereich ausdehnte. In dieser Zeit gewann auch der Hafen Köln-Mülheim größere Bedeutung. In seinem Einzugsbereich sind noch heute umfangreiche Fabrikanlagen vorhanden. Die Arbeiterschaft wohnte im allgemeinen um die am südlichen Rand der Altstadt gebaute, neogotische Herz-Jesu-Kirche, die von gründerzeitlichen Mietgeschoßbauten umgeben ist.

Die um 1900 erbaute katholische Grundschule steht in der Nähe der aus der gleichen Zeit stammenden Herz-Jesu-Kirche. Die Schule besteht aus einem dreigeschossigen, zweihüftigen Klassentrakt zur Laufenbergstr. und einem zwei- bis dreigeschossigen Hausmeister- und Verwaltungsgebäude an der Horststraße, das an den Klassentrakt durch einen kurzen Verbindungsbau angeschlossen ist. Beide Gebäude sind verklinkert, wobei ein gelber Stein die normale Verblendung bildet. Der rote Klinker wurde als Schmuckstein am Verwaltungsgebäude eingesetzt, beim Klassentrakt verblendet er das gesamte Erdgeschoß.

Das Klassengebäude wird von großflächigen Fenstern belichtet, offensichtlich wurde für die Kinder in der Nähe des Hafen- und Industriegebiets eine freundliche und aufgeschlossene Bauweise angestrebt. Die Fenster sind jeweils in Dreiergruppen zusammengefaßt, in der Gesamtlänge der Fassade ergeben sich bei vier Dreiergruppen zwölf Fenster. Bemerkenswert ist, daß die Fenster des Erdgeschosses und des zweiten Obergeschosses mit Rundbögen überwölbt sind. Im ersten Obergeschoß liegt über dem geraden Fenstersturz eine bogenartige Klinkerverzierung.

Zum sehr flach gehaltenen Walmdach schließt ein umlaufender Bogenfries die Fassade ab, ein relativ weit überstehendes Dachgesims verdeckt die eigentliche Dachfläche. Die Gebäudekonzeption steht durchaus in der Tradition der preußischen Schulbauten, deren reformierte Grundkonzeption aus der Jahrhundertwende es übernommen hat.

Zum Innenhof hin findet sich die gleiche Fassadenorganisation, an den Giebelseiten des Gebäudes sind senkrechte Fensterbänder zur Belichtung des Treppenhauses angeordnet. Das Innere des Klassengebäudes ist den modernen Erfordernissen angepaßt. Die Terrazzotreppen mit Eisengeländer sind aus der Zeit.

Das Verwaltungsgebäude ist differenziert gestaltet und erhält seine Akzente durch kräftige Giebel mit nach innen getreppten Verzierungen. Die sehr unterschiedlichen Fenster vermeiden jede Reihung und verleihen der Fassade eine formale Vielfalt trotz der Strenge des verwendeten Materials. Es wird der Versuch deutlich, die Wirkung des auch bei Fabriken, Klöstern und Kirchen verwandten Klinkers durch große Fenster und bewegte Gestaltung aufzuhellen.

Städtebaulich ist die Schule im Zusammenhang mit der Pfarrkirche Herz-Jesu zu sehen, die ebenfalls im Stil des späten, zu einer eigenen Form sich findenden Historismus gehalten ist.

Referenz: 4878


Das Denkmal hat die Nummer 715 und ist seit dem 1. Juni 1981 geschützt.

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