Pfarrhaus v. St. Michael

Moltkestr. 117-121, 50674 Köln - Neustadt-Nord
Errichtet: 1895


1895 inschriftlich datiert; Pfarrhaus von St. Michael. Drei Geschosse, fünf Achsen, Dachform verändert; in der linken Achse bis ins Dachgeschoß reichende, erkerartige Wandvorlage (Giebel teilweise kriegszerstört). Werksteinfassade mit Dekorationselementen im Stil der Spätgotik. Fenster und Türen verändert, originale Bleche an den Kellerfenstern. Rückseite und Anbauten: Verputzt, Fenster backsteingerahmt, Fenster und Türen verändert; bei Nr. 117: Zweigeschossiger, kleiner Anbau (Wohnung des Pfarrers) mit weitgehend originalen Fenstern und Schlagläden; dahinter kleiner Garten, Backsteinmauer als Grenze zu Nr. 119-121; bei Nr. 119-121: Großer seitlicher Anbau (u.a. für Kindergarten). Im Inneren original erhalten: (Nr. 117) im Vorflur farbiger Fliesenboden, drei Marmor-Differenzstufen; farbiger Fliesenboden im Flur, etwas Deckenstuck über dem Treppenabsatz; Holztreppe, Holzgeländer mit gedrechselten Stäben; Oberlicht über dem Treppenabsatz im 1. OG; einige Türen, im 2. OG zum Teil auch mit originalen Beschlägen (dort auch Flügeltüren). Nr. 119-121: Im Flur Fliesenboden, Terrazzotreppe, Holzgeländer mit gedrechselten Stäben und Antrittspfosten, Zwischenpodeste in Terrazzo mit schwarzer Rahmung und Mosaikeinlagen; einige Wohnungseingangstüren.

Nicht zum Denkmal gehört: Neuer ein- bis zweigeschossiger Erweiterungsbau des seitlichen Anbaus von Nr. 119-121.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Die von Josef Stübben geplante und ab 1881 von ihm ausgeführte Stadterweiterung von Köln gehört zu den bedeutendsten und umfassendsten städtebaulichen Leistungen des späten 19. Jahrhunderts in Deutschland. Die halbkreisförmig um die Altstadt gelegte Neustadt wurde in verschiedene Wohnviertel eingeteilt. Westlich, zwischen Gladbacher- und Zülpicher Straße, entwickelte sich das sogenannte "Westend", das durch den Stadtgarten und verschiedene, begrünte Platzanlagen alle Voraussetzungen für ein gutbürgerliches Wohnviertel bot. Die Moltkestraße, an der sich das o.g. Objekt befindet, erstreckt sich von der Jülicher- bis zur Antwerpener Straße. Sie wurde vorwiegend um 1890-96 bzw. 1900-1907 bebaut.

Das Gebäude gehört zu den frühen Zeugnissen der Erstbebauung. Es bildet ein Ensemble mit dem Nachbarhaus Nr. 107 und steht sowohl inhaltlich als auch städtebaulich in engem Zusammenhang mit der wenig später (1902-1906) auf dem gegenüber liegenden Brüsseler Platz errichteten katholischen Pfarrkirche St. Michael. Es umfaßte ursprünglich drei Gebäudeteile, von denen zwei (Nr. 119 und Nr. 121) im frühen 20. Jahrhundert - wohl kurz nach Fertigstellung der Kirche - untereinander verbunden wurden, zugänglich durch das im Zuge dieser Umbaumaßnahmen errichtete Treppenhaus. Trotz der durch Kriegseinwirkung nicht mehr vollständigen Fassadengestaltung wird das Gebäude auch als Beispiel für das Wiederaufleben gotischer Architekturformen im 19. Jahrhundert zu einem unverzichtbaren Dokument.

Referenz: 6448


Das Denkmal hat die Nummer 710 und ist seit dem 7. Mai 1981 geschützt.

Denkmal <Pfarrhaus v. St. Michael> bearbeiten
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