Fabrikgebäude

Schanzenstr. 5, 51063 Köln - Mülheim
Errichtet: Gebäude 22-24: um 1900 /Gebäude 25: um 1930 /Gebäude 28: 1956/57 /Gebäude 20: nach 1956


 

  • zwei Gebäudekomplexe
  • ehemalige Fabrikanlage für feuerfeste Erzeugnisse Martin & Pagenstecher

 

Gebäude Nr. 22-24:

  • ein Geschoss
  • backsteinsichtig mit Gliederungen (Lisenen und Konsolfriese)
  • dreiteiliger Gebäudekomplex aus jeweils auf längsrechteckigem Grundriß langseitig aneinandergrenzenden Gebäuden (ehemalige Lagerhallen)
  • Nr. 22 und 23 mit Giebeln und Satteldächern
  • Nr. 24 unter Abschleppung des Daches von Nr. 23
  • stichbogige Fenster- und Türöffnungen, teilweise verändert oder zugemauert
  • spätere Rechtecktore auf der Westseite
  • Fenster mit sprossierten Metallrahmungen teilweise original, teilweise erneuert (u. a. als hochrechteckige Fensterbahnen der mittleren Ostseiten)
  • Maueranker mit ovalen Platten
  • Nr. 24 oberhalb der Dachfläche erweitert um einen späteren rechteckigen Aufbau aus Backstein,
  • teilweise verputzt
  • Flachdach
  • Lüftungsöffnungen und hochrechteckiger Fensterbahn mit sprossierter Metallrahmung

 

Inneres

im Innern original erhalten:

  • hölzerne Pfettendächer mit Stahlbindern (Gitterträger, vgl. Gebäude Nr. 27)


Gebäude Nr. 27

ehemaliges Mühlengebäude auf annähernd quadratischem Grundriß, zwischen Nr. 28 und 25 gelegen, als älterer Bauteil in den neueren Komplex einbezogen

  • drei Geschosse
  • backsteinsichtig
  • Fensteröffnungen verändert
  • Fenster erneuert

 

Inneres

im Innern

  • im Erdgeschoss gußeiserne Pfeiler in zwei Reihen
  • im ersten Obergeschoss zwei Reihen von Stahlstützen
  • in beiden Obergeschossen Stahlbetondecken
  • im zweiten Obergeschoss als flaches Satteldach (teilweise gestuft mit
  • Lüftungsaufbau
  • Dachflächenfenster in Metallfassungen)

aus jüngerer Bauphase bei Errichtung des anschließenden Gebäudes Nr. 25 (um 1930) auf alten Stahlbindern (Gitterträger)

 

Gebäude Nr. 25

ehemaliges Produktionsgebäude auf längsrechteckigem Grundriss im Anschluß an Gebäude Nr. 27 und in der Höhe auf dieses Bezug nehmend

  • drei Geschosse
  • Stahlbetonfachwerkbau mit backsteinsichtigen Füllungen (teilweise unter Einbeziehung älterer Gebäudereste)
  • Fensteröffnungen
  • auf der Südseite vermauert
  • auf der Nordseite verändert und mit erneuerten Fensterrahmen
  • die beiden unteren Geschosse im Inneren zu einer Halle zusammengefaßt
  • eingestelltes Stahlbetonstützensystem mit Unterzügen und zweigeschossigen emporenartigen Zonen auf Pfeilern an den Langseiten (ursprünglich zur Mitte hin offen, Brüstungsmauern neu)
  • zweites Obergeschoss hallenartig mit Stahlbetondecke als flachem Satteldach (im östlichen und westlichen Bereich gestuft mit
  • Lüftungsaufbau
  • Dachflächenfenster in Metallfassungen

auf Stahlbetonkonstruktion mit Unterzügen in Dachneigung auf zwei Reihen quadratischer Stützpfeiler


Gebäude Nr. 28 

ehemaliges Silo- und Mühlengebäude der Aufbereitungs- und Trockenanlage auf querrechteckigem Grundriß im Anschluß an Nr. 27; auf der Westseite teilweise Einbeziehung von Resten des alten abgebrochenen Silobaus (backsteinsichtiges Mauerwerk auf der Nordseite)

sieben Geschosse

  • Stahlbetonskelettbau mit vorkragender, flach abgewalmter Stahlbetondachplatte
  • Fassadengliederung in vertikalen Bahnen aus
  • Sichtbetonflächen
  • Verglasungen (feststehende Stahlfensterrahmen mit Sprossen und teilweise Fensterflügeln)
  • Verglasung des Treppenhauses auf der Ostseite zwischen drittem und fünftem Obergeschoss mit Glasbausteinen
  • Brüstungen unter den Fenstern mit gelber Klinkerverblendung
  • ursprünglich vier offene, aufgehende Innengeschosse verändert durch neue Zwischenmauern besonders um die Treppenanlage und Schließung der ehemaligen funktionsbedingten Öffnungen in den Stockwerksböden
  • offene Treppenanlage aus Stahlbeton mit
  • Zwischenpodesten
  • Metallgeländer (Reste von Mipolambelag am Handlauf)
  • Erdgeschoss teilweise mit Raumaufteilung durch sprossenverglaste Zwischenwände
  • erstes Obergeschoss mit älterem Betontrichter der ehemaligen Verteileranlage
  • drittes Obergeschoss mit Stahlbühne


Gebäude Nr. 20

  • zweite  Hälfte der 50er Jahre
  • ehemalige Kaminanlage auf quadratischem Grundriß als östlicher Anbau an Gebäude Nr. 25
  • im Zusammenhang mit einem ehemals benachbarten Tunnelofen genutzt
  • zwei Geschosse
  • Flachdach; backsteinsichtig
  • Rechteckfenster mit sprossierten Metallrahmen
  • im nordwestlichen Bereich backsteinsichtiger Schornstein.

 

 

Die Kleinstadt Mülheim entwickelte sich seit etwa 1870 rasch zur großindustriell geprägten Mittelstadt, nachdem u. a. durch die Anlage von Eisenbahnlinien die Ansiedlung von Industriebetrieben am Rande des historischen Ortskerns begünstigt worden war.

Die Gebäude des o. g. Objekts befinden sich auf dem Gelände der ehemaligen Fabrik feuerfester Erzeugnisse Martin & Pagenstecher, Silika- und Schamotte-Fabriken, die 1873 in Mülheim durch Ernst Pagenstecher und Heinrich Martin gegründet worden war und zu den frühen großen industriellen Niederlassungen in Mülheim der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zählt. Aus dem ursprünglichen Familienunternehmen war 1927 eine Aktiengesellschaft mit mehrheitlicher Beteiligung des größten deutschen Unternehmens der Eisen- und Stahlindustrie, der Vereinigten Stahlwerke AG, geworden, die ab 1953 nach Neuordnung der Kapitalverhältnisse neuen Aufschwung erlebte.

Die o. g. Objekte spiegeln die Firmengeschichte insofern wider, als sie Gebäude aus verschiedenen Zeitphasen darstellen, die zwar nicht mehr auf die Gründungszeit zurückgehen, mit den Gebäuden Nr. 22-24 und 27 aber den Abschluß der ersten großen Aufbauphase der Fabrikanlage gegen Ende des 19. Jahrhunderts dokumentieren.

Die Phase der Ausdehnung der Fabrikationszweige und Spezialisierung bei mehreren Betriebsstätten außerhalb des Mülheimer Werks in den 20er und 30er Jahren wird bezeichnet durch die Errichtung eines Neubaus für die Silikaproduktion um 1930 (Gebäude Nr. 25).

Von Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont geblieben, konzentrierte sich die Bautätigkeit der Nachkriegszeit ab 1953 auf eine Modernisierung der Anlagen, in deren Zuge der Silo- und Mühlenbau (Gebäude Nr. 28) und die Kaminanlage (Gebäude Nr. 20) entstanden.

Alle Gebäude weisen für ihre Bauzeit und praktische Nutzung charakteristische Merkmale auf und dokumentieren den jeweiligen bautechnischen Standard. Bezeichnend für die aus der industriellen Frühphase um 1900 stammenden Hallen ist die herkömmliche Massivbauweise in Backstein - nutzungsgemäß zwar schlicht gehalten in der Fassadengestaltung, aber am Gebäudekomplex Nr. 22-24 dennoch mit sparsamen Gliederungen zwecks eines ansprechenden Äußeren versehen, die kombiniert wird mit den neu zur Verfügung stehenden Bauelementen der Stahlproduktion (Stützen und Dachkonstruktionen).

Das um 1930 entstandene Gebäude Nr. 25 ist insgesamt von sachlich-funktionalen Aspekten bestimmt, wobei der Innengestaltung durch Betonstützensysteme besondere Bedeutung zukommt. Die rein bautechnisch bedingte Formgebung der Pfeiler, Wandvorlagen und Unterzüge, die als Bauglieder mit klarer, z. T. schräger Linienführung in ihrer nüchternen Funktionalität sichtbar belassen wurden, bewirkt zugleich eine architektonische Qualität, die fortschrittlicher Architekturauffassung entspricht.

Für eine dynamische Raumerscheinung von besonderem Reiz sind in der Erdgeschoßhalle die - entgegen der üblichen Raumstaffelung zur Mitte hin - zu den Außenmauern hin ansteigend verlaufenden Unterzüge der seitlichen emporenartigen Bereiche.

Unter den Gebäuden Nr. 28 und 20 aus den 50er Jahren ist besonders der turmartige Silo-, Verteiler- und Mühlenbau hervorzuheben, der sich durch starke Durchfensterung auszeichnet. Neben der für die Bauzeit typischen Konstruktionsweise als Stahlbetonskelettbau mit vorkragender Dachplatte weist er charakteristische, die einfachen Fassaden in Sichtbeton- oder verglaste Flächen gliedernde und auflockernde Details auf, wie die wechselweise kräftiger ausgebildeten vertikalen Betonständer, die verklinkerten Brüstungsfelder unter den Fenstern oder deren versetzt angeordnete Metallsprossierung. Die o. g. Objekte stellen deshalb in bauhistorischer wie orts-, industrie- und firmengeschichtlicher Hinsicht unverzichtbare erhaltenswerte Denkmäler dar.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen und für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse ist, als auch wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen.

Referenz: 9717


Das Denkmal hat die Nummer 6941 und ist seit dem 15. Oktober 1993 geschützt.

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