Wohnhaus

Carl-Schurz-Str. 9, 50935 Köln - Lindenthal
Errichtet: 1951


Mehrfamilienhaus als Teil einer Wohngruppe (Decksteiner Str. 26-36; Carl-Schurz-Str. 7-11)

Architekt : Walter Schwagenscheidt (1886-1968)

  • zwei Geschosse
  • Putzfassade

 

Aufbau

  • freistehender, traufständig zur Straße ausgerichteter Bau
  • flach geneigtes Satteldach
  • Fenster größtenteils verändert

 

Straßenfassade

  • betonte Eingangsachse mit
  • großflächiger Verglasung im Treppenhausbereich
  • originaler Haustür (Holz/Drahtglas)

Rückfront

  • zwei Balkone im Obergeschoss
  • Metallgeländer
  • Glaseinsätze erneuert

 

Inneres

Zur originalen Innenausstattung gehören:

  • Terrazzoboden
  • im Eingangsbereich
  • auf den Etagen
  • Terrazzotreppe mit
  • Metallgeländer
  • Holzhandlauf
  • Wohnungs- und Zimmertüren

 

Bestandteil des Denkmals ist auch die umgebende Grünanlage.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Die 50er Jahre, die erste Wiederaufbauphase nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges, geraten als inzwischen abgeschlossene Bauepoche immer mehr in das Interesse der Allgemeinheit. Aus dieser Zeit verfügt Köln über eine Anzahl von Bauten von hoher baukünstlerischer Qualität, von den Architekten oft im Sinne eines "Gesamtkunstwerkes" durchgestaltet und in Beziehung zu einem städtebaulichen Gesamtkonzept entworfen.

Obengenanntes Objekt ist integraler Bestandteil einer Gruppe von Wohnbauten (Decksteiner Str. 26-36/Carl-Schurz-Str. 7-11), die im Auftrag des Bundeswohnungsministeriums in den Jahren 1951/52 für Mitglieder ausländischer Missionen auf dem Gebiet des ehemaligen Dorfes Hohenlind errichtet wurde.

Es handelt sich um sieben Wohnhäuser ,die, in der Grundform einheitlich

  • zwei Geschosse
  • Putzfassaden
  • Satteldach

in den Details jedoch differenziert gestaltet sind . Entsprechend den unterschiedlichen Diensträngen der Diplomaten wurden die Bauten als Mehrfamilien-, Doppel- und Einfamilienhäuser konzipiert.

Zwei Architekten zeichneten für die Gruppe verantwortlich: Die Mehrfamilienhäuser (Carl-Schurz-Str. 7-11) wurden von dem ArchitektenWalter Schwagenscheidt (1886-1968) entworfen; Entwurf und Ausführungsplanung der Häuser Decksteiner Str. 26-36 lagen in den Händen des Architekten Carl Leverentz (?-?).

Nach funktionalen Gesichtspunkten aufgebaut, werden die glatten Putzfassaden lediglich durch Fenster und Türöffnungen strukturiert. Bei den insgesamt klarer gegliederten Mehrfamilienhaustypen wird die Eingangs- und Treppenhausachse durch großflächige Verglasung hervorgehoben. Die Wohngebäude der in der Rangfolge höherstehenden Diplomaten vermitteln - wohl den Vorstellungen der Bewohner entsprechend - durch traditionelle Formelemente wie

  • Schlagläden
  • Fenstererker
  • Ziergitter
  • die Gestaltung mit Natursteinplatten

                                                                  einen Eindruck vom Heimatstil früherer Jahrzehnte.

Insgesamt ist die ganze Bautengruppe durch die unterschiedliche Ausrichtung zur Straße und die versetzte Anordnung der Häuser abwechslungsreich und aufgelockert gestaltet worden. Auch die umgebenden großflächigen Grünanlagen - bei den Mehrfamilienhäusern wurde auf trennende Einfriedungen ganz verzichtet und unter Aufnahme der vorhandenen Niveauunterschiede eine naturnahe Grüngestaltung im Sinne der Gartenarchitektur der 50er Jahre angestrebt - bilden einen wichtigen Aspekt der Gesamtkonzeption.

Die Bautengruppe Decksteiner Str. 26-36/Carl-Schurz-Str. 7-11 stellt als "Wohnsiedlung" für Mitglieder ausländischer Missionen ein wichtiges Dokument deutscher Nachkriegsgeschichte dar, sie gehört aber auch zu den ersten Nachkriegsbeispielen für moderne Gartenstadtgestaltung, in ihrer Architektur das Bemühen um eine klare Formensprache verbunden mit traditionellen Stilformen widerspiegelnd. Schließlich ist die Gruppe im Eckbereich zweier Straßenzüge - vergleichbar beispielsweise mit den zeitgleich entstandenen Häusern Decksteiner Str. 52-58 - prägend für den im wesentlichen mit freistehenden, von großzügigen Gärten umgebenen Wohnhäusern bebauten Teilbereich von Lindenthal, das sog. Deckstein.

Referenz: 1190


Das Denkmal hat die Nummer 6703 und ist seit dem 16. Dezember 1992 geschützt.

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