Wohnhaus

Lindenallee 70, 50968 Köln - Marienburg

Die zweigeschossige Villa aus Ziegelstein wurde 1924/25 von dem Architekten Emil Felix für den damaligen Direktor der Deutschen Bank, Brüning, errichtet und beherbergt heute eine Dienststelle des Bundes. Ein quaderförmiges Wohnhaus und ein angefügtes kubisches Garagen- und Dienstbotenhaus bilden die baulichen Anlagen, die mit Walmdächern abschließen.

Fassaden: Haupteingangsseite ist die schmale Südseite mit ihrer symmetrischen Gestaltung. In der Mitte führt eine dreistufige Treppe zur Haustüre, die das rundbogige Natursteingewände mit ornamentiertem Schlussstein füllt. Zu beiden Seiten des Eingangs wird der Rundbogen jeweils im Sturz eines kleinen, vergitterten Fensters aufgenommen.

Die Eingangsachse ist im Obergeschoss durch eine Fenstertür und einen Balkon auf Konsolen mit schmiedeeisernem Brüstungsgeländer betont. Je ein Fenster rechts und links flankieren dort die Mittelachse.

An die Südfassade schließt das versetzt platzierte, ebenfalls zweigeschossige Chauffeurshaus an. Die Garageneinfahrt im Osten weist eine rundbogige Öffnung auf. Den Zugang zum Wirtschaftsflügel ermöglicht die gleichfalls rundbogige Türöffnung im halbrunden Treppenturm auf der Ostseite. Ein Fassadenrücksprung markiert auf dieser Seite den Übergang zum Wohnhaus der Villa.

Prägendes Element ist hier der spätere, dreiachsige Anbau mit Pilastergliederung und kassettierten Brüstungsfeldern im Obergeschoss, ruhend auf rundbogigen Pfeilerarkaden. Das Erdgeschoss weist rechts neben den Arkaden eine ungegliederte Ziegelfläche, links drei zusammengezogene schmale Vertikalfenster mit Sprossen und Oberlicht auf. Vergitterte rundbogige Fensteröffnungen befinden sich im Obergeschoss zu beiden Seiten des Vorbaus.

Die schmale Nordfassade gliedert ein Parterreerker mit drei äußeren sowie je zwei seitlichen zusammengezogenen Vertikalfenstern. Im Obergeschoss ist der Erker als Balkon vor zwei Fenstern ausgebildet.

Im Westen - gartenseitig - liegt die Hauptfassade. Den dreiachsigen Mittelteil rahmen die beiden eckrisalitartig vorgezogenen Baukörper. Eine offene Loggia hinter einem dreistufigen Aufgang und zwei Säulen mit Palmettenkapitellen zeichnen das Erdgeschoss aus. Drei zweiflügelige Sprossen-Fenstertüren mit Oberlicht ermöglichen den Zugang vom Hausinnern zur Loggia. Den linken Eckrisalit bestimmt ein Parterreerker mit darüberliegendem Balkon. Je ein seitliches schmales Vertikalfenster und eine Gruppe aus drei solcher zusammengezogener Sprossenfenster mit Werksteineinfassung (Muschelkalk) sorgen für die Belichtung des Erkers. Ein gleiches Drillingsfenster zeigt der flach gestaltete rechte Eckrisalit. Im Obergeschoss treten in den Risaliten jeweils zwei, im Mittelteil drei kleinere Sprossenfenster mit Oberlicht auf. Das niedrige, teilweise durch Gauben belichtete Dachgeschoss der Villa ist mit einer großflächigen Dachterrasse ausgestattet. Größe und Ausprägung der Fenster gegen über die ursprüngliche Wertigkeit der Wohnhausgeschosse Auskunft: Repräsentationsräume im Erdgeschoss, Schlafräume im Obergeschoss, Personalräume im Dachgeschoss.

Außenanlagen:

Hof- und Gartenflächen umgeben die baulichen Anlagen. Die originale Einfriedung, die aus Ziegelsteinpfeilern, -sockel mit eisernen Gittern und einem verzierten Eingangsgittertor besteht, begrenzt das Eckgrundstück.

Ein Gartenpavillon - als halboffenes Rundtempelchen mit zwei ionischen Säulen und schiefergedecktem Dach gestaltet - ist als Eckpunkt in die Einfriedung integriert. Ferner sind im Garten ein Brunnen sowie der ehemalige Swimmingpool vorhanden.

Außenbau und -anlagen zeigen bis auf die Erneuerung des großen Hofeinfahrtstores und der Rundbogenfenster der Ostfassade ihre originale Ausprägung. Alle anderen Fenster und Fenstertüren sind mit ihren Beschlägen original erhalten. Ebenfalls original erhalten sind ornamentierte Fenstervergitterungen sowie alle Klappläden im Obergeschoss.

Innenbau Dem Eingangsflur schließt sich die Eingangshalle an mit originaler, profilierter Holzbalkendecke und originalem Fußbodenbelag. An ursprünglicher Stelle steht auch heute ein historischer Kamin, der, einer zeitgenössischen Abbildung zufolge, wenig später dort Aufstellung gefunden haben muss. Von der Halle führen Fenstertüren zur Loggia. Originale Schrankeinbauten befinden sich im ehem. Herren - und Bibliothekszimmer. Hier sind die ursprünglich in der Mitte säulengestützten Rundbogenarkaden zu einem großen, stuckierten Rundbogen verändert. Dieser bildet den Durchgang zum Erker. Das folgende ehem. Speisezimmer ist mit Holzvertäfelungen und reicher Stuckornamentik verziert, so z. B. Pilasterschmuck aus vegetabilen Formen.

Es fehlen die ehemals in die Wandvertäfelung eingestellten Säulen.

Weitere große Räumlichkeiten sind im Erdgeschoss angelegt.

Ein repräsentatives Treppenhaus führt zum Obergeschoss: Die Holzbalustrade endet in der Treppenhalle mit ihren rundbogigen, holzverkleideten Pfeilerarkaden, die mit den Rundbogenfenstern korrespondieren. Die profilierte Holzbalkendecke bildet den Abschluss. Die Räume sind gegenüber denen des Erdgeschosses schlichter gestaltet. Die Stuckierung ist zurückgenommen, niedrigere Geschoss- und Fensterhöhe stehen damit in Einklang. Reste des ehem. Marmorbades befinden sich im arkadengestützten Erkeranbau auf der Ostseite. Zimmertüren, Beschläge und Gewände sowie künstlerisch gestaltete Heizkörperverkleidungen sind original erhalten.

Begründung der Denkmaleigenschaft gemäß § 2 DSchG:

Der Architekt Emil Felix war in erster Linie für die Deutsche Bank im Rheinland und in Westfalen in den 10er und 20er Jahren tätig. Es entstanden Um- und Neubauten von Dienstgebäuden, in geringerer Anzahl auch private Wohnhäuser, besonders Villen für Bankdirektoren. Hauptmerkmale der Häuser von Felix, die sich durch Repräsentativität und gleichzeitig auch Schlichtheit auszeichnen, sind die Fassadenausbildung in Ziegelstein, Werksteingliederungen (häufig Muschelkalk), Arkaden im Erdgeschoss und grüne Schlagläden (bei Privathäusern).

Zu den bedeutenden Objekten von Felix in Köln gehört das mehrflügelige Ziegelsteingebäude am Gülichplatz, das Geschäftshaus des Zigarettenfabrikanten Neuerburg im damaligen Tabakhandelsviertel. Der Wohnsitz Neuerburg , auch von Felix entworfen, befindet sich ebenso wie der des ehem. Bankdirektors Brüning in der "Villenkolonie Marienburg".

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und zu einem der im denkmalpflegerischen Sinne besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier bis zu Beginn der 30er Jahre bekannte Architekten wie Paul Benatz, Otto March, Joseph Maria Olbrich, Paul Potter, Theodor Merrill und Emil Felix Landhäuser (die frühen teilweise nach englischem Vorbild) und Villen errichtet.

Diese Gegebenheiten bedingen die architekturgeschichtliche sowie die städtebauliche Bedeutung des " Ensembles Villenvorort Marienburg". Die ehem. Villa Brüning zeigt in der für Emil Felix typischen Anlehnung an die niederrheinische und westfälische Tradition eine zweigegliederte Villenanlage mit dem zum Schillingsrotter Platz in orientierten Herrschaftshaus (in der klassischen Dreierteilung) und dem an der Lindenallee angefügten Wirtschaftsflügel. Gegenüber den einheitlich streng und eher zurückhaltend gestalteten Außenfassaden ist die Behandlung der Innenräume des Hauses als repräsentativ-prunkvoll zu bezeichnen.

Veränderungen am Außenbau wie der angefügte arkadengestützte Erker im Osten oder im Innenbau die Umwandlung der Arkaden als Zugang zum Parterreerker in einen großen Rundbogen stammen nicht aus jüngster Zeit, gehören zur Entwicklungsgeschichte und sind daher denkmalwert. Das Verschwinden der Säulen im ehem. Speisezimmer und Elternschlafzimmer und die mit vielen Farbschichten versehenen Türflügel, Stuckierungen und Vertäfelungen schmälern nicht die Denkmaleigenschaft des Gebäudes.

Die Gesamtanlage Lindenallee 70 - Herrschaftshaus einschließlich historischer Innenausstattung und angebautem Wirtschaftsflügel, Garten mit Pavillon und Brunnen, Grundstückseinfriedung - ist somit für sich gesehen als Beispiel der für die 20er Jahre typischen klaren, schlichten, gleichzeitig strengen Fassadengliederung und darüber hinaus als wichtiger Bestandteil der Marienburger Villenkolonie bedeutend für die Geschichte des Menschen sowie für Städte und Siedlungen.

Für die Erhaltung und Nutzung liegen künstlerische, Architekturgeschichtliche und städtebauliche Gründe vor.

(Quelle: Emil Felix, Berlin o.G. (um 1927), Sonderdruck aus der Zeitschrift Neue Baukunst)

Referenz: 1331


Das Denkmal hat die Nummer 6656 und ist seit dem 5. November 1992 geschützt.

Denkmal <Wohnhaus> bearbeiten
Zum Denkmalkatalog Kommentar zum Denkmal abgeben