Büro- und Verwaltungsgebäude (Kaufhof AG)

Kämmergasse 39-41, 50676 Köln - Altstadt-Süd weitere ...
Errichtet: 1954


Teil der Hauptverwaltung der Kaufhof AG

 

Architekten: Hermann Wunderlich (1899-1981)

  •                Reinhold Klüser (1913-?)

 

Hauptbau (Scheibenhaus)

  • acht Geschosse
  • flachgedecktes Scheibenhaus in Stahlbetonskelettbauweise 
  • weitgehend mit leicht zurückgesetztem Erdgeschoss
  • drei seitliche aluminiumverblendeten Rundstützen im Bereich der Eingangshalle an der Leonhard-Tietz-Str. 
  • Glas-Aluminium-Vorhängefassaden ("Curtain-Wall")
  •  Erdgeschoss des Scheibenhauses teilweise
    • mit Natursteinplättchenverblendung (im Bereich des Pflanzbeetes an der Ostfassade)
    • verputzt (an der Agrippastr.)
  • Fenster und Eingangstüren (am Haupteingang zur Leonhard-Tietz-Str. Drehtüranlage) weitgehend original

 

Rückseite des Scheibenhauses

  • bis auf die obersten Geschosse verputzt
  • teilweise mit niedrigeren Anbauten
  • Laderampe mit Vordach
  • Fenster größtenteils original

 

Verbindungsbau zum Vorstandsgebäude an der Kämmergasse

  • drei Geschosse
  • an der Ostfassade des Hauptbaus anschließend (ebenfalls in Stahlbetonskelettbauweise)
  • flankierende eingeschossige Vorbauten (weitgehend verglast)
  • Glas-Aluminium-Vorhängefassaden ("Curtain-Wall")

 

Inneres

Im Innern original erhalten

  • Eingangshalle
    • bis auf den Bürgersteig hinausgezogener Bodenbelag mit quadratischen schwarzen Terrazzoplatten
    • Rundstützen mit einer Verkleidung aus messingeloxiertem Aluminium
    • Verkleidung der Wand im Bereich des Fahrstuhlschachtes mit hellem Marmor
    • an einer Seite mit stilisierter Weltkugel als Wanduhr (Schmiedearbeit von Carl Wieland)
    • Verkleidung der rechten Wand (auch im Bereich des Treppenaufgangs) mit deutschrotem Marmor, hier mit eingelassener Gedenktafel für Leonhard Tietz (Bronze)
    • Stuckrelief an einer Wand (von Jakob Berwanger (1900-1959))
    • zwei von innen nach außen durchgehende Pflanzbeete mit Natursteinverblendung
    • Aufzugsanlage (Paternoster)
  • obere Eingangshalle
    • kurze rote Terrazzotreppe
    • Bodenbelag mit quadratischen schwarzen Terrazzoplatten
    • Rundstützen (wie im vorderen Bereich)
    • Stütze auf quadratischem Grundriß mit Natursteinplättchenverblendung
    • wellenförmig gebogene Holzverkleidung einer Wand
    • eine weitere Wand mit Natursteinverblendung
    • weitgehend originale Türen
  • Haupttreppenhaus
    • Stahlbetontreppe mit
      • rotem Terrazzobelag
      • Metallgeländer
      • Mipolamhandlauf
  • Konferenzsaal des Verbindungsbaus (erstes Obergeschoss)
    • Bodenbelag entlang der Wände mit Naturstein
    • Holzvertäfelung der Wand in der Sockelzone
    • weitgehend originale Holztüren
    • hängende Holzdecke
    • zwei Deckenleuchter
  • Hörsaal des Verbindungsbaus (erstes/zweites Obergeschoss)
    • schlanke Rundstützen vor der Fensterwand
    • wellenförmig gebogene Holzverkleidung der Seitenwände
    • ansteigende Bestuhlung
    • vor der Fensterwand Rabitzdecke mit integrierten Lampen
  • in den Fluren
    • Mipolamboden
    • teilweise Holzverkleidung der Wand (erstes Obergeschoss)
    • Rundstützen
    • weitgehend originale Türen

 

Bestandteil des Denkmals ist auch der außen befindliche Teil der beiden durchgehenden Pflanzbeete.

Nicht Bestandteil des Denkmals sind die an der Hoffront (bzw. Westfassade) anschließenden weiteren Bauten des Gesamtkomplexes.

 

 

Die 50er Jahre, die erste Wiederaufbauphase nach den Zerstörungen des zweiten Weltkrieges, geraten als inzwischen abgeschlossene Bauepoche immer mehr in das Interesse der Allgemeinheit. Aus dieser Zeit verfügt Köln über eine Anzahl Bauten von hoher baukünstlerischer Qualität, von den Architekten oft im Sinne eines "Gesamtkunstwerkes" durchgestaltet.

Das o. g. Objekt wurde 1954 als Hauptverwaltung der Kaufhof AG an der Sternengasse (heute Leonhard-Tietz-Straße) in unmittelbarer Nähe des Schnittpunkts der Ost-West-Durchbruchstraße mit der damals nur projektierten Nord-Süd-Straße errichtet. Planung und Ausführung lagen bei Hermann Wunderlich (1899-1981)und Reinhold Klüser (1913-?), den führenden Architekten der Bauabteilung des Unternehmens. Eine Besonderheit der Bauaufgabe bestand in der Notwendigkeit der Eingliederung des älteren Vorstandsgebäudes an der Kämmergasse sowie in der Rücksichtnahme auf die benachbarten Kirchen St. Peter und St. Cäcilien.

Auf dem verhältnismäßig beengtem Grundstück entstand so ein Gebäudekomplex mit einer, die Baumassen geschickt gliedernden Aufteilung in mehrere Baukörper. Dominiert wird er von einem acht-geschossigen Scheibenhaus, das wie überwiegend auch die weiteren (Neu-)bauten aus einer aus Rundstützen bestehenden Stahlbetonkonstruktion errichtet worden ist. Dabei ist die Fassade eine als Außenhaut in Montagebauweise vorgehängte Ganzglasfassade mit Brüstungs- und Sturzfeldern aus dunkelgrünem Drahtglas und einer äußerst schmal profilierten Rahmenkonstruktion aus Aluminium.

Das Erdgeschoss wurde ganz in Stützen aufgelöst und ist im Bereich der Eingangshalle bis auf die hinter der aufgehenden Flucht stehenden Konstruktionspfeiler zurückgenommen und vor allem hier ganz verglast worden. Dies gibt dem Oberbau nicht nur einen leichten, schwebenden Charakter, sondern bewirkt auch ein Ineinanderfließen von Außen und Innenraum. Besonders die durchgehenden Pflanzbeete machen diese Tendenz deutlich. Insgesamt wurden die werbewirksam auf Grün abgestimmten Glasfassaden der für die Kaufhof AG errichteten Bauten geradezu ein Symbol des "Wirtschaftswunders" der 50er Jahre.

Vorläufer dieser Glasarchitektur mit einer vorgehängten Fassade, dem "Curtain Wall", existieren bereits in den 20er Jahren, wobei hier als wegweisender Architekt in erster Linie Mies van der Rohe zu nennen wäre. Auch die seine Ideen weiterentwickelnden amerikanischen Architekten Skidmore, Owings und Merrill (SOM) beeinflußten vor allem mit ihrem "Lever House" in New York die Architektur der Kaufhof-Bauten maßgeblich.

Das o. g. Objekt, das darüber hinaus in wichtigen Bereichen, etwa in der Eingangshalle, noch größtenteils über seine schöne zeittypische Innenausstattung verfügt, wird somit als herausragendes Beispiel für den amerikanischen Einfluß in der Architektur der 50er Jahre in Köln zum unverzichtbaren Dokument. Auch als wichtiges Werk des Architekten Hermann Wunderlich (1899-1981), der in hohem Maße die Warenhausarchitektur im Nachkriegsdeutschland prägte, ist das o. g. Gebäude unbedingt erhaltenswert.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen.

Referenz: 0301


Das Denkmal hat die Nummer 6549 und ist seit dem 23. Juni 1992 geschützt.

Denkmal <Büro- und Verwaltungsgebäude (Kaufhof AG)> bearbeiten
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