Fabrikanlage u. Verwaltungsgebäude/ ehem. Muelhens

Vogelsanger Str. 66-100, 50823 Köln - Ehrenfeld weitere ...
Errichtet: 1950, 1958, 1960-62


Fabrikation Fa. Muehlens 4711, mehrflügelige Industrieanlage (teilweise mit Bausubstanz vor 1949)

Architekten: Büro „Wilhelm & Rudolf Koep“

  • Rudolf Koep (1935-)(Büro „Wilhelm & Rudolf Koep“)
  • Wilhelm Koep (1905-1999)(Büro „Wilhelm & Rudolf Koep“)

 

Fassade/Aufbau

  • Stahlskelettbauten und Stahl-Glas-Fassaden

 

  • um 1950 erbaut, unter Einbeziehung älterer Gebäude
  • dreigeschossig
  • verputzt
  • mit neuerer Fassadenverkleidung
  • ein bis zwei Geschosse
  • Stahlkonstruktion, ausgefacht mit Detopakglasplatten
  • Sockel mit Keramikfliesen
  • Rundbau
  • um 1950 erbaut
  • vier Geschosse
  • Stahlskelettbau mit vorgehängter Stahl-Glas-Fassade (Um 1958 Erweiterung im hinteren Gebäudeteil).

Betriebsgebäude zur Vogelsanger Straße

  • um 1958 erbaut
  • Erweiterung der bestehenden Fabrikgebäude
  • vier bis fünf Geschosse
  • Stahlkonstruktion, ausgefacht mit Detopakglasplatten
  • Sockel mit Keramikfliesen
  • vor dem Eingang Vordach auf zwei Stützen als Verbiondung des älteren Gebäudeteils mit dem Neubau  Treppenhaus verglast
  • Verglasung auch zum Innenhof ("Vincenzhof")
  • eingeschossiger Trakt (u.a. Seifenproduktion und Kesselhaus)
  • seitlich bzw. rückwärtig an den vier- bis fünfgeschossigen Baukörper anschließend
  • verglaste Vorderfront am Kesselhaus
  • Dachkonstruktion zur besseren Ausleuchtung in Shed-S-Form.
  • Stahlkonstruktion; Fassaden gefliest.
  • Am Rundbau sowie an den um 1958 erbauten Bauten entlanggeführtes, bis zum Kesselhaus reichendes Vordach (Rampendach) über dem Erdgeschoß

 

Inneres

  • Eingangsbereich Vogelsanger Straße mit
  • Fliesenboden (blau/weiß gemustert)
  • Haupttreppe
  • Auftritte weiß
  • Stoßtritte dem Fliesenboden entsprechend
  • Geländer mit
  • verzierten Eisenstäben
  • Mipolamhandlauf
  • sechs Deckenleuchter
  • ansonsten Treppenaufgänge mit
  • Solnhofener Platten
  • Geländer mit
  • Eisenstäben
  • Mipolamhandlauf

 

  • Verwaltungsgebäude zur Venloer Straße:
  • 1960-62 erbaut
  • zehn Geschosse
  • Erdgeschoss in der Flucht des benachbarten sechsgeschossigen seitlichen Anbaus
  • erstes bis neunes Obergeschoss aufgeständert
  • Fassaden gefliest
  • Brüstungsfelder mit farblich abgesetztem Glas
  • Sockel mit grauen Keramikfliesen
  • Aufschrift "Ferd. Mülhens" und Firmenzeichen
  • sechsgeschossiger seitlicher Anbau ebenfalls mit gefliesten Fassaden
  • Schaukästen im EG
  • Vordach über dem EG
  • Treppenhaus durch Glasbausteine belichtet.

Inneres

Im Innern des Verwaltungsgebäudes erhaltenswert:

  • Treppenhaus mit
  • Terrazzostufen
  • Terrazzoböden
  • Geländer mit
  • verzierten Eisenstäben
  • Mipolamhandlauf

Nicht zum Denkmal gehören:

  • ältere Backsteingebäude im Eckbereich Thebäerstr./Vogelsanger Str. (ehem. Thebäerstr. 23 und 23 a; um 1885 bzw. um 1896, Fassaden geschlämmt)
  • übrige ein- bis zweigeschossigen Backsteinbauten ("Baracken")
  • Fertigungshalle
  • Baubüro
  • Baubaracken
  • Kantine
  • Druckerei
  • Schreinerei
  • Lager usw.

Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen, für Städte und Siedlungen und für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Gewerbebauten waren vielfach Ausgangspunkte zu Experimenten mit neuen Materialien und kühnen Konstruktionen. Dies zeigt sich nicht zuletzt in der Zeit nach 1945, als für viele Kölner Firmen ein Neuanfang in den Trümmern oder oft an neuer Stelle begann und man trotz bescheidener Mittel - oder vielleicht gerade deswegen - beachtenswerte Ergebnisse erzielte.

Zu den markantesten Beispielen dieser Architekturgattung gehört die in den fünfziger Jahren nach Plänen von Wilhelm Koep (1905-1999) errichtete Fabrikanlage der Parfümerie-Fabrik Mülhens (4711). Die Fabrikation war, als das an der Glockengasse gelegene Stammhaus nicht mehr ausreichend Platz bot, 1874 in den aufstrebenden Industrievorort Ehrenfeld verlegt worden. Bereits kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges, dem ein Großteil der Ehrenfelder Industriearchitektur zum Opfer fiel, bemühte man sich um Instandsetzung oder Ersatz der zu ca. 70 % zerstörten Werksgebäude. Unter Einbeziehung des ehemaligen Vincenzheims (1885 eröffnet, seit 1910 Klinik für geistig bzw. körperbehinderte Kinder, von Vincentinerinnen betreut) und älterer Fabrikbauten entstanden um 1950 und 1958 verschiedene Neubauten im Bereich Vogelsanger Straße und  Venloer Str., die um 1960-62 durch das Verwaltungsgebäude an der  Venloer Str. ergänzt wurden.

Die Fabrikations- und Betriebsgebäude an der Vogelsanger Str. und vor allem der sog. Rundbau, mit ihren blaugrünen Glasplatten und goldenen Metallrahmen in den Farben der Firma, sind ganz in der Tradition des "Neuen Bauens" stehende, konsequent durchdachte Stahlskelettbauten, die sich durch ihre Leichtigkeit und Werbewirksamkeit auszeichnen. Der an die geschwungenen Bauten von Erich Mendelsohn erinnernde Rundbau mit seiner vorgehängten Stahl-Glas-Fassade veranschaulicht als erstes Kölner Beispiel den Einfluß der amerikanischen Architektur.

Wilhelm Koep (1905-1999) bezog sich hier vor allem auf Mies van der Rohe, der das "Neue Bauen" in den USA weiterentwickelte, sowie die ihm nahestehenden Architekten Skidmore, Owings & Merrill. Bemerkenswert ist auch die Dachlösung des Seifenproduktionsteils, für den Wilhelm Koep eine Konstruktion in Shed-S-Form entwarf, um die größtmögliche Ausleuchtung zu erzielen.

Die stadtbildprägenden Fabrikgebäude belegen in eindrucksvoller Weise das Werk eines der bedeutendsten Kölner Architekten der Nachkriegszeit und sind darüber hinaus auch als Dokument der 50er Jahre-Architektur in Köln, der Ehrenfelder Industriegeschichte und als Beispiel für diesen bestimmten Architekturtypus unbedingt erhaltenswert.
Referenz: 0388


Das Denkmal hat die Nummer 6398 und ist seit dem 3. Februar 1992 geschützt.

Denkmal <Fabrikanlage u. Verwaltungsgebäude/ ehem. Muelhens> bearbeiten
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