Heumarktdenkmal/ Reiterstandbild f. Friedrich Wilhelm III.

Heumarkt, 50667 Köln - Altstadt-Nord

Wesentliche charakteristische Merkmale des Reiterdenkmals:

1864 bis 1878 erstellt nach Entwürfen von Gustav Hermann Blaeser (1813-1874),

Mitarbeiter:

  • Alexander Tondeur,
  • Alexander Calandrelli,
  • Otto Büchting,
  • Ludwig Drake,
  • Rudolf Schweinitz,
  • Karl Schuler

 

  • Gegossen durch das Gräflich Einsiedel’sche Hüttenamt in Lauchhammer;
  • ursprüngliche Gesamthöhe des Denkmals: etwa 13,5 m.
  • in Bronze gegossene Figuren und Reliefplatten;
  • 1985 provisorische Neuaufstellung auf vereinfachtem Betonsockel.
  • 1988/90 Nachguss der fehlenden Teile der Reiterfigur.

 

Reiterfigur: Friedrich Wilhelm III von Preußen auf einem Pferd sitzend

Höhe etwa 6,60 m mit Plinthe

Original:

  • Kopf des Reiters,
  • rechter Unterarm,
  • die Kruppe mit Schweif
  • die Schnauze des Pferdes
  • einige  kleinere Teile

 

 Sockel

  • 16 überlebensgroße Sockelstatuen in Hochrelief, die Eckfiguren vollplastisch, alle original erhalten, Höhe etwa 2.51-2,72 m, bezeichnet mit den Nachnamen der Dargestellten in Versalien unterhalb jeder Figur,
  • Am unteren Teil des Sockels 4 Flachreliefs mit 51 Figuren (3 Nachgüsse und eine rekonstruierte Tafel, Höhe etwa 94 cm, Gesamtlänge ca.15 m),

 

Figurenanordnung jeweils von links nach rechts:

Südseite:

Sockelstatuen:

  • Friedrich Wilhelm Graf Bülow von Dennewitz(Eckfigur),
  • Alexander von Humboldt,
  • Barthold Georg Niebuhr,
  • August Neidhardt von Gneisenau, Ernst Moritz Arndt,
  • Friedrich C. A. von Motz,
  • Gebhard Leberecht von Blücher (Eckfigur).

 

Sockelreliefs:

Drei Reliefplatten mit den Darstellungen der Persönlichkeiten aus

-Industrie:

  • Franz Haniel,
  • Friedrich Diergardt,
  • Johann Friedrich August Borsig,

 

-Dombau

  • Melchior und Sulpiz Boisserée,
  • Ferdinand Franz Wallraf,
  • Karl Friedrich Schinkel,
  • Ernst Friedrich Zwirner,
  • Johann Jakob von Wittgenstein,
  • Friedrich Wilhelm IV. von Preußen,
  • Ferdinand August Graf von Spiegel,
  • Josef Rolshausen,
  • Everhard von Groote,

 

-Handel

  • August Freiherr von der Heydt,
  • Ludolf Camphausen,
  • David Hansemann,
  • Mathias Stinnes,
  • Peter Heinrich Merkens; Nachguss, Original verschollen.

 

Ostseite:

Sockelstatuen:

  • Gebhard Leberecht von Blücher (Eckfigur),
  • Karl August Fürst von Hardenberg,
  • Johann David Ludwig Graf Yorck von Wartenburg (Eckfigur)

 

Sockelreliefs:

Widmungstafel gehalten von den Personifikationen von Justitia und Potentia mit der Inschrift: „DEM KOENIGE FRIEDRICH WILHELM III. DIE DANKBAREN RHEINLANDE 1865.“ Rekonstruktion nach historischem Foto

Nordseite:

Sockelstatuen:

  • Johann David Ludwig Graf Yorck von Wartenburg (Eckfigur),
  • Theodor von Schön,
  • Friedrich zu Solms-Laubach,
  • Gerhard Johann David von Scharnhorst, Peter Christian Beuth,
  • Wilhelm von Humboldt,
  • Friedrich Graf Kleist von Nollendorf (Eckfigur)


Sockelreliefs:

Drei Reliefplatten mit den Themen:

-Bildende Kunst

  • Christian Daniel Rauch,
  • Eduard Bendemann,
  • Gustav Hermann Blaeser,
  • Wilhelm von Schadow,
  • Carl Friedrich Lessing,
  • Wilhelm von Kaulbach,
  • Peter von Cornelius

 

-Wissenschaften

  • Friedrich Schleiermacher,
  • Philipp Joseph Rehfues,
  • Karl Freiherr vom Stein zum Altenstein,
  • Georg Wilhelm Friedrich Hegel,
  • Ferdinand Walter,
  • August Wilhelm von Schlegel,
  • Friedrich Carl von Savigny,
  • Friedrich Gottlieb Welcker,
  • Christian August Brandis,
  • Christoph Wilhelm Hufeland,

 

-Musik (Nachguss, Original verschollen)

  • Bernhard Klein,
  • Giacomo Meyerbeer,
  • Carl Maria von Weber,
  • Ludwig van Beethoven,
  • Felix Mendelssohn-Bartholdy,
  • Ferdinand Ries,
  • Carl Friedrich Zelter 

bezeichnet:

  • „A. Calandrelli erfunden und modelliert,
  • gegossen Lauchhammer“,

 

Westseite:

Sockelstatuen:

  • Friedrich Graf Kleist von Nollendorf (Eckfigur),
  • Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein,
  • Friedrich Willhelm Graf von Bülow (Eckfigur).

 

Sockelreliefs:

Thema der Tafel: Befreiungskriege  (Nachguss, Original verschollen)

  • Johann Gottlieb Fichte,
  • Friedrich Rückert,
  • Max von Schenkendorf,
  • Christian Gottfried Körner,
  • Adolf Freiherr von Lützow,
  • Karl-Theodor Körner,
  • Justus von Gruner

 

Nicht Bestandteil des Denkmals ist der Betonsockel

Das o. g. Objekt Heumarkt o. Nr. (Reiterdenkmal) erfüllt die Voraussetzungen des § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Es ist bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen. Seine Erhaltung (und Nutzung) ist aus künstlerischen, wissenschaftlichen und städtebaulichen Gründen im öffentlichen Interesse. Das ergibt sich aus Folgendem:

Das 1864 -1878 entstandene Denkmal wurde 1943 stark beschädigt und schließlich 1950 abgetragen. Ab 1959 Neuaufstellung der von ihrem Reliefgrund getrennten Figuren an verschiedenen Orten im Stadtgebiet, Einzelne Teile der Reiterfigur wurden 1973 eingeschmolzen. Von dem ursprünglich mit schwedischem Syenit verkleideten Sockel der Firma Kessel und Röhl in Berlin ist nichts mehr erhalten geblieben, Von dem umgebenden Bronzegitter nach Entwurf von Johann Heinrich Strack sind noch Teile vorhanden, aber noch nicht wieder verwendet worden.

Substanzverlust, Verlust der ursprünglichen Umgebung und die Bemühung um Teilrekonstruktion gehören zur Geschichte des Denkmals wie der Mehrzahl der Kölner Denkmäler. Die zeitweilige Zerstreuung der Fragmente auf das Kölner Stadtgebiet hat den Zeugniswert der Einzelteile nicht geschmälert. Sie ist vielmehr charakteristisch für die Geschichte des Monumentes wie für eine Vielzahl anderer plastischer Bildwerke und Reiterdenkmäler im öffentlichen Raum.

Das Denkmal für Friedrich Wilhelm III. von Preußen fand seine Aufstellung, wenig versetzt gegenüber dem ursprünglichen Ort auf dem Heumarkt, der als genügend groß galt und dessen architektonische Einfassung als hinreichend repräsentativ empfunden wurde. Da die Gestaltung, wie bei dieser Denkmalgattung üblich, keine Rücksicht auf die sie umgebende Architektur nahm, war ihr Aufstellungsort variabel und wurde noch während der Entwurfsphase diskutiert. Der Aufstellungsort berücksichtigt ursprünglich wie heute Blickachsen, die es über die Platzfläche hinaus stadtbildprägend in Erscheinung treten ließen und lassen.

Die Entstehungsgeschichte bezeugt die gesellschaftlichen Verhältnisse in Preußen, die Beziehungen zwischen den Rheinländern und der preußischen Regierung. Das teilweise ablesbare Schicksal des Monuments seit 1945 steht beispielhaft für das zunächst negative Verständnis von der mit Preußen verbundenen Geschichte und Kunst (Demontage und Teileinschmelzung).

Seit den 1980er Jahren belegt es eine zunehmend um Objektivität bemühte Auseinandersetzung mit der preußischen Vergangenheit und ihrer Hinterlassenschaft (Ausstellung der Fragmente, Teilrekonstruktion, Ergänzungen und provisorische Aufstellung auf einem Betonsockel). Die prominentesten preußischen Bildhauer ihrer Zeit schufen mit dem Denkmal das bedeutendste Kunstwerk der Berliner Bildhauerschule im Rheinland.

Aus den genannten Gründen ist das Denkmal für Friedrich Wilhelm III. von Preußen für die Geschichte der Kunst des 19. Jahrhunderts, die Geschichte der Kölner Bürger, ihres Selbstverständnisses und ihres Verhältnisses zum preußischen Staat sowie für das Erscheinungsbild der Stadt von höchster Bedeutung und deshalb zu erhalten.

Referenz: 4704


Das Denkmal hat die Nummer 60 und ist seit dem 1. Juli 1980 geschützt.

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