Wohn- und Geschäftshaus (nur Fassade Komödienstraße)

Tunisstr. 19, 50667 Köln - Altstadt-Nord weitere ...
Errichtet: um 1880


Eckhaus zur Tunisstr.

Architekt: August Lange (1834-1883)

  • fünf Geschosse
  • drittes Obergeschoss – das ehemalige Dachgeschoss- nach Kriegsbeschädigung als Vollgeschoss ausgebildet
  • viertes zurückgesetztes Obergeschoss beim Wiederaufbau neu hinzugefügt
  • neues Satteldach
  • fünf Achsen (von ursprünglich sieben Achsen)
  • Werksteinfassade
  • Stil: Neo Gotik (Erdgeschoss bis zweites Obergeschoss)

 

Fassade/Aufbau

  • Tordurchfahrt (heute geschlossen, Ladenlokal).
  • erstes und viertes Obergeschoss schmucklos verputzt
  • In der Mittelachse bis über die Dachtraufe hinausreichende erkerartige Wandvorlage mit Spitzbogen und Stufengiebel als Abschluss
  • Ziermaueranker sowie Säule mit Standfigur des hl. Albertus Magnus unter fialenartigem Baldachin
  • Im ersten Obergeschoss Balkon mit Maßwerkbrüstung
  • Nach Kriegsbeschädigung und Abtragung von zwei Achsen Richtung Osten um 1961 in den Jahren 1993/94 denkmalgerechte Restaurierung der Fassade mit Erneuerung des fehlenden Albertus-Kopfes.
  • damals die neuen Obergeschoss-Fassaden verputzt.

 

Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne des § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Die Kölner Altstadt wurde im Zweiten Weltkrieg zu nahezu 90 % zerstört. Dies gilt auch für die nähere und weitere Domumgebung, der dieses Objekt zuzurechnen ist. Mit seinen weiter westlich folgenden Nachbarhäusern gehört das o.g. Objekt zu den geringen Resten der ehemals geschlossen bebauten und von der Trankgasse bis zur Zeughausstraße reichenden Komödienstraße.

Das Gebäude wurde bereits vor dem Zweiten Weltkrieg verändert und nach der Kriegsbeschädigung um zwei Geschosse mit neuem Dach erhöht. Außerdem machte der Durchbruch der Nord-Süd-Fahrt (1962/63; hier: Tunisstraße) nach Abbruch von zwei östlichen Achsen der Originalfassade das zuvor in die Straßenzeile eingebundene Gebäude zu einem Eckhaus mit neuer Fassade zur Tunisstraße. Es gibt heute somit lediglich mit seiner zur Komödienstraße weisenden, denkmalgerecht restaurierten Werksteinfassade Aufschluss über sein ehemaliges, sich den herrschaftlichen Nachbarbauten anpassendes Erscheinungsbild.

Stilistisch gesehen ist die Fassade ein heute selten gewordenes Beispiel für die neugotische Profanbaukunst im Köln des 19. Jahrhunderts. Die Figur des hl. Albertus Magnus bezeugt den von den Bauherren gewollten inhaltlichen Bezug zu dessen Wirkungsstätte (dem ehemaligen Dominikanerkloster) sowie dessen Begräbnis- und Verehrungsort: Der romanischen Kirche St. Andreas.

Der Architekt August Lange (1834-1883) gehört zu den namhaften Baumeistern des Rheinlandes, welche im Kirchen- wie im Profanbau die neugotische Formensprache pflegten und kreativ weiter entwickelten. Diese war im Gefolge des Ausbaus des Kölner Domes ab 1842 für eine kurze Zeitspanne bei einer Reihe von Bauherren wie Architekten regelrecht in Mode gekommen. Als Folge der Entwicklungen und Brüche im Verlauf des 20. Jahrhunderts sind die einst zahlreichen Zeugnisse dieser für Köln und das Rheinland so wichtigen Architekturmode allerdings heute stark dezimiert. Das o.g. Objekt besitzt daher trotz der zahlreichen Veränderungen einen hohen, unverzichtbaren dokumentarischen Wert.

Referenz: 0127

Stand Anfang 2010: Das Gebäude ist heute verschwunden, nur die Fassade ist in ein fast dreimal so hohes Bürogebäude einbezogen worden.


Das Denkmal hat die Nummer 5803 und ist seit dem 4. Dezember 1990 geschützt.

Denkmal <Wohn- und Geschäftshaus (nur Fassade Komödienstraße)> bearbeiten
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