Villa

Goethestr. 66, 50968 Köln - Marienburg
Errichtet: 1924


 

Architekt: Theodor E. Merrill (1891-1978)

  • zwei Geschosse
  • sieben Achsen (Rückfront)
  • Backsteinfassade mit Werksteingliederungen (Sandstein)
  • Stil: amerikanisch beeinflusster Landhausstil

 

freistehender Bau mit Walmdach

Fassaden

Straßenfassade:

  • axialer Aufbau
  • halbrunder Treppenturm auf der Mittelachse
  • seitlicher Eingangsbereich

 

Rückfront: (Hauptansichtseite)

  • axialer Aufbau
  • sieben Fensterachsen
  • Mittelbetonung durch Balkone mit
  • schmiedeeisernem Geländer
  • Sandsteingliederung
  •  originale Sprossenfenster und Fenstertüren (ursprünglich mit Schlagläden)
  • Zwerchhaus
  • zwei Gauben
  • Terrasse

 

Die Villa Goethestr. 66 ist laut Grevens Adreßbuch 1924 für den Generaldirektor H. Gruenwald von dem bekannten Architekten Theodor Merrill errichtet worden. Der rechteckige, zweigeschossige Baukörper zeigt sowohl im Grundriß als auch in der Fassadengestaltung eine streng axiale Aufteilung. Die straßenseitige Backsteinfassade mit halbrundem Treppenturm auf der Mittelachse ist schlichter ausgebildet, da sich der repräsentativ gerahmte Hauseingang mit seitlichen Konsolen und Freitreppe in Werkstein seitlich befindet.

Die Hauptansichtseite der Villa ist zum Garten gewandt und übernimmt die symmetrische Aufteilung in einen Mittelbau und zwei gleiche Seitenflächen. Die Backsteinpilaster, die als vertikale Gliederungselemente dienen, sind nur noch an den Hausecken vorhanden. Besonders hervorgehoben wird die Mittelachse durch aufwendige Gestaltung mit Karniesbogen und Balkon mit dekorativem schmiedeeisernen Geländer und Pilaster in Werkstein.

Auch die weiteren sechs Fensterachsen nehmen den reizvollen Materialkontrast zwischen dem hellen Sandstein und dem Backsteinmauerwerk in der profilierten Rahmung mit Schlußstein wieder auf.

Die originalen Holzfenster mit regelmäßigem Sprossennetz sind erhalten, nur die Fensterläden im Erdgeschoß fehlen.

Beachtung verdient die große Terrasse, welche die ganze Breite der Gartenfront einnimmt und durch Fenstertüren mit sämtlichen Haupträumen des Erdgeschosses in Verbindung gebracht ist. Der gesamte Baukörper wird durch ein Walmdach mit mittigem, zweifenstrigem Zwerchhäuschen mit Dreiecksgiebel und weiteren Gauben zur Belichtung des ausgebauten Dachgeschosses überfangen.

 

Inneres

  • originaler Grundriß
  • originales Treppenhaus
  • Fußböden
  • Reste von Stuck und Vertäfelung
  • Zimmertüren
  • Gewände

 

Im Hausinneren ist die klare Grundrißeinteilung mit großer Eingangshalle, von der aus alle Räume zugänglich sind, erhalten. Das originale Treppenhaus, Fußboden, sowie Reste von Stuck und Vertäfelung zeugen ebenso wie die originalen Zimmertüren und Gewände von der Wohnkultur zur Erbauungszeit der Villa.

 

Bestandteil des Denkmals ist auch die Gartenanlage.

Der seitlicher Flügelbau ist nachträglich angestellt  und nicht Teil des Denkmals.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einer der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvororts im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist.

Das Haus Goethestr. 66 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist die Villa u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil sie in lebendigem Konstrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch die Vielzahl der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Die Villa Goethestr. 66 ist in ihrer repräsentativen Durchgestaltung und in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Der Kölner Architekt Theodor Merrill (1891 - 1978), der neben Paul Pott (1882-1966) der wichtigste Architekt Marienburgs ist, hat die aus Amerika entlehnte Landhausarchitektur mit traditionellen europäischen Stilmitteln verknüpft. Dies verleiht dem Bauwerk jenen "intim - aristokratischen" Ausdruck, der für das gehobene Bürgertum nach dem ersten Weltkrieg gewünscht war.

Hauptgestaltungsmerkmal bildet der Materialkontrast des flächigen Backsteinmauerwerks, einem traditionell niederheinischen Werkstoff mit den aufwendig gestalteten Werksteinelementen. Wie bei allen Landhausbauten Merrills ist der enge Zusammenhang des Bauwerks mit der gestalteten Landschaft erkennbar. Der Garten wird nicht dem Grundriß des Hauses hinzugefügt, sondern es wird von Merrill eine bewußte Einheit von Landschaft und Grundriß angestrebt.

Die Villa Goethestr. 66, die in vielen Veröffentlichungen der Zeit (Moderne Bauformen 1939; H. de Fries, Moderne Landhäuser, Deutsche Bauhütte 1927 u. a.) publiziert worden ist, ist als äußerst qualitätvolles und gut erhaltenes Schaffenswerk des Architekten Theodor Merrill und als Zeugnis der Architekturentwicklung der 20er Jahre, an deren weitergehender Erforschung ein großes wissenschaftliches Interesse besteht, unbedingt erhaltenswert.

Referenz: 4170


Das Denkmal hat die Nummer 4752 und ist seit dem 2. Dezember 1988 geschützt.

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