Geschäftshaus Schwerthof

Zeppelinstr. 2, 50667 Köln - Altstadt-Nord
Errichtet: 1921


Architekt: Jakob Koerfer (1875-1930)

  • vier Geschosse
  • vierzehn:fünf Achsen (fünf zum Neumarkt; vierzehn zur Zeppelinstraße)
  • Werksteinfassade (Wiederaufbau als Putzfassade)

 

Baukünstlerisch bedeutend ist der Schwerthof als Beispiel einer Bauweise, die den Grundsatz der reinen Zweckgestaltung in seltener Selbständigkeit zum Ausdruck bringt. Der auf rechteckigem Eckgrundstück mit der Schmalseite zum Neumarkt errichtete Gesamtbau ist charakterisiert durch die Wandflächen, unter Vorausstellung der Zweckbestimmung in Gestalt größtmöglicher Fensterflächen.

Dies ist erreicht, einmal durch die enge Unterteilung der Fenster, die rhythmisch und maßstabbildend die Fassaden gliedern, dann durch die glatte Behandlung der Tuffsteinverblendung und schließlich durch große Zurückhaltung in den gesimsartigen Bildungen. War für den ursprünglichen Entwurf von Jakob Koerfer und dem Aachener Professor Theodor Veil (1879-1965) das Architektursystem der Neumarktfronten mitbestimmend, unternahm Koerfer noch einige Veränderungen der ersten Konzeption, insbesondere der Schaufensterzone im Erdgeschoß. Hier wurden - anstelle von Spitzbögen - dem Stützenraster der Eisenbetonskelettkonstruktion entsprechend, rechteckige Fensteröffnungen vorgezogen, welche ohne Sprossenteilung bis zum Bürgersteig hinabreichen, um die ausgestellte Ware optimal zeigen zu können.

Der Baukörper wird von einem Walmdach abgeschlossen, das in der Traufzone in ganzer Länge zurückgenommen wurde, um im Dachbereich ein zusätzliches, vollwertiges Geschoß zu gewinnen. An den Außenachsen sind dreiteilig gekuppelte Fenster angeordnet, während die übrigen Achsen fünf-teilig gekuppelte Fenster aufnehmen. Die Sohlbänke und Stürze der Fenster treten als schmale profilierte Gesimse hervor und geben dem Bau eine horizontale Schichtung.

Zum dritten Obergeschoß gliedert ein durchlaufendes Sohlbankgesims die Fassade horizontal und mildert die Höhe der Geschosse. Das vierte Obergeschoß ist zurückgesetzt, so daß ein 50 cm breiter Umgang entsteht. Dies dient nochmals dazu, dem Bau die aufstrebende Wirkung zu nehmen. Die drei spitzen dreieckigen Giebel an der Fassade Zeppelinstraße enden mit der Firstlinie des Walmdaches, so daß das Dach einerseits in den gesamten Baukörper eingebunden wird, andererseits eine Gliederung der langen Walmdachfläche erreicht wird.

Trotz der Zerstörung der Giebelzonen im zweiten. Weltkrieg und der Instandsetzung in Putz statt Tuffstein veranschaulichen die Fassaden als konstruktive Teile des Hauskerns "Proportion, Geschoßgliederung und Höhe" des Gebäudes.

Das Innere des Hauses, ursprünglich von Koerfer in edlen Materialien ausgeführt, ist nach dem Krieg weitgehend erneuert worden. Lediglich ein seitlicher Treppenaufgang mit Terrazzotreppe und schmiedeeisernem Stabgeländer mit Holzhandlauf sowie je eine Flügeltür mit Rundbogen und Radialsprossen in den drei Obergeschossen sind erhalten. Zwei blaue Wandplastiken (Schwertträger) in Bronze, die ursprünglich den Eingang Zeppelinstraße markierten, sind heute im breit angelegten Foyer untergebracht.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Ortsgeschichtlich bedeutend ist das Büro- und Geschäftshaus, da es die wirtschaftliche Ausdehnung Kölns nach dem ersten Weltkrieg dokumentiert. In der Amtszeit des Stadtbeigeordneten Carl Rehorst (1907 - 1919) erfolgte die Neugestaltung und der Ausbau des Straßennetzes für die Altstadt. 1910 gründete er zur Verkehrsentlastung der Hohe Straße die Zeppelinstraße, die über die Richmodstr. bogenförmig den Neumarkt und die Breite Str. verband. Der Bau dieses Straßenzuges machte umfangreiche Abbrucharbeiten notwendig, so z. B. eine Kaserne und schließlich auch das angrenzende Offizierskasino (1913 niedergelegt), an dessen Stelle o. g. Geschäftshaus als Abschluß der bereits mit Waren-, Kauf- und Geschäftshäusern bebauten Zeppelinstraße errichtet werden sollte.

Durch Ausbruch des ersten Weltkrieges konnte der Plan für den Bau des Schwerthofes erst 1921 realisiert werden, so daß das 2000 qm große Baugelände vorerst unbebaut blieb. Der sogenannte Schwerthof ist zeitlich der erste Bau der Büro- und Geschäftshausbauten des Architekten Jakob Koerfer (1875-1930) (s. a. Indusriehof und Hansahochhaus), der nach dem ersten Weltkrieg in künstlerisch hochwertiger Form durchgeführt werden konnte, und zwar dadurch, daß der Bauherr zugleich schaffender und leitender Architekt war. Der Name "Schwerthof" ergab sich, weil im 16. Jahrhundert an dieser Stelle ein ebenso benanntes Gebäude stand, welches als Rüstkammer für Adlige diente.

Städtebaulich stellt das Gebäude einen eigenen gestalterischen Komplex dar, der als markante Ecklösung Neumarkt/Zeppelinstraße in Verbindung mit den wenigen erhaltenen oder teils wiederaufgebauten Denkmälern (s. Neumarkt 15 - 19, 8 - 10, 32 - 34 und Zeppelinstr. 5 - 7, 4 - 6, 9) des im zweiten Weltkrieg fast gänzlich zerstörten Platzes einen Hinweis auf seinen ehemaligen Charakter gibt.

Referenz: 9574


Das Denkmal hat die Nummer 4661 und ist seit dem 27. Juni 1988 geschützt.

Denkmal <Geschäftshaus Schwerthof> bearbeiten
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