Verwaltungsgebäude Kreishaus (nur Fassade)

St.-Apern-Str. 19-23, 50667 Köln - Altstadt-Nord
Errichtet: 1907 - 1909


Architekt:  Carl Moritz (1863-1944)

  • vier Geschosse
  • sieben Fensterachsen
  • Werksteinfassade

 

Baukünstlerisch bezeugt die waagerecht stark betonte rhythmische Fassade  den stilistischen Übergang von der in unmittelbarer Umgebung noch überwiegend historisierenden Bautradition zur Moderne. Der massive Erdgeschoßbereich, der jetzt mit Ladenfenstern belegt ist, trägt zarte eingeschnittene Quaderunterteilungen der drei Hauptgeschosse. Dem stark vorkragenden Doppelgesims folgen die rhythmischen Wölbungen der drei Erkervorsprünge und verleihen der ganzen Schauseite einen dominierenden expressiven Ausdruck.

Die Punktlisenen, die immer zwei Geschosse zusammenfassen, versuchen den senkrechten Ausgleich und die Ausbalancierung der betonten Horizontalität zu erreichen. Diesem Zweck dient auch die Fensterunterteilung in kleinen Sprossenrhythmen, die die sonst komplizierte Fassadengliederung vereinfacht und zusammenbindet.

Die schwere Werksteinrahmung der sieben kleinen Fenster des Attikageschosses verdoppelt den Schwerkraftakzent der Sockelzone. Die starren geometrischen Schlußrahmungen des obersten Stockwerks erzeugen dabei einen interessanten Kontrasteffekt zu der unruhigen Dynamik der zwei Hauptgeschosse.

Die Portalzone mit der Aufschrift "Kreishaus-Cöln-Land" und dem Stadtwappen ist mit barockisierenden Figurengruppen von Allegorien der Industrie und des Landbaus geschmückt. Die hohen mehrteiligen Eingangstüren übernehmen den Grundrhythmus der kleinen Sprossenteilung, der den optischen Hauptakzent der ganzen Fassade bildet.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Ortsgeschichtlich zeigt die St.-Apern-Straße mit einem leichten Bogen noch heute den ursprünglichen Verlauf der römischen Westmauer an. Die Straße liegt im Bereich des römischen Stadtgrabens, dessen morastiger Pfuhl sich als Schweinetrift besonders geeignet haben mag.

Der Name "St. Apernstraisse" ist schon von 1368 überliefert und bezieht sich auf den merowingischen Bischof St. Aper (aper = Eter) von Toul aus der Zeit von 500 - 507.

Ein Kölner Zisterzienserinnenkonvent, das in der Nordwestecke der Römerstadt nahe dem Klarenkloster seine Unterkunft hatte und dort auch ein Pilgerhospiz betrieb, wählte sich den Bischof Aper zum Patron. Bei Mercator hieß die Straße "Hinter St. Claren", in der Franzosenzeit "Rue St. Apre". Ähnlich wie die ganze Kölner Altstadt war auch die Straße St. Apern und die ganze, seit dem Mittelalter dicht bewohnte Umgebung stark zerstört. Ihr heutiges Aussehen und ihre Funktion ist gegeben durch mehrere repräsentative Verwaltungs-, Geschäfts- und Wohnhäuser.

Städtebaulich erhöht sich der einmalige Wert des historisierenden Bauwerks besonders durch die Zerstörungen und unvorsichtigen Sanierungen aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg. Der wirkungsvollen Fassade entsprechen zur Zeit nur noch wenige erhaltene Bauten aus derselben Epoche. (So z. B. die gegenüberliegende Werksteinfassade des vom Architekten Peter Gaertner (1863-1932) im Jahre 1910 gestalteten Haus Nr. 20, resp. die alten spätklassizistischen Bauten der Hausnummern 2 und 4 am Anfang der Straße).

Referenz: 8338


Das Denkmal hat die Nummer 4645 und ist seit dem 14. Juni 1988 geschützt.

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