Verwaltungsgebäude

Gereonstr. 18-32, 50670 Köln - Altstadt-Nord

Das Mehrzweckhaus wurde 1909 - 1910 gebaut. Baukünstlerisch bewahrt das lange, in 13 Fensterachsen horizontal angelegte Gebäude die ursprünglichen Proportionen, Baugliederung und Verzierung aus der Zeit der Stadterweiterung um die Jahrhundertwende. Von dem neoklassizistischen Bau, dessen architektonische Sinngebung in dem monumentalen rhythmischen Zusammenspiel und Gliederung von alten (z. B. die drei riesigen Dreieckgiebel der Dachzone als der waagerechte Akzent) und neuen, durch die expressionistische Moderne beeinflußte Bauelementen lag, sind nur die unteren drei Geschosse erhalten geblieben. Die Zusammenfassung einzelner Stockwerke durch die monumentalen Kompositpilaster mit flacher Beschmückung, sowie die an den zwei Einfahrtstoren der Seitenrisalite noch bewahrten geometrischen Einschnitte, die segmentartigen Bogenwölbungen der Ladenfenster im Erdgeschoß und die konsequent durchgezogene Sprossenteilung der Fenster in den oberen Geschossen lassen die ehemalige neuartige Harmonie und Ausgewogenheit der anspruchsvollen Komposition noch nachvollziehen. Die langen, durch alle Achsen sich durchziehenden Schmiedeeisengitter am 3. Obergeschoß als visueller Blickfang und Mittelpunkt der Fassade sind bei der Aufstockung durch zwei zusätzliche Geschosse in den 50er Jahren verloren gegangen. Die Erneuerung der Trachitgesimse und der Trachitverkleidung der obersten Geschosse, die Wiederherstellung der Brüstungsfelder am Rundbogen im Erdgeschoß, die Dreierteilung der Erkerfenster und schließlich das Anbringen von alten Relief-Wappenschildern, von denen eines zur Zeit noch im Vestibül untergebracht ist und andere Baumaßnahmen knüpfen an den ursprünglichen Zustand an und versuchen die Erinnerung an die alte Bauweise zu bewahren. Das monumentale Treppenhaus mit Marmorstiegen und Eisengeländer und andere gestalterische Details im Hausinnern sind interessant auch im Hinblick auf die gut ausgeführte Handwerksarbeit der 50er Jahre.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Ortsgeschichtlich ist das o. g. Bauobjekt wichtig, weil es die letzten Spuren der ursprünglichen Siedlung einer der ältesten und prachtvollsten Straßen Kölns noch teilweise bewahrt. Die mit ihrer ungewöhnlichen Breite schon im Mittelalter glänzende Wegführung war eine besonders vornehme Straße, an der repräsentative Palais' standen. An der Gereonstr. 12 z. B., im 13. und 14. Jahrhundert Sitz einer Brauerei, errichtete der Bürgermeister Johann Balthasar von Mülheim 1758 seinen feudalen Wohnsitz, der 1824 zusammen mit dem acht Morgen großen Garten erzbischöflicher Palast wurde. Einige Schritte weiter, an der Gereonstr. 30, befand sich der 1636 von General Jan von Werth erworbene Familiensitz, in dem auch Kaiser Napoleon bei seinem Köln-Aufenthalt logierte. In der Übersetzung in die französische Sprache erhielt die Gereonstraße 1813 den Namen der französischen Kaiserin und war so als "Rue Marie Louise" bekannt. Im Zweiten Weltkrieg wurden die alten Bauten an der Straße fast vollständig zerstört.

Städtebaulich erhöht sich der denkmalpflegerische Wert des o. g. Gebäudes durch die in der ganzen Gegend gemachten Umbauten nach dem 2. Weltkrieg. Das "Gereonshaus" bewahrt das nur noch vereinzelt vorhandene Erscheinungsbild und die urbanistische Intention einer der wichtigsten Straßenanlagen Kölns.

Referenz: 3957


Das Denkmal hat die Nummer 4642 und ist seit dem 14. Juni 1988 geschützt.

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