Verwaltungs- und Geschäftshaus

Hansaring 97, 50670 Köln - Neustadt-Nord
Errichtet: 1925/25


Eckbau zur Ritterstr.

Architekt : Jakob Koerfer (1875-1930) auch Bauherr

  • Turmbau
  • fünfzehn Geschosse, plus zwei plus ein zurückspringendes Staffelgeschoss
  • drei Achsen auf jeder Seite
  • fünf Geschosse, plus ein plus ein zurückspringendes Staffelgeschoss
  • acht Achsen zum Hansaring, sechs Achsen zur Ritterstr.
  • Stahlskelettbau mit Backsteinfassaden
  • Stil: sog. Backsteinexpressionismus, Bauhaus


Fassade/Aufbau

Baukünstlerisch war die Leistung des Architekten und Bauherren Jakob Koerfer (1875 - 1930) einmalig, weil er die von Chicago und New York kommenden Erfahrungen kreativ in die alte Stadtlandschaft Kölns umsetzen konnte.

Der 65 m hohe Turmbau mit Seitengebäuden wählt den Mittelweg zwischen der am Ort üblichen historisierenden Tradition und den radikalen Forderungen, die an die Ästhetik der reinen Zweckgestaltung M. van der Rohe und die Pragmatiker vom Bauhaus besonders an Bürobauten stellten.

Die Andeutungen der rheinischen Backsteinarchitektur und der verschiedensten Traditionsbindungen sind nicht nur durch die Bekleidung der äußeren Schauseite gegeben. Die Verschiebung der Mittelachse nach Norden und die treppenartige Abstufung der Höhe reiht die asymmetrischen Rautengestalten organisch in die parallel laufenden Geschäfts- und Wohnachsen der Maybachstr., des Hansaringes bzw. der Ritterstr. ein.

Das regelmäßige Relief der Fenster als visueller Anhaltspunkt der langen und hohen Flächen ist nur angedeutet, wobei der Rhythmus der stählernen Furchen der Gleisstränge durch die spitzbogigen Fenster der Attikageschosse und andere historisierende Bauzitate abgefangen bzw. ausgeglichen wird. Die individuell gestalteten Details (so z. B. die bildhauerischen Einlagen an der Achse der Hansaringfassade, zur Ritterstraße usw.) lassen vollständig vergessen, das hier knapp 4000 qm bebaut sind. Das Eisenbetongerüst der Konstruktion wird zu allen Seiten umspannt durch die Verblendung aus blauroten Klinkern .

Vorgezogene Ecken an den Hauptbaukörpern unterstreichen die Scharfkantigkeit der Umrisse; kein Gesims unterbricht das flächig ausprägende monumentale Wandgerüst. Nach der Rückseite zu legt sich der Unterbau in abgetreppter Masse vor den Turm. Der zehn m hohe langgestreckte Saalbau zur Maybachstraße, der als Kinotheater diente, war im 2. Weltkrieg zerstört, die jetzigen Garagenbauten sind kein vollwertiger Ersatz für die ursprüngliche reiche kompositionelle Gestaltungsweise der Rückfassade.

Inneres

Die innere Ausstattung entspricht durchweg dem Geiste sachlicher Einfachheit des Äußeren und sucht ihre Wirkung hauptsächlich in der Auswertung des Materials und der funktionellen Dispositionen zu erzielen. Der Paternoster mit 26 Holzkabinen und andere Einrichtungen sowie die kurze Arbeitszeit des ganzen Bauunternehmens (der Rohbau war am 24. Oktober 1924 in 135 Arbeitstagen - trotz einiger Streikwochen - beeindet) waren in seiner Zeit in dem Buch der Weltrekorde aufgezählt. Die Umbauten nach 1945 respektierten im Wesentlichen den Erstbebauungszustand.

 

Ortsgeschichtlich ist das o. g. Objekt Zeugnis der ersten Versuche, die Architektur der amerikanischen Moderne in Europa und Deutschland umzusetzen und neue Sicht-, Funktions- und Ausdrucksbezüge der Großstadt herzustellen. Die ursprünglich einheitlich aufgefaßte "Ringstraße", der sechs Kilometer lange Prachtboulevard von seinen Planern, dem Aachener Professor Karl Henrici  und dem Kölner Stadtbaumeister Hermann Josef Stübben (1845-1936) als eine "Kette festlicher Räume" in zehn Abschnitten von unterschiedlicher Breite und Gestaltung angelegt, war schon im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts im Grunde fertig.

Die urbanistischen Vorstellungen der Avantgarde, die nach 1919 von Berlin, Frankfurt und Weimar auch nach Köln strömten, brachten neue Anregungen auch in Bezug auf die Stadtgestaltung und die Pintierung des umliegenden urbanistischen Vorfeldes. Die Idee, dem Dom und den Kirchenbauten eine neue visuelle Dominante gegenüberzustellen und neue Blickpunkte für die Nordstadt und unteren Ringe zu schaffen, nahm zu Beginn der 20er Jahre feste Gestalt an. Der plötzliche nach dem Ersten Weltkrieg akute Bedarf an mehrfunktionellen Büroräumlichkeiten für die Kölner City war dabei bei den letzten Entscheidungen für den Bau des ersten Hochhauses in Deutschland (und des höchsten Bürogebäudes Europas) maßgebend.

Städtebaulich schritt der Bau neue Wege ein. Im ersten Plan ging es darum, deutliche Sichtschleusen und kompositionelle Akzente für die unmittelbare Umgebung der Ringstraßenführung und der Neustadt zu setzen. Der neue Maßstab, den Architekt Koerfer Anfang der 20er Jahre setzte, hat sich besonders bei der Umstrukturierung der Stadt nach 1945 als voll zukunftsweisend bestätigt.

Interessant ist, daß auch die Zeitkritik in Fachzeitschriften schon 1926 überwiegend einen "angenehmen Gegensatz" und "Ergänzung zu den sakralen Bauten und Türmen Kölns" konstatierte. Das "Hansa-Hochhaus", wie sich die Benennung des Werks von Jakob Koerfer (1875-1930) im Sprachgebrauch der Kölner eingependelt hat, prägt seit mehr als 60 (2010: 85) Jahren das Erscheinungsbild der Kölner Moderne und besonders der nördlichen Neustadt.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen.

Referenz: 4444


Das Denkmal hat die Nummer 4631 und ist seit dem 3. Juni 1988 geschützt.

Denkmal <Verwaltungs- und Geschäftshaus> bearbeiten
Zum Denkmalkatalog Kommentar zum Denkmal abgeben