Wohnhaus und Fabrikhalle

Merowingerstr. 5-7, 50677 Köln - Neustadt-Süd
Errichtet: Ende 19. Jhdt.; Fassadenvereinfachung 30er Jahre


 

  • fünf Geschosse, Giebelgeschoss, hofwärtige Seitenhäuser und Fabrikationshalle
  • sechs Achsen
  • Putzfassade (in den 30er Jahren vereinfacht)

 

Fassaden

Das Gebäude mit zwei an den Außenseiten liegenden Eingängen zu den Wohngeschossen weist ein Ladengeschäft, eine Durchfahrt zum Hof und eine kleine einräumige Verkaufsstelle auf. Darüber befindet sich zwischen den beiden Treppenaufgängen der Eingangsflure ein mit rundbogigen Fensteröffnungen versehenes Geschoß. Die beiden Flure sind in dieser Höhe über zwei kleinere, fast ellipitische Fenster belichtet. Die zwei folgenden Obergeschosse werden durch den Mittelerker gegliedert, der zugleich für das oberste Geschoß einen Balkon bildet. Das stark hervortretende Traufgesims endet seitlich des Zwerchgiebels auf Konsolen.

Rückseite

Auf der Gebäuderückseite sind zwei Flügelanbauten an den Parzellengrenzen zur Nachbarbebauung hin errichtet, die zusammen mit einer eingeschossigen Fabrikhalle einen Hof umschließen. Die ursprünglich wohl zweigeschossige Halle mit einem weit aus dem Boden herausragenden Kellergeschoß ist, wie auch der gesamte rückwärtige Bereich des Hauptgebäudes, in backsteinsichtigem Mauerwerk ausgeführt. Die Rückseite des Vorderhauses, die Flügelanbauten und die Halle sind durch eine rote Bänderung der sorgfältig verfugten Backsteinflächen gegliedert. Die Fassade der Halle zeigt außerdem eine zarte horizontale Betonung durch ein über die Wandöffnungen gezogenes Profil.

Das Innere dieses Bauteils, dessen Fenster noch in ursprünglicher Teilung erhalten sind, weist eine Kappendecke mit groß dimensioniertem Unterzug auf. Der Gebäudekomplex ist in die Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts zu datieren, wobei die Straßenfassade vermutlich in den 1930er Jahren die jetzt bestehende purifizierte Fassung erhalten hat. Dabei bekam auch der linke repräsentative Eingangsflur (u. a. Zugang zur Unternehmerwohnung) seine heutige Ausstattung mit grün glasierten und ornamental wie figürlich verzierten Fliesen. Die übrige Gestaltung des Innenbaus entspricht dagegen noch durchgängig dem ursprünglichen Bestand des späten 19. Jahrhunderts.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Das Objekt ist im Zusammenhang mit der Anlage der Neustadt durch Hermann Josef Stübben (1845-1936), der größten Stadterweiterung des 19. Jahrhunderts in Deutschland, zu bewerten, 1884/85 wurde die Anlage der Merowinger Straße planerisch festgesetzt und in den Jahren nach 1890 bebaut. Der Chlodwigplatz, der ursprünglich als baumumstandener Platz mit einer Gartenanlage in der Mitte gestaltet war, ist zwar seit 1927 durch die Verkehrsführung in seinem Erscheinungsbild beeinträchtigt, stellt aber weiterhin einen wichtigen städtebaulichen Bezugspunkt für den strahlenförmig geführten Verlauf der Bonner Str. und der Merowinger Straße dar. Das Gebäude Merowinger Str. 5 - 7 liegt im stadtbildlichen Umfeld dieser Platzanlage und ist somit Bestandteil der bereichsprägenden Bebauung.

Ein besonderes Merkmal des Objektes ist das hier ablesbare und z. T. noch bestehende Zusammengehen verschiedener Funktionen. Auf der wirtschaftlichen Basis eines Gewerbebetriebes (ehemals Teppichherstellung) sind die Funktionsbereiche Fabrikation, Verkauf, Wohnung des Unternehmers, Mietwohnungen in einem engen baulichen Zusammenhang miteinander verbunden. Interessant ist die noch heute vorhandene Verbindung von den Verkaufsräumen zur Fabrikantenwohnung, die im übrigen mit ihren 250 qm Wohnfläche ein eindrucksvolles Zeugnis ablegt von den Nutz- und Repräsentationsansprüchen des Unternehmers. Die Einheit der Lebensbereiche Arbeiten und Wohnen, die bis ins 20. Jahrhundert typisch war und erst im Zuge der Funktionsentflechtung und Strukturveränderung der Städte zumindest partiell aufgehoben wurde, ist hier als anschauliches Dokument traditioneller Lebensorm erhalten.

Dieser Aspekt ist entscheidend für die Bewertung des Objektes als Baudenkmal. Über seinen Zeugniswert für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse hinaus ergibt sich im Hinblick auf die hier gezeigte sozialgeschichtliche Komponente für das Gebäude in der Merowinger Straße auch eine Bedeutung für die Geschichte des Menschen. Daraus ist abzuleiten, daß für die Erhaltung und Nutzung des Gebäudes wissenschaftliche, insbesondere architekturgeschichtliche und städtebauliche Gründe vorliegen.

Referenz: 6382


Das Denkmal hat die Nummer 4607 und ist seit dem 18. Mai 1988 geschützt.

Denkmal <Wohnhaus und Fabrikhalle> bearbeiten
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Ulrich Hermanns  sagt: "Merowinger Straße"

Alle Bilder aus dem Bestand des Stadtkonservators, das sind die mit dem Landeswappen NRW, können nicht von Bilderbuch Köln vermarktet werden. Das heißt, wenn Sie einen Abzug eines solchen Bildes haben wollen, müssen Sie sich mit dem Amt des Stadtkonservators in Verbindung setzen. Sollte von da eine Zustimmung erfolgen, kann Bilderbuch Köln einen Ausdruck entsprechend den Preislisten fertigen.

Geschrieben: vor 9 Monaten


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Anonym  sagt: "Brigittes Büdchen"

Ich weiß gerade garnicht ob ich hier richtig bin. Für die Umgestaltung eines Büdchens in der Merowinger Straße sind wir auf der Suche nach 3-4 alten Bildern die wir nutzen dürfen. Brigittes Büdchen ist von einer 83jährigen geführt und die Nachbarschaft hilft bei der Renovierung und es dabei schön zu machen. Vielleicht hätten wir ja das Glück ein paar Bilder aus der Merowinger Straße aufhängen zu dürfen. Liebe Grüße Daniel Rabe

Geschrieben: vor 9 Monaten