Wege- und Prozessionskapelle St. Agatha

Merkenicher Str., 50735 Köln - Niehl weitere ...

errichtet  1701 (inschriftliche Datierung)

1936/37 Abbruch und neu errichtet am heutigen Standort

  • schlichter kleiner Ziegelbau von annähernd quadratischem Grundriß
  • abgewalmte, nach vorn vorkragende, geschweifte Dachhaube
  • schmiedeeisernes Kreuz als Bekrönung
  • Frontseite mittige Tür mit zwei flankierenden Fenstern.
  • Mauerwerk ( vielfach überstrichen)  Feldbrandziegeln mit zwischengesetzten unbehauenen Blöcken;
  • in die rechte Seitenmauer (außen) bündig eingelassen ein ca. 50 cm hohes Kreuz.
  • vorderer Überhang der verschieferten Dachhaube mit Bretterunterschalung und Werksteinkonsolen
  • Türsturz aus Werkstein
  • dto. Laibungen und Sohlbänke von Tür bzw. Fenstern.
  • aufgedoppelte Brettertür mit strahlenförmiger Unterteilung im oberen Viertel ("Sonnentür");
  • schmiedeeiserne Fenstervergitterung in Durchsteckarbeit.

 

Über der Tür ein in das Mauerwerk eingelassener Stein mit Inschrift, deren Wortlaut, heute durch Überstreichungen, wohl auch Abwitterungen nicht mehr ohne weiteres lesbar, folgendermaßen sicher überliefert ist: DISSE CAPELL HATT / ZU EHREN H. J. UND M. AGATHAE / LASSE BAWEN DER WOLLEHR / WÜRDIGE H. PETRUS WEILER / PASTOR ZU NEELL / H. AGATHA BITT FÜR UNS / A O 1701.

(Diese Kapelle hat zu Ehren der Heiligen Jungfrau und Mutter Agathe lasse[n] bauen der wohlehrwürdige Herr Petrus Weiler Pastor zu Niehl. Heilige Agatha bitte für uns. Anno Domini 1701)

  • drei Werksteinstufen zum hochgelegenen Innenraum mit Rabitzgewölbe (verputzt und geweißt);
  • an der Rückwand über die ganze Raumbreite gemauerte Altarbank;
  • Altaraufbau mit dreiteiligem geschnitztem Drehtabernakel (frühes 18. Jahrhundert)
  • darin neues Kreuzifix
  • neue Figur der hl. Agatha.

 

Die o. g. Kapelle ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen wie für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische und wissenschaftliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Die mittelalterliche Niehler Pfarrkirche (Alt) S. Katharina wurde an der Westseite der ältesten Straße des heutigen Kölner Nordens errichtet, Nachfolgerin der rheinnahen, von Basel bis Nijmwegen führenden Heerstraße der Römer (heute in diesem Abschnitt: Sebastianstraße). Ebenso an der Westseite dieser Straße, und zwar an der Einmündung eines im Laufe des 19. Jahrhunderts zur "Feldgärtenstraße" erweiterten alten Weges, ließ Pfarrer Weiler 1701 die der hl. Agatha geweihte Wege- und Prozessionskapelle erbauen.

Die Kreuzung Sebastianstraße/Feldgärtenstraße war jahrhundertelang diejenige Stelle, an der die aus Mauenheim/Nippes über den Niehler Kirchweg die Sebastianstraße erreichenden Kirchgänger mit denen zusammentrafen, die von Riehl, dem anderen entfernt von der Pfarrkirche liegenden Ort des Niehler Sprengels, über den "Mauspfad" (heute Amsterdamer Straße) auf die Sebastianstraße stießen.

Im Zuge der Entwicklung moderner Verkehrs- und Straßenverhältnisse geriet die altehrwürdige Kapelle mitten in die Fahrbahn der Feldgärtenstraße und wurde so zu einem gravierenden Verkehrshindernis. Verhandlungen zwischen der Stadt Köln und der Pfarrgemeinde Niehl, bereits 1913 begonnen und zunächst ergebnislos verlaufen, führten schließlich in einem neuen Anlauf seit 1935 zu folgendem Resultat: Bei Grundstückstausch zwischen Stadt und Pfarrgemeinde wurde die Kapelle 1936 abgebrochen und und 1936/37 am heutigen Standort in der gleichen Form und weitgehend unter Verwendung der originalen Materialien wieder aufgebaut; vollständig neu errichtet wurde nur das Dach.

Der Verlust des für eine Wegekapelle wesentlichen ursprünglichen Standortes wie auch die Tatsache, daß es sich bei dem heute existierenden Bauwerk im Grunde um eine Kopie handelt, mindern dessen Denkmalwert; gleichwohl bleibt die an einer Kreuzung alter Dorfwege nahe der mittelalterlichen Pfarrkirche wiedererrichtete Kapelle ein unverzichtbares Zeugnis der Orts- und Pfarrgeschichte.

Referenz: 6351


Das Denkmal hat die Nummer 442 und ist seit dem 1. Juli 1980 geschützt.

Denkmal <Wege- und Prozessionskapelle St. Agatha> bearbeiten
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