Verwaltungsgebäude

Kennedy-Ufer 2, 50679 Köln - Deutz

Landeshaus LVR

Fassaden, Außenaufbau

Das Landeshaus ist in Skelettbauweise mit vorgehängter Fassade auf querrechteckigem Grundriß in vier Trakten um einen offenen Innenhof herum errichtet, wobei Nord- und Südtrakt eine größere Tiefe aufweisen als die längeren Ost- und Westseiten. Das Stützensystem des Stahlbetonskeletts im Raster von 7 x 7 m bildet einen Umgang um das Gebäude herum und erlaubt auf den Längsseiten den freien Durchblick auf den Innenhof, da das Erdgeschoß im West- und Osttrakt offen ist, während im Norden die Eingangshalle und im Süden die Sitzungssäle untergebracht sind. Die Nord- und Südfront sind dabei jeweils um ein halbes Achsmaß zurückgesetzt, an der West- und Ostseite nimmt der Umgang die ganze Tiefe des Rasters ein.

Über dem so aufgestelzten Erdgeschoß befinden sich vier Bürogeschosse, die über vier Treppenanlagen in den Gebäudeecken erschlossen werden. Die mit dunkelgrauem Marmor verkleideten Betonwände dieser Erschließungskerne bilden die notwendige Versteifung des Skeletts zur Ableitung der Windkräfte.

Ein Flachdach mit einer nach innen geführten Entwässerung schließt den Baukörper ab. Die Aufzugschächte und Treppenhäuser treten hier als leichte Aufhöhungen in Erscheinung.

Die Gliederung des Gebäudekörpers erfolgt in vertikaler Richtung durch graue Aluminiumprofile in Doppel-T-Form, die die Fensterachsen einfassen. Die Stahlbetonstützen sind im Erdgeschoß und an den Ecken mit flachen Aluminiumprofilen in der Art einer Kannelierung ummantelt. Der Stützenkern bleibt am Fuß sichtbar, ist allerdings später mit einer Blechabdeckung verkleidet worden. In den Außenecken des Baukörpers, wo die Stützen in ihrer gesamten Länge zu sehen ist, bildet die Ummantelung einen Übergang zu den vorgehängten Fassadenelementen.

Die Aluminiumprofile ergeben im waagerechten Schnitt eine die Schmalseiten der Vorhangkonstruktion einbeziehende, einfache Stufung, die die Konstruktion ablesbar läßt, sie gleichzeitig jedoch vor Witterungseinflüssen schützt und einen optischen Bruch vermeidet.

Die einflügeligen, oben angeschlagenen Ausstellfenster schließen bündig mit den Brüstungsfeldern aus dunkelblauem Opakglas ab. Alle Fenster - ausgenommen die der Nordseite - haben einen nachträglich außen angebrachten Sonnenschutz hinter einer hellen Verkleidung aus Aluminium. Ursprünglich waren hier nur die innen montierten Sonnenschutzlamellen vorgesehen, die jedoch nicht ausreichten.

Der Aufriß des Außenbaus ist charakterisiert durch die horizontale Schichtung von in der Verkleidung abgebildeten Geschoßdecken, den Brüstungsfeldern und Glasflächen; er wird vertikal von den vorstehenden Aluminiumprofilen in zarter, angedeuteter Plastizität rhythmisiert. Dieser Fassadenaufriß geht allerdings auf den Innenhofseiten nicht auf: hier sind die für eine Fensterachse zu schmalen Innenecken mit grauem Aluminium verkleidet.

Inneres

Der Betrachter betritt das Gebäude von der Nordseite her. Zu beiden Seiten des voll verglasten Eingangs befinden sich die Pförtnerloge und einige Büroräume hinter dunkel gefärbter Verglasung. Man durchquert den Eingangsflur und gelangt durch eine weitere Glastür in die eingeschossige Halle, die sich über die ganze Breite des Erdgeschosses erstreckt. Sie ist nach Süden mit einer, in ihrer Gliederung mit dem Stützensystem korrespondierenden Verglasung aus großflächige, querformatigen Scheiben geschlossen.

Der Bodenbelag aus weißem Marmor ist über die Grundfläche der Halle hinaus bis an die Außenkante des um den Innenhof laufenden Umganges geführt und bildet im Verein mit der durchgehenden Verglasung eine optische Durchdringung von Innen- und Außenraum.

Die acht in der Halle sichtbaren Stützen, die ebenfalls mit den beschriebenen Aluminium-profilen verkleidet sind, geben dem Raum eine dreischiffige Struktur in Ost-Westrichtung, wobei die Mitte in vollem Ausmaß des Rasters als Verweilzone mit Sitzgruppen konzipiert ist.

Die seitlichen Flächen im halben Achsmaß stellen die Verbindung zu den beiden Treppenanlagen und den Aufzügen in den Erschließungskernen dar. Die mittlere Zone des Raumes wird durch freistehende Wände seitlich begrenzt. Sie verdecken die eleganten doppelläufigen Treppen, die unabhängig von den Geschoßdecken mit Edelstahlstäben an den Unterzügen des Flachdaches aufgehängt sind. Anstelle der jetzt vorhandenen Glaswangen waren ursprünglich zwei Stahlbänder gespannt. Gegenüber dem Treppenansatz sind an der Nordseite die Aufzüge installiert.

Die geputzte und weiß gestrichene Decke der Halle ist von einer Stahlbeton-Rippendecke abgehängt, an ihr sind extrem flache, quadratische Beleuchtungskörper aus opakweißem Glas in regelmäßiger Anordnung angebracht.

Der Nordtrakt ist als einziger Bauteil des Landeshauses mit einer druckfesten Wanne aus Stahlbeton unterkellert. Hier befinden sich technische Einrichtungen wie Heizungsanlage und Trafostation. Entsprechend der Anordnung im Nordtrakt sind die Treppenhäuser und Aufzugschächte des Südtraktes angelegt. Dieser Gebäudeteil wird seitlich durch doppelflügelige Glastüren in der Außenwand zwischen Treppenanlagen und Aufzugschächten erschlossen. Die nördliche Hälfte des durch eine massive Wand mittig geteilten Erdgeschosses wird von einem großen Sitzungssaal und zwei kleineren Seitenräumen eingenommen, während die gesamte südliche Hälfte ein Foyer bildet. Sowohl die Süd- als auch die Nordseite des Traktes sind entsprechend der Hofseite des Nordtraktes nach außen durch eine durchgehend verglaste Sprossenwand abgeschlossen.

In den Obergeschossen ist den vier Treppenhäusern jeweils ein bis an die Außenwand erweiterter Vorplatz zugeordnet. Von hier aus verlaufen die Flure durch die Bürofluchten des Gebäudes. Der schmalere West- und Osttrakt wird durch einen aus der Mitte verschobenen Flur erschlossen, von dem aus die einzelnen, durch Gipsdielen voneinander getrennten Büroräume zugänglich sind. Der tiefere Nord- und Südtrakt hat je zwei Flure für die an den Außenseiten liegenden Räume und die als Magazinsäle genutzten unbelichteten Flächen in der Mitte der Trakte. Sowohl die Möblierung der Eingangshalle als auch die noch weitgehend erhaltene Ausstattung der Säle und Büroräume waren Bestandteil der Planung.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Wesentlich für den Gesamteindruck der Architektur des Landeshauses ist die Einbettung in die gärtnerisch gestaltete Umgebung. So steht das Gebäude inmitten einer großzügig angelegten, durch vereinzelte Baumgruppen aufgelockerten Grünfläche, die sich bruchlos von der Mindener Str. über den Innenhof bis zum Rheinufer erstreckt. Der Innenhof ist also nicht als abgeschlossene Hoffläche zu verstehen, sondern als Bestandteil der Grünfläche, die auf den Längsseiten unter dem Gebäude hindurchgeführt wird.

Ursprünglich war sie nur im äußeren Stützenbereich von einem aus quadratischen Granitplatten gebildeten Belag sowie von schmalen Streifen zwischen den inneren Stützen in Widerspeigelung des Rasters unterbrochen. Die Fläche ist mittlerweile mit Betonplatten bis zur inneren Stützenreihe erweitert worden.

Während der Umgang mit schwarz gesprenkelten, grauen Granitplatten belegt ist, hat man beiderseits der Sitzungssäle und hofseitig vor der Eingangshalle weiß-grauen Marmor verlegt. Der Belag vor dem Haupteingang spiegelt mit seinen von helleren Platten eingefaßten Quadraten die Abmessungen des Stützenrasters wider.

In der Gesamtansicht zeichnet sich das Landeshaus trotz der beachtlichen Ausmaße von 113 Metern auf den Längsseiten durch eine besondere Leichtigkeit und einfühlsame Rücksichtnahme auf die städtebaulichen Gegebenheiten aus. Im Gegensatz zum überwiegenden Teil der anderen Wettbewerbsteilnehmer haben die Architekten es vermieden, durch einen Hochhausbau einen neuen, unübersehbaren Akzent auf dem Deutzer Rheinufer zu setzen.

Ausgehend von der Wirkung der Baumassen der Messehallen einerseits und der stadtbildlichen Bedeutung der Ruine von Alt St. Heribert andererseits wurde versucht, dem Raumbedarf in einem Baukörper zu entsprechen, der keinen Bruch mit dem damals in der Erinnerung noch präsenten alten Erscheinungsbild des Deutzer Ufers herbeiführte. So wurde auch die Abel'sche (Adolf Abel (1882-1968) Ufergestaltung als städtebauliche Einfassung für die Rheinansicht des Landeshauses gewissermaßen wiederverwendet und die Idee Adolf Abels, die Deutzer Rheinfront zum Ufer hin zu öffenen und einen optischen Bezug zum gegenüberliegenden Teil der Kölner Altstadt herzustellen, in moderner Form aufgegriffen.

Der Ehrenhof des zerstörten Rheinischen Museums wurde zu einer Ruhezone, die den Blick auf das neue Bauwerk freihält und ihn gleichzeitig durch das Gebäude hindurchführt. Statt einer Schaufront mit beherrschendem Repräsentationsanspruch, wie sie das rheinische Museum von Abel noch aufwies, ist hier ein als plastisches dreidimensionales Gebilde aufgefaßter Baukörper errichtet worden, der die ihn umgebenden Grünflächen teilweise einbezieht, sie gleichzeitig aber als Folie zur Eigendarstellung benutzt.

Damit wird ein Charakteristikum des Gebäudes angesprochen, das für den Versuch einer Einordnung dieses Baus in die Geschichte der Nachkriegsarchitektur wichtig ist. Das sorgfältige "Hineinkomponieren" eines Bauwerks in die Landschaft war für die Architekten der Moderne – ausgehend von Frank Lloyd Wright vor allem Le Corbusier und Mies van der Rohe – ein besonderes Anliegen in ihren Landhausprojekten der 1920er und 30er Jahre. Abgehoben vom Boden steht das Gebäude als Kunstobjekt von kühler technischer Form in einer quasi natürlich gewachsenen Umgebung. Während einerseits durch die Auflösung der raumbegrenzenden Mauern in Stützen und Glasflächen, durch Einbeziehung der "Natur" in die Gestaltung des Ganzen mittels durchgezogener Bodenbeläge anstelle der Trennung von Innen und Außen ein architektonischer "Idealraum" (Pehnt) entsteht, bleibt andererseits die Distanz von Natur und Architektur gewahrt. Es ergibt sich ein spannungsreicher Kontrast zweier Elemente, die dennoch Bestandteil einer übergreifenden architektonischen Komposition sind. Hierin liegt ein wesentliches Merkmal der Architektur des Landeshauses, das es schon auf den ersten Blick als in der Tradition des Neuen Bauens stehend ausweist.

Der Grundriss gibt weitere Aufschlüsse für die Charakterisierung der Architektur: Die Grundrißentwicklung geht vom Quadrat des Stützenrasters aus, das über die Plattierung des Bodens bis in die Außenflächen vor dem Eingang projiziert wird. Die Räume des Erdgeschosses werden in Maßverhältnissen des Rasters konzipiert, die Glaswände bilden die transparente Hülle um das konstruktive Gerüst. Ein Vergleich u. a. mit Mies van der Rohes gestalterischer Anwendung des Stützenrasters – z. B. im Erdgeschoss der 1949-51 entstandenen Appartementhäuser am Lake Shore Drive in Chicago – gibt einen Hinweis auf die Herkunft dieses in den 1950er Jahren in vielfachen Variationen dargestellten Themas. Das in einem Umgang aufgestelzte Erdgeschoß sowie das Korrespondieren der Stützen über die Raumgrenzen hinweg in unveränderten Rastermaßen und die Widerspiegelung des Rasters bis in den Fugenschnitt der Plattierung sind die Vergleichsmerkmale dieses ansonsten gänzlich verschiedenen Gebäudes.

In der Anordnung der aussteifenden Wandelemente vor den Treppen in der Eingangshalle des Landeshauses fühlt man sich an Mies van der Rohes Villenentwürfe erinnert. Im Zusammenhang mit dem Stützensystem hat die Wand neben ihrer konstruktiven Funktion ästhetischen Anspruch. Zwar ist im Falle des Kölner Baus nicht die Dynamik und Richtungsbestimmung beabsichtigt, die in den Landhausprojekten in virtuoser Manier umgesetzt wird, aber deutlich wird der plastische Wert, den die Wandstücke in ihrer unvermittelt im Raster stehenden Masse zur Wirkung bringen.

Bei dem Vergleich der Architektur des Landeshauses mit dem Werk Mies van der Rohes ist allerdings zu berücksichtigen, dass hinsichtlich der bautechnischen Konstruktion ein ganz entscheidender Unterschied zur Rigorosität des Protagonisten des Neuen Bauens besteht. Während im Wettbewerbsentwurf eine Stahlkonstruktion vorgesehen war, deren äußere Stützen vor die Fassadenflächen traten, wurde diese konstruktiv-formale Konsequenz im ausgeführten Bau zurückgenommen und wohl mit Rücksicht auf die Kosten und Belange des Brandschutzes ein Stahlbetonskelett mit Vorhangfassade gewählt.

Die Konstruktion des Tragwerks ist damit nicht mehr unmittelbar bestimmend für den Fassadenaufriss, die Vertikalgliederung wird jetzt durch Aluminiumprofile in Doppel-T-Form auf der Außenhaut des Gebäudes als selbständige, der Halterung und Versteifung der Fassadenelemente dienende Form dargestellt. Die Verwendung solcher Profile scheint ebenfalls vom Spätwerk Mies van der Rohes inspiriert zu sein: Die bereits erwähnten Lake Shore Appartements weisen sie auf, und an dem 1961 fertiggestellten Bacardi-Verwaltungsgebäude in Mexico City sind sie als Beispiel für die Gestaltungsmög-lichkeiten und auch die Beständigkeit dieser Detailform im Mies'schen Werk zu beobachten. Im Falle des 1958 errichteten Seagram-Gebäudes in New York sind sie ebenfalls, allerdings in einer Ausführung in Bronze, verwendet worden.

Mies van der Rohe hat das Problem, die Ästhetik der Konstruktion aus bautechnischen Gründen nicht immer direkt zum Ausdruck bringen zu können, mit der berühmten Ecklösung an der Alumni Memorial Hall des Illinois Institute of Technology in Chicago (1945-46) in beispielhafter Weise überwunden. Da die Stütze nicht selbst gezeigt werden kann, wird ihre Funktion lediglich anschaulich gemacht durch eine Blechverkleidung mit aufgeschweißten Doppel-T-Profilen, die aber nicht bis zum Stützenfuß heruntergeführt wird, sondern über dem Boden in der gemauerten Außenhaut des Gebäudes endet. So wird dem Betrachter der rein illustrative Charakter dieses Details verdeutlicht.

In einem anderen Sinnzusammenhang, aber durchaus vergleichbar in der Bewältigung des hier vorhandenen technischen Problems, findet sich am Kölner Landeshaus eine Variation der schon klassischen Mies'schen Lösung an den gestalterisch kritischen Außenecken des Baukörpers. Der Notwendigkeit einer seitlichen Abdeckung der Fassadenelemente und einer Verleidung der Eckstütze wird in der Zusammenführung der an Stützen und Fassade verwendeten Profile in einer aus dem Formenapparat des Baus logisch entwickelten Weise entsprochen. Hier wird eine Sorgfalt des Entwurfs deutlich, die an die des berühmten Vorbildes heranreicht.

In der zeitgenössischen Kritik ist das Landeshaus als ein Bau gewürdigt worden, der an der Qualitätsspitze rheinischer Bürobauten rangiert. So beschreibt Ulrich Conrads in der "Bauwelt" vom 25. Juni 1960 das Gebäudes als "Meisterstück junger Architekten", das gleichzeitig ein Lehrstück für das Architekturschaffen seiner Zeit darstelle. Trotz einiger kritischer Anmerkungen u. a. zu den nicht gelösten Innenecken im Hofbereich, wird das Landeshaus in seiner architektonischen Qualität nicht in Frage gestellt. Vielmehr gerät es in die Rolle eines Kronzeugen gegen eine Architekturauffassung, die in der "Bauwelt" als Ausdruck "... von Parfüm und Protz falscher Repräsentation ..." gegeißelt wird (Bauwelt 30, 51. Jg., 1960, S. 861). Diese deutliche Anspielung auf das Blau-Gold-Haus am Dom beleuchtet die Gegensätzlichkeit zwischen der puristischen Rigorosität der Avantgarde in der Nachfolge Mies van der Rohes und einer eher verspielten, mit den dekorativen Möglichkeiten der Vorhangfassaden operierenden Architektur.

Die Architekten des Landeshauses hatten diesen Konflikt ansatzweise am Objekt selbst ausgetragen. So war ursprünglich geplant, die gläsernen Brüstungsfelder in einem, dem Farbton der Alumi-niumprofile entsprechenden Grau herstellen zu lassen, dem Gebäude also eine monochrome Fassung zu geben. Gegen den Willen der Architekten wurden dann die dunkelblauen Opakglasfelder eingesetzt. Da man, offenbar vor allem seitens der Stadt Köln, den Bau doch noch als zu trist empfand, wurde vorgeschlagen, die senkrechten Profile mit silbrigen Blechen zu verkleiden oder die Brüstungsfelder mit lindgrünen Plastiktafeln zu überdecken – ein Ansinnen, das wiederum die "Bauwelt" zu einem polemischen Artikel mit dem beziehungsreichen Titel "4712?" inspirierte. Die Architekten konnten jedenfalls verhindern, daß die Empfehlungen umgesetzt wurden.

Über den anekdotischen Charakter hinaus ist die exemplarische Bedeutung dieser Auseinandersetzung deutlich: Das Landeshaus wird hier als Beispiel jener Architektur ins Feld geführt, die mit dem Aufgreifen amerikanischer Einflüsse aus dem genannten Umkreis Mies van der Rohes (hier vor allem Skidmore, Owings & Merrill sowie Philip Johnson als bekannteste Vertreter) auch an die von den Nationalsozialisten unter-brochene eigene avantgardistische Tradition anknüpft. Innerhalb diese Umfeldes fällt das Landeshaus durch seine besonders ausgeprägte formale Abhängigkeit zum Vorbild Mies van der Rohe heraus, zumal wenn man berücksichtigt, dass der ursprüngliche Wettbewerbsentwurf hier noch einige Schritte weiterging. Im Vergleich zu den Bauten beispielsweise der Kaufhof AG in Köln wie auch zu den eigenwilligen Lösungen Schneider-Eslebens oder Pfaus stellt das Landeshaus mit seiner konzeptionellen und gestalterischen Konsequenz in der Reihe der rheinischen Verwaltungsbauten der 1950er Jahre diesen Einfluß am deutlichsten dar.

Der Bau ist nun jedoch nicht in erster Linie unter dem Gesichtspunkt einer detailgetreuen Übernahme des Mies'schen Spätwerks zu sehen. Es ist vor allem eine in die vorhandene städtebauliche Situation hervorragend integrierte Architektur. Hier liegt die ganz besondere Eigenständigkeit dieser Lösung, die auch den historischen Bezug wahrt in der Belebung der Ufereinfassung von Adolf Abel und in der Berücksichtigung seiner hier aufgehobenen städtebaulichen Ideen. Die Öffnung zum Rheinufer, der Sichtbezug zum Altstadtbereich um Groß St. Martin – diese Vorstellungen Abels, die letztlich in einem neoklassizistischen, übergreifenden Gestaltungskonzept für das ganze Deutzer Rheinufer wurzelten, werden in ihrer grundsätzlichen Aussage bewahrt, ihr architektonischer Ausdruck jedoch neu formuliert.

Faßt man die dargestellten Gesichtspunkte unter dem Aspekt einer denkmalrechtlichen Würdigung zusammen, so ergeben sich folgende Bewertungsebenen:

  • a) Als architekturgeschichtliches Dokument ist das Landeshaus ein Beispiel für die avantgardistische westdeutsche Architekturströmung der Nachkriegszeit, die unmittelbar an die in den USA weiterentwickelte Architekturmoderne anknüpft.
  • b) Die bis ins Detail durchgehaltene Anwendung der Prinzipien Mies van der Rohes ergibt einen formal in sich schlüssigen Bau, der in seiner asketischen Strenge den baukünstle-rischen Anspruch überzeugend vertritt. Der Grundriß ist, ohne daß ein direktes Vorbild nachzuweisen wäre, aus den Nutzungsanforderungen und den städtebaulichen Vorgaben entwickelt und steht in harmonischem Zusammenhang mit dem architektonischen Formenkanon.
  • c) Die städtebauliche Konzeption zeichnet sich aus durch eine rücksichtsvolle Bezug-nahme auf vorhandene Baukörper und Maßverhälntisse. Die Verbindung von Baukörper und Grünfläche wird getragen von dem Konzept einer aufgestelzten Vierflügelanlage mit durchgehender Begrünung im Innenhof, die über die offenen Längsseiten die Blickbeziehung zum Rhein und dem gegenüberliegenden Martinsviertel ermöglicht. In der Nutzbarmachung von alter Ufereinfassung und Vorplatz wird zugleich der historische Bezug zur städtebaulichen Situation der Vorkriegszeit anschaulich gemacht.

Referenz: 5219


Das Denkmal hat die Nummer 4332 und ist seit dem 2. November 1987 geschützt.

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