Gebäude des ehem. Verkehrsflughafens Butzweiler Hof

Butzweilerstr., Köln - Ossendorf

Hauptgebäude (ehem. Empfangsgebäude)

Langgestreckter Z-förmiger 2-geschossiger Putzbau mit Flachdach. Quergestellter leicht überhöhter Baukörper der ehem. Empfangshalle; auf der Flugfeldseite von 1-geschossigen Bauteilen mit Terrasse flankiert. Gliederung des Baukörpers durch hochrechteckige Fenster-öffnungen. 1-geschossige Bauteile mit geschoßhohen Fenstertüren; Basaltlavalaibungen. Zusätzliche Akzentuierung des Eingangs durch monumentales Basaltrelief mit Kölner Adler über drei Kronen von Willy Meller. Gebäude im Inneren völlig umgestaltet.

Tower mit anschl. Flugzeughalle und Werkstattbereich

Gebäudekomplex aus heute 4-geschossigem Tower, 2-geschossigem Werkstattgebäude und Flugzeughalle. Über Eck gestellter Eingang zum Tower mit Basaltstein-Einfassung. Ehemals über Eck geführte Fenster des Towers reduziert; das als gläserne Kanzel ausgebildete 5. Geschoß zurückgebaut.

Nordöstl. Flugzeughalle

Flugzeughalle mit großem Rolltor flankiert von 2-geschossigen Gebäudetrakten. An der Ecke des nordöstlichen Traktes 2 geflügelte Putten, eine Taube haltend; flaches Schutzdach.

Zum Denkmal gehört auch ein Teil des ursprünglichen Rollfeldes: Es sind die Flächen, die von den denkmalgeschützten Gebäuden nach Norden bis zu der Linie reichen, die identisch ist mit der Straßenbegrenzungslinie für die private Verkehrsfläche gemäß den Festsetzungen des rechtsverbindlichen Bebauungsplanes „Medien- und Gewerbepark Ossendorf“.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Men-schen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Nach der Besetzung des Flughafens Butzweiler Hof durch die Engländer nach dem 1. Weltkrieg wurde die Anlage 1926 an die Stadt Köln zurückgegeben. Nach dem erfolgreichen Ab-schluß von Verhandlungen mit der neugegründeten Lufthansa AG erfolgte die Eingliederung in das innerdeutsche Luftverkehrsnetz. Nach der Vergrößerung des Flugfeldes und der In-stallation einer Funksendeanlage kam es kurze Zeit später zur Aufnahme eines planmäßigen Linienverkehrs mit England, Frankreich und der Schweiz.

Durch den rapiden Anstieg des Luftverkehrsaufkommens in den Jahren 1926 - 1933 um ca. 800% und die damit verbundenen erhöhten Anforderungen an die Gebäude kam es 1933 zu Neu- und Umbauten, die 1936 - pünktlich zur Olympiade - fertiggestellt werden konnten. Die neuen Gebäude, zu denen neben dem Haupt- und Empfangsgebäude auch der Tower und zwei neue Flugzeughallen gehörten, wurden von der Arbeitsgemeinschaft der Ingenieure und Architekten Albert, Bartsch, Mertens und Mewes erstellt. Diese Gebäude heben sich noch heute durch ihre charakteristische Gestaltung von den später errichteten Bauten ab.

Formal orientieren sich die Gebäude an der "Neuen Sachlichkeit". Dies wird durch die schlichte Gliederung der Baukörper, die Regelmäßigkeit der Fensterachsen und den schat-tenbildenden weiten Dachüberstand deutlich. Plastischer Schmuck beschränkt sich auf Eckkonsolen und das monumentale Basaltlavarelief über der Eingangstür von Willy Meller. Die Gesamtanlage sollte sich dem in seiner Weitflächigkeit als erhaben empfundenen Landschaftsbild unterordnen.

Der Denkmalwert der Anlage ergibt sich zum einen aus dem architekturgeschichtlichen Stellenwert, den diese Anlage als Realisation einer neuen Bauaufgabe hat. Zum anderen steht hier der verkehrsgeschichtliche Aspekt im Vordergrund, wobei der "Butzweiler Hof" als bauliches Zeugnis sowohl die Entwicklung der Luftfahrt als auch die verkehrspolitische und wirtschaftliche Bedeutung Kölns und des Rheinlandes (Luftkreuz des Westens) in anschaulicher Weise dokumentiert.

Der Flughafen Butzweiler Hof ist demnach bedeutend für die Geschichte des Menschen. Seine Erhaltung und Nutzung liegt aus wissenschaftlichen Gründen im öffentlichen Interesse.

Geschichtliche Entwicklung

05.08.1909 Gründung des Luftschiffhafens Butzweilerhof durch die Heeresluftschiffer
11.06.-07.07.1911 1. Deutschlandflug mit Streckenziel „Butzweilerhof“
14.04.1912 Gründung der ersten Feldfliegerabteilung
26.09.1912 Gründung der ersten Festungsfliegerabteilung
01.12.1912 Erste offizielle Landung eines Militärflugzeuges
01.08.1914 Kriegsflughafen
1918 Besetzung des Flughafens durch das 18. Nachrichtenschwadron der R.A.F. und Einrichtung eines Liniendienstes nach Marquise, Frankreich
15.08.1922 Erster privater Linienflug zwischen Hounslow Heath, England und Butzweilerhof
06.04.1926 Offizieller Verkehrsflughafen; bis 1939 waren Berlin, Butzweilerhof und Frankfurt die 3 größten Flughäfen in Deutschland
1939-1945 Militärflughafen
1945 Besetzung durch die R.A.F.
1957 Freigabe für die deutsche Fliegerei
04.-19.06.1960 Segelflugweltmeisterschaften
1980 Ende der Motor- und Segelfliegerei
   


Das Denkmal hat die Nummer 4219 und ist seit dem 19. Juli 1988 geschützt.

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