Wohnhaus

Elsa-Brändström-Str. 2-4, 50668 Köln - Neustadt-Nord
Errichtet: 1925/26


Villa

Architekt: Hermann von Berg (1881-1964)

  • drei Geschosse
  • sechs Achsen zur Elsa-Brändström-Str.
  • Backstein-/Putzfassaden
  • Stil: sog. Heimatstil (Deutscher Werkbund)

 

Baugeschichtlich und -künstlerisch läßt sich das mit Walmdächern und Dachhäusern versehene Gebäude einer im Deutschen Werkbund vertretenen Strömung zuordnen, die als künstlerisch-ästhetisches Gestaltungsmittel geschlossene Bauform, wenig gegliederte Flächen, natürliche Werkstoffe und deren funktionsgerechte Verarbeitung propagierte.

Für Grund- und Aufriß sowie Ausrichtung des Bauwerkes berücksichtigte der Architekt die geringe Tiefe und die spitzwinklige Form des zwischen zwei aufeinander zulaufenden Straßen (Elsa-Brandström-Straße/Oppenheimstr.) liegenden Grundstücks. Es entstand ein Winkelbau mit ungleich langen Flügeln.

Fassaden

Als konstruktiver Teil des Baukörpers verdeutlichen die Fassaden Proportion, Geschoßgliederung und -höhe sowie Dachaufbau des Hauses. Die Funktion der einzelnen Geschosse (Wirtschaftsräume/Erdgeschoss, Gesellschaftsräume/erstes Obergeschoss, Privatzimmer/zweites Obergeschoss) zeichnet sich im Fassadenaufbau ab; das Erdgeschoß ist als geschlossener Gebäudesockel mit kleinen Wandöffnungen behandelt, während das erste Obergeschoss durch Höhe und hochrechteckige Wandöffnungen als Hauptgeschoss gekennzeichnet ist, das durch einen Walm vom niedrigeren zweiten Obergeschoss abgegrenzt wird.

Mit seiner Langseite steht das Haus direkt an der Elsa-Brändström-Straße. Die breitgelagerte sechsfenstrige Front ist symmetrisch geordnet. Die Mittelpartie wird betont durch jeweils vier dichtgereihte Fenster in den Obergeschossen und ein Dachhaus mit Terrasse. Im zweiten Obergeschoss hebt sich diese Partie von der auf den Außenachsen zurücktretenden Wandfläche als Vorsprung ab, an ihm setzt der das Haus umziehende Walm an. Nahtlos fügt sich der Fassade die bis zum ersten Obergeschoss hochragende Backsteinmauer an, die über die Gartenspitze weiterreicht und das Anwesen umschließt.

Gegenüber dieser strengkomponierten, geschlossen wirkenden Seite ist die zur Oppenheimstr. liegende durch den Winkel aufgelockert, der von Vorbauten mit Loggia und Balkonabschluß überspielt wird. Ein vorragendes, mit Streben versehenes Traufgesims gibt den Fassaden zusammenfassenden Abschluß.

Ein wesentliches Gestaltungsmittel am Bau ist die Kombination von rotem Backstein und (ursprünglich kupfergrünfarbenem) Putz. Ohne Unterteilung ist der Backstein bis zum Walm und über den Vorsprung der Langseite bis zum Traufgesims hochgeführt, hier auch mit figurativer Schichtung zwischen den Obergeschoßfenstern. Das zweite Obergeschoss ist verputzt. Für einige Architekturteile wie Erdsockel und Teile an der Eingangsseite

  • Fensterunterbau
  • Durchfahrt

wurde Werkstein als Baumaterial eingesetzt.

Ausstattungsstücke wie

  • Fenster (in originaler Teilung)
  • Fenstergitter
  • Balkongitter
  • Haustüren
  • Eisentore

ergänzen die ästhetische Einheit der Fassadengestaltung.

Eine Verlängerung des Bauwerkes ist der mauerumschlossene, in Höhe des Hauptgeschosses angelegte Garten, dessen Spitze ein polygonaler, sich zum Haus öffnender Pavillon mit Schirmdach als "Point de vue" krönt.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Die Villa ist ein wichtiges ortsgeschichtliches, baukünstlerisches sowie städtebauliches Zeugnis der Kölner Neustadt. Ortsgeschichtlich dokumentiert sie die Bebauung der zum nördlichen Neustädter Villenviertel gehörenden Elsa-Brändström-Straße in den Jahren 1925/26. Industrialisierung und Zunahme der Bevölkerungsdichte veranlassten die Ausdehnung von Köln über die mittelalterliche Stadtmauer. Die nach Plänen des Stadtbaumeisters Hermann Josef Stübben (1845-1936) 1881 begonnene Neustadt gilt als die bedeutendste Stadterweiterung dieser Zeit im Rheinland.

Der nördliche Abschnitt wurde als Villenviertel ausgewiesen, dessen Ausbau sich jedoch aus verschiedenen Ursachen verzögerte. Nach 1906 wurden die Baubestimmungen gelockert und in zunehmendem Maße die Errichtung von Verwaltungsgebäuden zugelassen. Wenn der Nordabschnitt auch heute noch als Villengegend zu bezeichnen ist, so ist dies auch den historischen Gebäuden in der Elsa-Brändström-Straße zuzuschreiben. Das von dem Architekten Hermann von Berg geschaffene Wohnhaus für den Generaldirektor des Carlswerkes Köln-Mülheim ist eines der späten Beispiele des Villenbaues in der nördlichen Neustadt, mit denen die von Hermann-Josef Stübben vorgegebene Bebauungsweise zum Endpunkt gelangte.

Städtebaulich wichtig ist die Villa in ihrer der Straßenlage angepaßten und somit den Straßenraum beherrschenden Bauausführung, die sie zu einem wirkungsvollen Blickpunkt erhebt. Mit den Bauten Nr. 6 und 8 bildet sie ein historisches Villenensemble, das - noch weitgehend original erhalten - den ursprünglichen Viertelcharakter des Neustädter Nordabschnittes repräsentiert.

Referenz: 3425


Das Denkmal hat die Nummer 4201 und ist seit dem 2. Juli 1987 geschützt.

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