Wohn- und Geschäftshaus (ehem. Stapelhaus mit Turm)

Frankenwerft 35, 50667 Köln - Altstadt-Nord
Errichtet: 1965/67


Haus des Kölner Handwerks (ehemaliges Stapelhaus) Bauherr: Kreishandwerkerschaft

Architekten: Büro "Schulze und Hesse" Leonhard Schulze (1903-1980)

  •  Wilhelm Hesse (1907-1971)
  • vier Geschosse, ausgebautes Dachgeschoss(zurückgesetzt)
  • 13:2:13:1,5 Achsen (breitere Treppenhausachse)
  • Tuffsteinfassaden (grob scharriert) mit Gliederungen in Basalt (Sockel, Fensterkreuze)
  • Stil: Formen der zeitgenössischen Moderne unter Wahrung der Dimensionen des historischen Stapelhauses.

 

Aufbau/Fassade

  • Stahlbetonskelettbau
  • Außenwände: Stahlbeton mit Vermauerung aus Tuffstein
  • Zwischenwände: Stahlbeton und Mauerwerk
  • spitzes Walmdach (Schiefer auf Holzschalung)
  • Spitzboden

 

  • im Osten(Frankenwerft):vom Hauptkörper abgewinkelter eingeschossiger Ausbau
  • im Norden: Terrasse (fünfachsig, übernimmt die Axialität des Hauptkörpers)
  • im Süden:
  • Erdgeschoß  in Teilen verändert (dort bis 1988/89 offenes KFZ-Parkdeck unterbrochen von Betonstützen, Zufahrt von der Mauthgasse)
  • im Bauverband, Treppenturm von 1900/01, auf achteckiger Grundfläche, Werkstein (durch Anker gesichert

Eingänge

  • Haupteingang von der Mauthgasse, vierteilig in Metall mit Oberlichten
  • Nebeneingänge von Fischmarkt (zweiteilig) und Frankenwerft

 

Fenster:

Erdgeschoss: weitgehend verglast zwischen Basaltstützenstellung (z. T. verändert bzw. nachträglich eingebaut)

Zwischengeschoss: Holzrahmenfenster zweiteilig (Blendpfosten in Basalt)

Obergeschosse:

  • Holzrahmenfenster
  • Zusammenfassung der Obergeschossfenster durch Kreuzstockstellung
  • Blendrahmen in Basalt
  • erstes Obergeschoss: vierteilig; quadratische Einscheibenfenster
  • zweites Obergeschoss: zweigeteilt

 

Inneres

  • Vestibül:
  • Natursteinplattenboden
  • natursteinverkleidete Aufzuganlage
  • Treppe um den Aufzugschacht herum gerade, dreiläufig, mit gleichsinnigem Richtungswechsel
  • Naturstein
  • Handlauf an der Wand
  • Stahlrohr und Holz
  • Podeste mit Natursteinbodenplatten
  • Innenräume
  • Erdgeschoss: Natursteinbodenplatten
  • Obergeschosse: PVC-Bodenbeläge, z. T. variable Wandeinbauten, Gewände und Türen in Holz
  • Büroräume ein- bzw. zweiachsig
  • Versammlungsräume
  • breiter Flur in der Gebäudemitte
  • Gaststätte
  •   zur Frankenwerft hin nachträglicher Einbau vierteiliger Tür-Fenster-Elemente in Holz.

 

  • Ausstellungsgroßraum im Erdgeschoß (ehemals Parkdeck)
  • schwarze Kunststeinbodenplatten
  • variable Wandeinbauten
  • abgehängte Decken
  • vierteilige Metallfenster mit Einschluss von Türen
  • Ober- und Seitenlichte

 

  • Terrasse
  • Betonwerksteinbodenplatten
  • Brüstung mit Natursteinplatten abgedeckt, z. T. metallverkleidet
  • Brüstungsgeländer in Stahl
  • Sichtschutz (Pergola), Holz

 

spätere Anfügung (1991) einer Stahlaußentreppe aus transparenter Stahlkonstruktion mit aufgelegten Gitterroststufen, Geländer aus Stahl.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Das Martinsviertel, ehemals als "Rheinviertel" bezeichnet, entwickelte sich seit dem 11./12. Jahrhundert zu einem bedeutenden mittelalterlichen Handelsviertel im Bereich um die romanische Kirche Groß-St. Martin. Die unmittelbare Nähe der hier errichteten Gebäude zum ehemaligen Hafengelände prägte das Erscheinungsbild der hohen Kaufmanns- und Stapelhäuser auf schmalen Parzellen an engen Gassen und Marktflächen. Bis zu seiner Verlegung auf die Rheinauhalbinsel im Jahre 1898 wurde der gesamte Hafenbetrieb hier vor dem zentralen Altstadtbereich abgewickelt.

Das altstädtische Gebiet mit den Bereichen Alter Markt, Heumarkt und Martinsviertel und dortigen Überresten des mittelalterlichen Handelsviertels wurde nach dem Krieg überwiegend nach einheitlichen Gesichtspunkten und unter Wahrung der wenigen erhaltenen Bausubstanz als historischer Altstadtbereich wiederaufgebaut bzw. neu erbaut. Wesentliche Vorgaben für Neubauten am geschichtlich geprägten Ort waren die Wahrung der überkommenen Parzellierung und die Errichtung schiefergedeckter, sogenannter "Kölner Dächer", sowie allgemein die Orientierung an der Maßstäblichkeit, an überlieferten Baugruppen, Baumassen und Rhythmus.

Bei dem Gebäude Frankenwerft 35 handelt es sich um einen 1965 - 1967 errichteten Neubau in einer am Ursprungsbau orientierten Formensprache. Das historische Gebäude, erst seit dem 19. Jahrhundert Stapelhaus genannt, war ein langgestreckter Baukörper aus Tuffstein und Trachyt mit Erkern, Zinnenreihen, Treppenturm und zwei parallelen langgestreckten und schmalen Walmdächern mit Dachgaupen. Es wurde 1558 - 1568 als Fischkauf- und Schlachthaus erbaut. Dieser Nutzung entsprach die Aufteilung des Innenraumes beider Geschosse in große Säle mit massiven Mittelpfeilern und mehreren Reihen von Holzstützen.

Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts war das Haus Sitz der Zollbehörde, diente später nach verschiedenen Instandsetzungen jahrzehntelang als Lagerhaus, bis es im Zusammenhang mit der Verlegung des Hafenbetriebs 1898 neue Funktionen erfüllen konnte und 1899 - 1901 nach Plänen von Stadtbaurat F. C. Heimann eine umfassende Wiederherstellung erfuhr.

Im Anschluß an die Baumaßnahmen nahm das Erdgeschoß einen Gastronomiebetrieb auf, im Obergeschoß etablierte sich das Museum für Naturkunde. Das Stapelhaus veranschaulicht, in direkter Nachbarschaft zu Groß-St. Martin, das Erscheinungsbild des ursprünglich als Rheinviertel bezeichneten Martinsviertels mit seiner hier an der Frankenwerft (ehemals Hafengasse) verlaufenden Rheinfront und ist mit seinem südlichen Turm Teil des seit dem Mittelalter berühmten Köln Rheinpanoramas. Der Werksteintreppenturm auf achteckiger Grundfläche, der südlich des langgestreckten Gebäudes im Bauverband das Stapelhaus überragt, ist eine Zutat der Umgestaltung durch Heimann. Er wurde nicht wie sein 1831 durch J. P. Weyer abgebrochener Vorgänger an der Mauthgasse, sondern an der Südseite des Gebäudes und mit etwas größerem Durchmesser der Grundfläche errichtet.

Noch heute bewahrt der in neugotischen Formen gehaltene Treppenturm, der bei der letzten Instandsetzung des Stapelhauses 1939 sein geschweiftes Helmdach verlor und stattdessen eine Plattform erhielt, die Erinnerung an das kriegszerstörte historische Kauf- und Lagerhaus. Der heutige Bau liegt eingerahmt zwischen den parallel verlaufenden Straßenzügen Mauthgasse/Am Bollwerk und der als baumbestandener - zum Rhein hin offener - Grünbereich gestalteten Frankenwerft mit Fußgängerpromenade (Rheinterrasse) und freiem Blick zum und über den Rhein. Nach Norden hin öffnet sich der durch die Ostteile von Groß-St. Martin und durch den Treppenturm charakterisierte, kopfsteingepflasterte Fischmarkt. Das Gebäude Frankenwerft 35, das sich bewußt an der Maßstäblichkeit und dem Erscheinungsbild der Vorkriegsbebauung orientiert, ist aufgrund der Wahrung der historischen Maßstäblichkeit des Kölner Altstadtcharakters als Zeugnis für den Wiederaufbau des Martinsviertels an der Rheinfront erhaltenswert.

Referenz: 0189


Das Denkmal hat die Nummer 42 und ist seit dem 1. Juli 1980 geschützt.

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