Wohnhaus

Parkstr. 8, 50968 Köln - Marienburg

errichtet 1914/15

Architekt: Paul Pott(1882-1966)

Wohnhaus; Villa

  • zwei Geschosse
  • ausgebautes Dachgeschoss

 

Das Haus ist laut Grevens Adressbuch 1914/15  im englischen Landhausstil für den Kölner Fabrikanten Wilhelm Auerbach errichtet worden. Grund- und Aufriß des Bauwerkes sind ganz auf die Bedürfnisse seiner Bewohner abgestimmt. Während die unprätentiöse Eingangsfront im kühlen Norden angeordnet ist, öffnet sich die Rückfront vollkommen durchfenstert über Wintergärten, Loggien, Erkern und Veranden der südlichen Gartenseite.

Die Fenster sind in den herausgehobenen Partien der säulengestützten Mittellogia, der Erker und Wintergärten mit einer, sich von der hellen Putzfassade durch Profilierung und dunklerer Farbgebung absetzenden, Rahmung versehen, während sie ansonsten von Schlagläden begleitet scharfkantig einschneiden. Ihre Flächen überzieht ein dichtes Sprossennetz. Zur Straße wölbt sich ein halbrunder Erdgeschoßerker, der einem Mittelrisaliten vorgelagert ist.

Daneben hat der Architekt Pott den für ihn typisch gestuften Außenkamin angeordnet. Einem sich vielfach verkröpfenden, profiliertem Gurtgesims antwortet der weite, auf flachen Konsolen lagernde Dachüberstand, von dem das durch Aufschieblinge flach gehaltene, ziegelgedeckte Walmdach aufsteigt. Die Belichtung des Dachgeschosses erfolgt über Gaubenreihen mit Segementbogengiebel. Zwei durch einen kleinen Vorbau geschiedene, unterschiedlich aufwendig gestaltete Eingangstüren trennen Herrschafts- und Dienstbotentrakt. Das Innere des Hauses konnte nur teilweise und auch nur in dem schlichten Teil des Hauses besichtigt werden.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Durch die Vielzahl seiner im originalen Zustand erhaltenen Bauten zählt Marienburg zu einer der geschlossensten VillenKolonien in Deutschland. Aus historischer Sicht gehört der Vorort zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln, da er, anders als die sonstigen Bereiche der Stadt, im Krieg weitgehend von Zerstörungen verschont blieb. Ihre über die Grenzen Kölns hinausreichende Bedeutung erhält die Villenkolonie durch den von Camillo Sitte angeregten einheitlichen Bebauungsplan und der Fülle ihrer herausragenden Architekturbeispiele. Die Besiedlung erfolgte in offener Bauweise mit Villen und herrschaftlichen Wohnsitzen entlang geschwungener und gerader Straßen. Die Bebauung Marienburgs beginnt um die Mitte der Neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts und ist im wesentlichen gegen Ende der Zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts abgeschlossen. Damit läßt sich über einen Zeitraum von etwa 40 Jahren an einer Fülle hervorragender Beispiele die Entwicklung der Architektur vom ausgehenden Historismus über den Jugendstil, dem Expressionismus und den verschiedenen Zwischenstufen bis hin zur Moderne verfolgen. Unter den Architekten finden sich zahlreiche namhafte Persönlichkeiten - die Bauherren sind oft bedeutende Kölner Bürger. Olbrichs reifste Leistung - die Villa Feinhals - entstand hier; Namen wie Paul Bonatz, Otto March, Bruno Paul sind mit Marienburg eng verbunden, aber auch viele Kölner Architekten wie Dominikus Böhm, Franz Brantzky, Theodor E. Merrill, Meves & Bischoff, Carl Moritz, Wilhelm Riphahn, Emil Schreiterer und eben auch Paul Pott. Durch diese konzentrierte Anordnung herausragender Villenarchitektur entstand ein Ensemble, das in dieser Geschlossenheit in Deutschland nur noch in den Berliner und Münchner Vororten anzutreffen ist. Die Villen Marienburgs sind zudem stets als Gesamtkunstwerk verstanden worden, mit einer Einbettung in eine große Gartenanlage, im Inneren mit Wandmalereien und Holzvertäfelungen und häufig mit einem für das Haus entworfenen Mobiliar.

Die Villa Parkstr. 8 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Da das Bauwerk zudem in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung zur Moderne dokumentiert, ist es, als Bestandteil der architektonischen Vielfalt, für das Erscheinungsbild Marienburgs unverzichtbar.

Die Villa Parkstr. 8 besitzt mit ihrer aufwendigen Gestaltung und der sorgfältigen Detailausführung große künstlerische Qualität und Bedeutung. Mit der an den Klassizismus erinnernden Gartenfassade und einer die Wohnbedürfnisse reflektierenden Architektur, verstand es der Architekt Paul Pott sowohl das Repräsentationsbedürfnis des gehobenen Bürgertums als auch deren Wunsch nach Zweckmäßigkeit, Behaglichkeit und Schönheit - entsprechend den Prinzipien englischer Landhausarchitektur - zu befriedigen.

Diese hatten sich Anfang des Jahrhunderts - begünstigt durch die umfassenden Untersuchungen des Berliner Architekten Hermann Muthesius in England - bei den wohlhabenden Bürgerschichten breit durchgesetzt. Seine Elemente der Schlichtheit, der Funktions- und Materialgerechtigtkeit spiegelten die Erfahrung des Bürgertums aus seiner Fabrik- und Arbeitswelt wider. Der Kölner Villenarchitekt Paul Pott ist neben Theodor E. Merrill der wichtigste Architekt Marienburgs. In immer neuen Variationen hat er vor und auch noch nach dem 1. Weltkrieg für das gehobene Bürgertum Villen und Landhäuser im englischen Landhausstil entworfen, die zu den bedeutendsten Bauten des Villenvorortes zählen, so u. a.

  • Villa Pferdmenges,
  • Haus Max Clouth in der Lindenallee,
  • Haus Neven DuMont in der Parkstraße,
  • Nachbarhaus Parkstr. 10
  • eigenes Haus am Südpark.

 

Die Villa Parkstraße ist ein wichtiges Bindeglied in der Entwicklung des Architekten zur Moderne. Zur Erforschung des noch immer nicht wissenschaftliche durchdrungenen OEuvres des Architekten Paul Pott bedarf es der Ablesbarkeit erhaltener Baudokumente, was zusätzlich für seine Erhaltung spricht.

Referenz: 7077


Das Denkmal hat die Nummer 4168 und ist seit dem 4. Juni 1987 geschützt.

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