Wohn- und Geschäftshaus

Vincenzstr. 29, 51065 Köln - Mülheim
Errichtet: 1907 inschriftlich datiert


Eckhaus zur Frankfurter Str.

  • vier Geschosse
  • vier Achsen zur Vincenzstraße; drei Achsen zur Frankfurter Str.
  • Stuckfassade
  • Stil: Jugendstil

 

Fassade

Baukünstlerisch bemerkenswert ist das Eckhaus mit abgeschrägter Ecke und kleinem, halbrundem Eckerker (viertes Obergeschoss) mit bekröntem Kegeldach sowie zwei dreigeschossigen Erkern auf rechteckigem Grundriß und Blendgiebeln mit dreieck- bzw. arkadenartigen Gesimsabschlüssen aufgrund seiner aufwendig dekorierten Jugendstilfassade.

Diese wird horizontal gegliedert durch ein fast durchgängiges, gekröpftes Fensterbankgesims mit Frieseneinlagen, welche die untere rustizierte Fassadenhälfte von der oberen abgrenzt, sowie ein breites Traufgesims mit Würfel- und Flechtbandfries. Die bewußt asymmetrisch gestaltete Fassadenfront wird belebt durch starke Abwechslung in den Fensterformen jeder Etage: Einzelfenster verschiedener Größe und Form sowie Fenstergruppenkompositionen mit geraden und bogenförmigen Abschlüssen.

Weitere Dekorelemente sind:

  • Putzornamentik in Form von Rustika im Erdgeschoß und ersten  Obergeschoß
  • rosettenartige und breitbandige Fensterabschlußrahmung mit Löwenkopfmasken und Chimärenköpfen
  • stilisierte Adler mit geöffneten Flügeln als Wappenträger in den Brüstungs- oder Bekrönungszonen
  • in Rechteckfelder flach gesetzte menschliche Masken und Büstenreliefs
  • ein Fledermaus- und ein Storchenrelief
  • als Friese gestaltete Schlangenkörper
  • verschiedenartige Friesformen in floralem und geometrischem Jugendstil
  • am Erker über dem Portal die Inschrift: "Gut Ding will Weile/Durch das Schöne stets das Gute".

 

Vier originale, holzgerahmte Dachgauben mit Dreieckgiebel sowie die zum großen Teil erhaltene Fenster mit kleinteiligen Oberlichtsprossen vervollkommnen die ästhetische Einheit der Fassaden, die als konstruktive Teile des Hauskerns Proportion, Geschoßgliederung und Höhe des Gebäudes verdeutlichen.

Inneres

Im Innern des Gebäudes ist an originalen Ausstattungsteilen noch erhalten:

Eingang und Treppenhaus

  • inkrustierter Terrazzofußboden mit Mosaikkante
  • Terrazzotreppe
  • gedrechseltes umlaufendes Geländer mit Antrittspfosten
  • Wandsockel aus Marmor
  • Kellertür
  • stuckierter Stützbogen
  • arkadenartiger Wand- und Deckenstuck
  • Stuckrosette

 

in den Wohnungen

  • zum großen Teil erhaltene Kassettenfüllungstüren mit breiten Rahmungen
  • Flügeltüren mit Sprossen
  • Stuckrosetten-Rahmung
  • Kanneluren.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Ortsgesschichtlich bedeutend ist das stattliche Wohn- und Geschäftshaus als Zeugnis der letzten Mülheimer Stadterweiterung vor der Eingemeindung nach Köln und vor dem ersten Weltkrieg. Vielfach entstanden jetzt sehr große Hauseinheiten, deren Fassadenschmuck nicht mehr auf historisierende Stuckdetails zurückgreift, sondern aus der plastischen Staffelung von Bauteilen entsteht unter Verwendung moderner Putzornamentik.

Städtebaulich bedeutend ist das Objekt als Bestandteil eines Gebäudeensembles mit den in Architektur und Bauzier ähnlich gestalteten Häusern Nr. 27 (aus der gleichen Erbauungszeit), 25, 23, 21 und 19. Außerdem bildet das Objekt einen Blickpunkt an der Straßenkreuzung Frankfurter-/Vincenz-/Monatusstraße als einziges erhaltenes, gut sichtbares Denkmal, das noch den ehemaligen Wohncharakter an dieser Kreuzung repräsentiert.

Referenz: 8964


Das Denkmal hat die Nummer 4090 und ist seit dem 26. März 1987 geschützt.

Denkmal <Wohn- und Geschäftshaus> bearbeiten
Zum Denkmalkatalog Kommentar zum Denkmal abgeben