Verwaltungsgebäude/ Bundesbahndirektion

Am Alten Ufer 2-6, 50668 Köln - Altstadt-Nord weitere ...

siehe Denkmalnummer 4032

 

Erbaut 1906 - 1913 nach dem Entwurf der Architekten Biecker, Kayser und Kiessling; ehem. Hauptgebäude: 4-geschossiger, 29-achsiger Baukörper auf hohem, bossiertem Sockel. Leicht vorgezogener Eingangspartikus mit 10 kolossalen jonisierenden Säulen; Attikageschoß. Gliederung der Werksteinfassade durch kolossale Pilaster auf hohem Sockel. Rahmung der unteren Fensterreihe durch Bossenquader. Ausladendes schlichtes Kranzgesims. Nach Kriegszerstörungen Mansarddach durch flachgedecktes Dachgeschoß ersetzt. Ehem. Neben- und Dienstwohngebäude: 2-geschossiger Baukörper mit 4-achsigem leicht erhöhtem Mittelrisalit; links anschließend leicht vorgezogene 3-achsige ehem. Präsidentenvilla mit vorgesetztem Altan. Verbindung mit dem Hauptgebäude durch korbbogige Brüche. Fassadengliederung durch Gurt- und Kranzgesims sowie teilweise gequaderte Lisenen. Brüstungsfelder der OG-Fenster mit ornamentalem Schmuck. Hohes Mansarddach durch aufgesetztes flachgedecktes Dachgeschoß ersetzt.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Die Erschließung des Rheinlandes durch die Eisenbahn, die 1839 mit dem 1. Bauabschnitt der Strecke Köln - Aachen begonnen hatte, fand in der Hauptsache bis etwa 1880 ihren Abschluß. Ab 1880 wurden die einzelnen Streckenabschnitte, die in ihrer Anfangszeit von privaten bzw. halbstaatlichen Gesellschaften errichtet und betrieben wurden, unter staatlicher Leitung zusammengefaßt. Diese Verstaatlichungsgedanken wurden vor allem von König Wilhelm I. und seinem Wirtschafsminister v. d. Heydt ab 1873 verfolgt. Mit Erlaß vom 24.11.1879 wurde schließlich die Neuorganisation der preußischen Staatseisenbahnverwaltung beschlossen. Diesem Erlaß folgte am 20.12. des gleichen Jahres ein Gesetz über den erwerb mehrerer Privatbahnen durch den Staat. Im Rheinland war hiervon die Köln-Mindener Eisenbahngesellschaft betroffen, die der königlichen Eisenbahngesellschaft in Köln unterstellt wurde. Nach der Gründung der Königlichen Dirketion der Rhein. Eisenbahngesellschaften (25.02.1880) kam es ein Jahr später (23.02.1881) zu einer weiteren Neuordnung der Verwaltungsbezirke der Staatseisenbahnen, durch die in Köln die Eisenbahndirektionen Köln-rechtsrheinisch und Köln-linksrheinisch eingerichtet wurden. Diese beiden Direktionen, die am 01.04.1881 ihre Arbeit aufnahmen, wurden schließlich mit Erlaß vom 15.12.1894 aufgelöst. In Köln bestand nun nur noch eine Eisenbahndirektion, die das Streckennetz der ehemaligen Direktion Köln linksrheinisch einschließlich der 1883 hinzukommenen Strecken der Bergisch-Markischen Eisenbahn umschloß. Die organisatorische Umngestaltung des Direktionsbezirks Köln fand stets seinen architektonischen Niederschlag in der Errichtung bzw. Erweiterung der Direktionsgebäude. Der rechtsrheinische Kölner Direktionsbezirk war zunächst im Verwaltungsgebäude der ehemaligen Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft am Domhof untergebracht, das 1891 - 93 erheblich erweitert wurde. Die Verwaltung des linksrheinischen Direktionsbezirks residierte in dem alten Verwaltungsgebäude der ehem. Rheinischen-Eisenbahngesellschaft am Kaiser-Friedrich-Ufer (Konrad-Adenauer-Ufer). Dieses Gebäude hätte bis zur Eröffnung des Zentralbahnhofs 1859 als Stationsgebäude (Rheinstation) der Linie Köln - Aachen gedient. Durch das ständige Anwachsen des Verkehrsaufkommens und die damit verbundene Erhöhung des Verwaltungspersonals genügten die beiden Gebäude nicht mehr dem gesteigerten Raumbedürfnis. Da der Raummangel auf Dauer auch nicht durch die Anmietung von Häusern behoben werden konnte, wurde 1904 von dem damaligen Präsidenten der Eisenbahndirektion der Plan gefaßt, alle Dienststellen einschließlich der Betriebs-, Verkehrs- und Maschinenämter, der Verkehrskontrollen sowie der Dienstwohnungen des Präsidenten und der höheren Beamten in einem Gebäude zu vereinigen. Als Standort für diese Gebäude wurde das ehem. Gleisgelände, daß sich im Norden von der ehem. Rheinstation bis zur Machabäerstraße hinzog, vorgesehen. Im Bewußtsein der hervorgehobenen städtebaulichen Situation "neben dem Hauptzugang zur Stadt, der Hohenzollernbrücke, ..., gerahmt von den stillen ehrwürdigen Zeugen einer großen Vergangenheit, dem Dom und St. Kunibert" wurde für das neue Dirketionsgebäude eine äußerst repräsentative Architektur gewählt. In Anlehnung an klassizistische Vorbilder gliederten die Architekten die breitgelagerte Fassade des Direktionsgebäudes mit einer kolossalen Pilasterstellung. Den Mittelteil betonten sie durch einen 9-achsigen Portikus, der durch ein gestaltetes Mansardgeschoß und ein hohes Walmdach im Dachbereich eine zusätzliche Betonung erfuhr. Das nach Norden anschließende Verwaltungs- und Dienstwohngebäude erfuhr eine zurückhaltendere Gestaltung. Hier wurde auf die Ausbildung einer Säulenordnung verzichtet und die Fassade lediglich durch genutete Lisene gegliedert. Aus dem Baukörper hervorgehoben wurde die Wohnung des Präsidenten und der Sietzungssaal des Bezirks-Eisenbahnrates. Diese repräsentative Architektur, die ihre Entsprechung im Schloßbau des Klassizismus findet, ist Ausdruck des hohen Selbstbewußtseins und des gesellschaftlichen Stellenwertes, den das Eisenbahnwesen um die Jahrhundertwende innehatte. Das Gebäude wird damit bedeutend für die Geschichte der Menschen und für die Geschichte der Arbeits- und Produktionsbedingungen. An seiner Erhaltung und Nutzung besteht aus wissenschaftlichen (verkehrsgeschichtlichen und architekturhistorischen) Gründen ein öffentliches Interesse. Trotz des rudizierten Wiederaufbaues nach dem 2. Weltkrieg prägt der Bau der Eisenbahndirektion auch heute noch in signifikanter Weise die Rheinsilhouette Kölns. Die Erhaltung und Nutzung liegt daher auch aus städtebaulichen Gründen im öffentlichen Interesse.

Referenz: 1620


Das Denkmal hat die Nummer 4031 und ist seit dem 9. Februar 1987 geschützt.

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