Wohnhaus

Bayenthalgürtel 19, 50968 Köln - Marienburg
Errichtet: 1913


Villa

Architekt: Hermann Pflaume (d.J.) (Neffe) (1869-1921)

  • zwei Geschosse
  • vier Achsen
  • Backsteinfassade mit Werksteingliederungen (Fensterrahmungen; Gesimse)

 

Bauherr des Gebäudes war der Handelsvertreter Carl Hesdörffer.

Fassade

Der monumental wirkende, kubische Ziegelbau ruht auf einem, nur durch eine zarte Gesimslinie getrennten, Sockegeschoß und wird von einem leicht vorkragenden, hohen Mansarddach - eine bevorzugte Dachform des Architekten - überfangen. Entsprechend der städtebaulichen Lage am Bayenthalgürtel ist die nur durch einen schmalen Vorgarten vom Straßenraum getrennte Hauptfassade äußerst repräsentativ gestaltet. In sogenannter Kolossalordnung werden die beiden Geschosse durch vier Pilaster miteinander verbunden, zwischen denen sich zwei Erdgeschoßerker segmentbogenförmig vorwölben. Der Sockelansatz, die Fensterrahmungen, das Erker- und Kranzgesims sowie der ionische Kapitellschmuck der Pilaster sind in Werkstein gearbeitet, dessen Flächen teilweise durch hervortretende Ovale dezent geschmückt sind.In der schmiedeeisernen Brüstung der altanartigen Balkone über den Erkern wird dieses Motiv wiederholt.

Rhythmisch gliedern Fenster und Fenstertüren die Fassade, die jedoch nur noch im Segmentbogen des Erdgeschosses die ursprüngliche Sprossenteilung der Oberlichter aufweisen. Auch werden die heute weißen Fensterläden des Obergeschosses dunkel gefaßt gewesen sein. Der repräsentative, ebenfalls in Werkstein gefaßte, Eingang liegt an der Seite des Hauses, dessen Tür noch original erhalten ist.

Inneres

In späterer Zeit sind umfangreiche Erweiterungen an der Rückseite vorgenommen worden, in deren Verlauf auch der Grundriß des Hauses stark verändert wurde und das Haupttreppenhaus verloren ging. Erhalten geblieben ist jedoch noch der Deckenstuck der drei Haupträume und das Treppenhaus des ehemaligen Personalbereiches.

 

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Durch die Vielzahl seiner im originalen Zustand erhaltenen Bauten zählt Marienburg zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland. Aus historischer Sicht gehört der Vorort zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln, da er, anders als die sonstigen Bereiche der Stadt, im Krieg weitgehend von Zerstörungen verschont blieb. Ihre über die Grenzen Kölns hinausreichende Bedeutung erhält die Villenkolonie durch den von Camillo Sitte (1843-1903) angeregten einheitlichen Bebauungsplan und der Fülle ihrer herausragenden Architekturbeispiele. Die Besiedlung erfolgte in offener Bauweise mit Villen und herrschaftlichen Wohnsitzen entlang geschwungener und gerader Straßen. Die Bebauung Marienburgs beginnt um die Mitte der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts und ist im wesentilchen gegen Ende der zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts abgeschlossen. Damit läßt sich über einen Zeitraum von etwa 40 Jahren an einer Fülle hervorragender Beispiele die Entwicklung der Architektur vom ausgehenden Historismus über den Jugendstil, dem Expressionismus und den verschiedenen Zwischenstufen bis hin zur Moderne verfolgen.

Unter den Architekten finden sich zahlreiche namhafte Persönlichkeiten - die Bauherren sind oft bedeutende Kölner Bürger. Joseph Maria Olbrich (1867-1908) reifste Leistung - die Villa Feinhals - entstand hier; Namen wie Paul Bonatz (1877-1956), Otto March (1845-1913), Bruno Paul (1874-1968) sind mit Marienburg eng verbunden aber auch viele Kölner Architekten wie Dominikus Böhm (1880-1955), Franz Brantzky (1871-1947), Theodor E. Merrill (1891-1978), Emil Mewes (1885-1949) & Alfons Bischoff (?-?), Carl Moritz (1863-1944), Wilhelm Riphahn (1889-1963), Emil Schreiterer (1852-1927), Paul Pott (1882-1966) und eben auch Hermann Pflaume (d.J.) (Neffe) (1869-1921). Durch diese konzentrierte Anordnung herausragender Villenarchitektur entstand ein Ensemble, das in dieser Geschlossenheit in Deutschland nur noch in den Berliner und Münchner Villenvororten anzutreffen ist.

Die Villen Marienburgs sind zudem stets als Gesamtkunstwerk verstanden worden, mit einer Einbettung in eine große Parkanlage, im Inneren mit Wandmalereien und Holzvertäfelungen und häufig mit einem für das Haus entwofenen Mobiliar.

Die Villa Bayenthalgürtel 19 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandeil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorot Marienburg". Da das Bauwerk zudem in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung zur Moderne dokumentiert, ist es, als Bestandteil der architektonischen Vielfalt, für das Erscheinungsbild Marienburgs unverzichtbar.

Die Villa Bayenthalgürtel 19 ist in ihrer überaus repräsentativen Gesamtkonzeption als auch in der sorgfältigen Durchbildung aller Details ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Mit der dem Architekten Hermann Pflaume eingenen reichen Gestaltungskraft ist die Villa unter Weglassung alles Überflüssigen klar und eindringlich entworfen worden. Hierin zeigt sich der Einfluß des Deutschen Werkbundes, der die Rückgewinnung einer "ehrlichen" Architektur anstrebte, worunter er - unter Verwendung sogenannter "natürlicher" Materialien wie Ziegel, Werkstein, Holz und Metall im Gegensatz zum Gründerzeitstuck - eine aus sich selbst sprechende Architektur verstand.

Der Architekt Pflaume hat vor dem ersten Weltkrieg maßgeblich das städtebauliche Erscheinungsbild Köln mitgeprägt, was vor allem in seinen für Wirtschaft und Verwaltung errichteten Repräsentationsbauten ablesbar ist, wie etwa bei der Cölnischen-RückversicherungGesellschaft in der Gertrudenstr. (Altstadt-Nord), beim Haus Hindenburg am Neumarkt oder am Olivandenhof in der Zeppelinstr.. Daneben hat er bemerkenswerte Reihenhäuser in der Vorgebirgstraße und viele Villen in Lindenthal und Marienburg errichtet. Die Villa Bayenthalgürtel 19 ist ein unverzeichtbarer Bestandteil seines OEuvres, das noch nicht annähernd wissenschaftlich bearbeitet ist. Zudem ist das Bauwerk ein hervorragendes Zeugnis der Architekturentwicklung kurz vor dem ersten Weltkrieg, das es, wie in § 1, Abs. 1 DSchG NW festgelegt, instensiv zu erforschen gilt.

Referenz: 2201


Das Denkmal hat die Nummer 3989 und ist seit dem 9. Dezember 1986 geschützt.

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