Wohnhaus

Leyboldstr. 54b, 50968 Köln - Marienburg

Architekt: Hanns Koerfer (1909-1994)

  • zwei Geschosse
  • Putzfassade mit Werksteingliederungen
  • Sti: sog. "Stuttgarter Schule"

 

Das Haus ist nach Aussage des heutigen Besitzers von dem Kölner Architekten Hanns Koerfer 1936 errichtet worden. Bauherrin war die Witwe des Professors Paul Frangenheim. Das gestaffelte Bauwerk mit flachem, ziegelgedecktem Satteldach gehört mit seiner funktionsorientierten, landschafts-bezogenen Architektur zu der von der sog. "Stuttgarter Schule" in den zwanziger Jahren entwickelten modernen Architektur, die sich unter Einbezug des handwerklichen Könnens des neunzehnten Jahrhunderts, einem traditionsgebundenen, lokalen Baustil verbunden fühlte.

Fassade (Straße)

Die verschiedenen Baukörper sind ruhig aus dem giebelständigen Hauptkubus entwickelt worden, dem sie durch Verschneidungen adaptiert sind. Zur Straße zeigt sich das Haus mit unauffälligem, aus der Achse gerücktem Eingang mit schlichter Werksteinrahmung, zu dem der seitliche, risalitähnliche Vorbau - ebenfalls übergiebelt - ins Gleichgewicht gebracht ist.

Die Architektur läuft mit niedrigen Bauteilen (Garage und Wohnzimmerannex) zu beiden Seiten aus. Unterschiedlich große Fensteröffnungen sind funktionell in die helle Putzfassade eingelassen, wobei im Erdgeschoß schmiedeeiserne Gitter mit Ornament und im Obergeschoß ein dichtes Netz aus feinen Sprossen und dunklen Schlagläden die Gliederung der Flächen unterstützen.

Rückfront

Die südseitige Rückfront des Hauses öffnet sich über eine Terrasse und eine Obergeschossloggia dem Garten, der dem zeitgenössischen Wunsch nach Natürlichkeit und Sparsamkeit entspricht.

Inneres

Wie schon die Außenarchitektur zeigt, ist der Grundriß nicht symmetrisch-hierarchisch, sondern die "Privatheit" der Architektur einlösend, funktional-additiv aufgebaut. Nach Süden zum Garten sind im Erdgeschoß der Hauptwohnraum, wie auch die wichtigsten (Schlaf-) Räume des Obergeschosses angeordnet. Dem Wohnablauf unauffällig angepaßt sind die Diele und das Treppenhaus. Eine Holzbalkendecke mit feinen Profilen im Flur des Obergeschosses ist das einzige "emotionale" Zugeständnis an die ansonsten sachliche Innenarchitektur. Außer einem späteren Erdgeschoßanbau an der Gartenseite ist das Haus noch original erhalten, so das Holztreppenhaus, die Türen und Fenster.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villen-Kolonien in Deutschland womit sie aus historischer Sicht zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln gehört. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist.

Das Haus Leyboldstr. 54 b ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Das Haus Leyboldstr. 54 b ist in seinen ausgewogenen Proportionen und in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerische Qualität und Bedeutung. Der Architekt Hanns Koerfer legte, zur Vermeidung von Stereotypen, Wert darauf, auch das kleine Haus mit "natürlichen" Materialien jeweils individuell bis in letzte Details durchzukonstruieren. Stilistisch lehnt sich das Bauwerk an das vier Jahre früher errichtete linke Nachbarhaus von Joseph Op Gen Oorth (1895-1973). Wie dieses ist auch das Frühwerk von Hanns Koerfer den Architekturprinzipien der "Stuttgarter Schule" verpflichtet. Diese hat die in den zwanziger Jahren aufkommenden Ideen des "Neuen Bauens" mit einem traditionellen, lokalen Stilmerkmal adaptierenden Formenkanon unterlegt. Mit der Wahl eines flachen Satteldaches, den verputzten Wandflächen und den Sprossenfenstern wird ein emotionaler Bezug zu "heimatlichen Wohnbauten" hergestellt und mit konkreten Wohnbedürfnissen verschmolzen. Bezeichnend ist, daß die unterschiedlichen Raumnutzungen mit ihrem individuell angepaßten Funktionsschema die innere Organisation nach außen sichtbar werden lassen.

Der Kölner Architekt Hanns Koerfer (1909-1994) ist in den fünziger Jahren mit Punkthäusern, Bank- und Versicherungsbauten (u. a. Kölnische Rückversicherung, Deutscher Ring, Gerling-Anschlußbauten an das ehemalige Stadtarchiv) bekannt geworden. Das Frühwerk Leyboldstr. 54 b stellt innerhalb der Arbeit von Hanns Koerfer einen wichtigen Aspekt dar. Darüber hinaus ist das Bauwerk ein wichtiges Dokument des privaten Baustils Mitte der dreißiger Jahre, an dessen weitergehenden Erforschung ein wissenschaftliches Interesse besteht.

Referenz: 5704


Das Denkmal hat die Nummer 3730 und ist seit dem 15. September 1986 geschützt.

Denkmal <Wohnhaus> bearbeiten
Zum Denkmalkatalog Kommentar zum Denkmal abgeben