Wohnhaus

Germanicusstr. 8, 50968 Köln - Marienburg
Errichtet: 1924


Villa

Architekt: Paul Bonatz (1877-1956)

  • ein Geschoss, ausgebautes Dachgeschoss
  • Putzfassade
  • Stil: sog. "Stuttgarter Schule"

 

Der Bau ist unter Einbezug lokaler Stilmerkmale entsprechend den Architekturprinzipien der sogenannten Stuttgarter Schule konstruktiv einfach und frei von romantisierendem Dekor für den Kölner Kaufmann W. Strenger errichtet worden. Die Architektur folgt dem Anspruch der Einheit von Haus und Garten (Hermann Muthesius (1861-1927), wodurch sie der Natur gleichsam eingeschmolzen wird.

Ein im Norden gering vorspringender Eingangsvorbau sowie ein die Eckstraßenlage berücksichtigender, eingeschossiger Flügelbau im Osten variieren den längsrechteckigen Grundriß. Das niedrig wirkende, sockellose Erdgeschoß, dessen Putzflächen nach Norden von wenigen kleinen Fenstern, dagegen im Süden von mehreren Fenstertüren und weiteren großen Lichtöffnungen durchbrochen sind, wird von einem mächtigen ziegelgedeckten Steildach überfangen.

Wohnbedürfnisse bestimmen vorrangig die Architektur. An der durchsonnten Gartenseite liegen die Hauptwohnräume - das großzügige, abgwinkelte Wohnzimmer und das Speisezimmer mit ihrem profilierten Deckenrandstuck. Die unmittelbare Verbindung zur umgebenden Natur erfolgt über die geschoßhohe Durchfensterung mit davor liegender Terrasse, der integrierten Veranda und dem Mittelaufbau mit Balkon hinter dem Elternschlafraum liegt. Dem gegenüber sind an der schattigen Nordwestecke die Wirtschaftsräume - Küche, Speisekammer und Anrichte - angeordnet. Ende der 70er Jahre ist der Ostflügel durch sich behutsam einfügende Anbauten erweitert worden. Abgesehen von einigen Details, wie etwa die Anordnung zusätzlicher Dachflächenfenster, eine neue Türöffnung zum Garten und ähnliches, ist die Villa noch vollständig erhalten - so das große Holztreppenhaus, die meisten Türen und die stark mit Sprossen durchrasterten Fenster mit ihrer Vergitterung im Erd- und den Schlagläden im Dachgeschoß.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villen-Kolonien in Deutschland, womit es aus historischer Sicht zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln gehört. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschießlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist.

Das Haus Germanicusstr. 8 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtbaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch die Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Die Villa Germanicusstr. 8 ist in ihren ausgewogenen Proportionen und in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Unter strenger Beachtung der Forderung nach "absoluter Einheit von Haus und Garten" ist von Paul Bonatz Anfang der zwanziger Jahre ein Wohnhaus geschaffen worden, das den Ideen des "Neuen Bauens" in idealer Weise entsprach. Entsprechend wurde die Villa mehrfach als herausragendes Beispiel der Anfänge der modernen Architektur publiziert (vgl. vor allem Moderne Bauformen 24.1925, Heft 3).

Das Haus Germanicusstr. 8 ist ein erstes wichtiges Beispiel für den endgültigen Bruch mit der starren, formalästhetischen Architektur des Historismus. Gewordene, das heißt aus der Geschichte überkommende, lokalen Bedingungen folgende, Formen werden von Bonatz zu "einfachen" Konstruktionen zusammengefügt, deren Unaufdringlichkeit den Begriff vom "horizontalen Landschaftsbau" evozierte. Unter Berücksichtigung lokaler Architektur, wie sie etwa in der Wahl von Steildächern, verputzten Wandflächen, Sprossenfenstern zum Ausdruck kommt, wird der emotionale Bezug zu "heimatlichen Wohnbauten" hergestellt und mit konkreten Wohnbedürfnissen verschmolzen.

Bei seinen Wohnhausbauten verzichtete Bonatz auf die sonst von ihm geforderte Repräsentanz, wodurch sich ihm die "subtile Nachzeichnung rustikaler Formen" (Benevolo) erschloß. Der international bekannte Paul Bonatz (1877 - 1956) war das profilierteste Mitglied der sogenannten Stuttgarter Schule, was ihn als bedeutenden Vertreter des "Neuen Bauens" ausweist. Diese nach dem 1. Weltkrieg sich etablierende Architekturrichtung verhalf der schon vor dem Krieg sich formierenden Avantgarde mit ihren Ideen vom "modernen Funktionalismus" zum Sieg. Gestaltungsprinzipien waren jetzt: die klärende Vereinfachung der Baukuben, die Zweckmäßigkeit der Grundrisse, der sparsame Umgang mit Ornamenten, das formbare Dach. In Köln hat Paul Bonatz noch mehrere andere Villen in Marienburg, das Richmodishaus am Neumarkt und das Kontorhaus Reifenberg errichtet. Sein bekanntestes Werk ist der Stuttgarter Hauptbahnhof, der mehrere Nachahmungen erfahren hat. Die Villa Germanicusstr. 8 stellt innerhalb der Arbeit von Bonatz einen wichtigen Aspekt dar. Darüber hinaus ist das Haus ein wichtiges Zeugnis der Architekturentwicklung Anfang der zwanziger Jahre, an deren weitergehenden Erforschung ein wissenschaftliches Interesse besteht.

Referenz: 4001


Das Denkmal hat die Nummer 3727 und ist seit dem 11. September 1986 geschützt.

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