Wohnhaus

Robert-Heuser-Str. 6, 50968 Köln - Marienburg
Errichtet: 1905


Villa

  • zwei Geschosse
  • drei Achsen (Straßenfassade)
  • Putzfassademit Backsteinsockel
  • Stil: Jugendstil

 

Das Haus  ist laut Grevens Adressbuch für den Rentier Jakob Dreyer errichtet worden.

Fassade

Über einen hohen Backsteinsockel erhebt sich die zweigeschossige, verputzte Villa, deren ziegelgedeckter Satteldachabschluß durch Giebel und durchfensterten Dachaufbauten zu einer lebendigen Dachlandschaft geformt wurde.

Die straßenseitige Hauptfassade wird von einem polygonalen, übergiebelten Eckrisaliten beherrscht, der mit dem großen Korbbogenfenster des Erdgeschosses und dem flachen, Ober- und Dachgeschoß verbindenden Erker überaus schmuckvoll gestaltet ist. Die profilierte 2/3-Rahmung des Erdgschoßfensters wird mit ihrer geschwungenen Form vom wellenförmig verlaufenden Kämpfer aufgenommen, über dem die Oberlichter mit sehr feinen ebenfalls geschwungenen Sprossen netzförmig überzogen sind. Darüber steigt der zweigeschossige Erker auf, in dessen Gefache Fenster und dazwischenliegend Jugendstilreliefs eingebunden sind.

Bekrönt wird die Eckarchitektur vom durchfachten Dreiecksgiebel, dessen Schwelle und Kehlbalken kunstvoll ornamentiert sind. Ein weiteres, ebenfalls mit profiliertem Korbbogen überwölbtes Fenster mit vorgelagertem geschwungenen Balkon setzt auf der flächigen Putzfassade einen bestimmenden Akzent. Ansonsten wird die Straßenfront durch Zwillingsfenster mit profilloser 2/3-Rahmung ruhig gegliedert.

Der Eingang an der linken Seite des Hauses ist mit ionischen Säulen und einer aufwendigen Giebelarchitektur zu einer repräsentativen Portallösung gesteigert worden.

Die Auflösung der rückwärtigen Gartenfront mit Loggien sowie ein weiterer Giebel an der dem Eingang gegenüberliegenden Seite vervollständigen die vielfältigen Übergänge vom Haus zu seiner Umgebung.

Inneres

Im Inneren der Villa ist der Originalzustand fast vollständig erhalten geblieben,

  • das großzügige Holztreppenhaus mit seinen rot-grünen Fliesen im Entrée
  • die reichen Jugendstilstuckdecken im Erdgeschoß
  • Türen und Fenster

 

Hervorzuheben ist der überaus gute Erhaltungszustand des Hauses.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villen-Kolonien in Deutschland, womit sie aus historischer Sicht zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln gehört. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist.

 

Das Haus Robert-Heuser-Str. 6 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Das Haus Robert-Heuser-Str. 6 ist wie oben ausgeführt in seiner phantasievollen Gestaltung, als auch in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung.

Mit seinem vielfach durchgiebelten Dachaufbau, den malerischen Giebelgefachen, den segmentbogenförmigen, durchfachten Erkern und den großen Korbbogenfenstern des Erdgeschosses gehört das Bauwerk zu jener Reformarchitektur kurz nach der Jahrhundertwende, die unter dem Begriff "Jugendstil" eine Überwindung der als eklektizistisch angesehenen Gründerzeitarchitektur anstrebte.

Stilistisch gehört es zur vom Deutschen Werkbund beeinflußten Reformarchitektur bald nach der Jahrhundertwende, die mit der Verwendung sogenannter "ehrlicher" Materialien - im Gegensatz zum Stuck - die einzelnen Funktionen eines Bauwerks außen erkennbar werden lassen.

Der Dekor ist im Jugendstil entlehnt, einer um 1900 international verbreiteten Kunstrichtung, die, in schöpferischer Auseinandersetzung mit der sich stürmisch entwickelnden industriellen Produktion, nach einer neuen Formensprache suchte. Die Forderung des Deutschen Werkbundes nach qualitätvoller, funktionsgerechter Verwendung der Baumaterialien unter Ausnutzung des handwerklichen und industriellen Niveaus der Zeit ist an allen Details des Hauses ablesbar. Es entstand so eine repräsentative Villa, die ein hervorragendes Zeugnis der Architekturentwicklung zu Anfang des Jahrhunderts darstellt, an dessen weitergehenden Erforschung ein wissenschaftliches Interesse besteht.

Referenz: 7492


Das Denkmal hat die Nummer 3702 und ist seit dem 15. August 1986 geschützt.

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