Wohnhaus

Marienburger Str. 19, 50968 Köln - Marienburg
Errichtet: 1926 (inschriftlich datiert)


Villa

Architekt: Paul Bonatz (1877-1956)

  • zwei Geschosse, Dreiflügelanlage
  • Stil: englischer Landhausstil mit barocken Formelementen

 

Fassaden

Die Villa Marienburger Str. 19 ist für den Kölner Kaufmann Dr. Orla Arntzen errichtet worden. Dem Wunsch des Bauherrn entsprechend, hat Paul Bonatz  eine Dreiflügelanlage im englischen Landhausstil entworfen, der überwiegend mit einer barocken Formensprache kombiniert wurde.

Der Hauptbau der schlossartigen Anlage ist quer zwischen die beiden Wirtschaftsflügel gespannt und öffnet sich auf seiner südlichen Rückseite mit zwei ausgeprägten Seitenrisaliten dem weitläufigen Gartenpark. Nach Norden im Hofbereich sind die drei Flügel eingeschossig mit sehr hohem Mansarddach entworfen, das sich beim Hauptbau auf der rückwärtigen Südseite zugungsten zweier Vollgeschosse zu einem Walmdach zurückbildet.

Der Eindruck barocker Schloßarchitektur wird durch eine aus der Fassadenfläche vortretende Eckquaderung gesteigert, die die hellen Putzflächen einrahmt. Dazu gehört auch, dass die Fenster mit einer in Putz reliefartig und farbig abgesetzten, werksteinartigen Rahmung versehen sind.

Der mittig angeordnete Eingang im Hauptflügel wird durch die von den Gebäudekanten übernommene Quaderung, einem fein profilierten Werksteingewände und dem üppig halbrund vorkragenden Vordach in seiner Bedeutung hervorgehoben.

Die Mansarden werden durchweg von hohen, stark mit Sprossen durchrasterten Fenstern mit mehrfach profilierten, segmentartigen Sturzbögen durchbrochen. Die ursprünglich mit Tonziegeln versehenen Dächer sind heute mit Biberschwänzen gedeckt.

Ein polygonaler Treppenturm sowie eine rundbogig durchbrochene Terrasse mit Balustraden bilden die Verbindungen vom Hauptbau zu den Wirtschaftsflügeln, dem Küchentrakt im Osten und der gegenüberliegenden Remise.

In ihrer Formensprache folgen die Seitenflügel dem Hauptbau, wobei das Treppenhaus der Remise zusätzlich von einem geschweiften Giebel bekrönt wird.

Inneres

Das Innere der Villa ist ganz den Intentionen englischer Landhausarchitektur unterworfen. Alle Haupträume sind nach Süden zum weitläufigen Garten hin ausgerichtet. Von der zentralen Bibliothek gehen das Speisezimmer, mit seiner für die damaligen Zeit hochmodernen indirekten Deckenbeleuchtung und der mit rocaillenförmigen Deckenstuck gemschmückte Salon ab.

Zur Innenausstattung der Haupträume gehören zusätzlich

  • Holzlambrien
  • Kamine im Salon und in der Bibliothek
  • Marmortürgewände
  • vornehmer Deckenrandstuck 

 

Es sind noch original erhalten.

  • der repräsentative Treppenlauf in der Eingangshalle
  • die überwiegende Zahl der Türen, einschließlich der Eingangstür, mit ihren Originalbeschlägen
  • die Heizkörperverkleidungen
  • die meisten Fenster 

 

Umbauten

Im Jahre 1954 sind von dem Architekten Hanns Koerfer (1909-1994) Umbauten vorgenommen worden, auf die unter Umständen die Jahreszahl über dem Eingang zur Remise hinweist. Die behutsamen Veränderungen beziehen sich im wesentlichen auf die Rückseite der Villa. So ist der Wintergartenvorbau des östlichen Risaliten vergrößert und im Obergeschoß zur Altane ausgebaut worden. Die Fenster des Obergeschosses und die mittige Tür zum Garten sind vergrößert; statt Fenster führen heute zusätzliche Türen von den Risaliten auf die Terrasse. Bei der Dachneueindeckung ist die rückwärtige expressionistische anmutende Dachgaube nicht mehr erneuert worden. Es muß hervorgehoben werden, daß alle Umbaumaßnahmen Koerfers mit einem ausgeprägten Gefühl für die Architektur von Paul Bonatz durchgeführt wurden.

 

Die Villa Marienburger Str. 19 ist in ihrer überaus großzügigen Gesamtkonzeption und in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Der Stuttgarter Architekt Paul Bonatz hat unter bewußtem Einbezug barocker Stilformen ein repräsentatives Herrschaftshaus mit Wirtschaftsanbauten geschaffen, das in seiner Grundrißgestaltung den pragmatischen Ideen englischer Landhausarchitektur folgt, was auch in der Anbindung an den parkartigen Garten dokumentiert wird.

Als profiliertester Vertreter der sog. Stuttgarter Schule hat Paul Bonatz die Synthese gesucht zwischen gewordenen, das heißt aus der Geschichte überkommenden, lokalen Bedingungen folgenden, Formen einerseits und den Ideen vom "modernen Funktionalismus" andererseits. Es gelang ihm so dem Wunsch des Bauherren nach Repräsentanz mit konkreten Wohnbedürfnissen zu verschmelzen. Mit der "subtilen Nachzeichnung rustikaler Formen" (Benevolo) und deren Einbettung in die vorgefundene Landschaft ist die Forderung nach der Einheit von Haus und Garten eingelöst worden.

Die Qualität ihrer Architektur hat bei der Villa zu mehreren Veröffentlichungen geführt, so in Friedrich Tamms (Hrsg.), Paul Bonatz, Arbeiten aus den Jahren 1907 bis 1937, Stuttgart 1937; Heinrich Forthmann, Architekt, Köln am Rhein, 1927 (Forthmann übernahm die Bauleitung für Paul Bonatz bei diesem und anderen Bauten in Köln); Stuttgarter Beiträge, H. 13, 1977, Paul Bonatz (1877 - 1956).

Der international bekannte Architekt Paul Bonatz ist als Vertreter der Stuttgarter Schule an der Überwindung der starren, formalästhetischen Architektur des Historismus maßgeblich beteiligt. Die Gestaltungsprinzipien des "Neuen Bauens" bezogen sich auf

  • die Vereinfachung der Baukuben
  • die Zweckmäßigkeit der Grundrisse
  • den sparsamen Umgang mit Ornamenten
  • das formbare Dach

 

In Köln hat Paul Bonatz noch mehrere andere Villen in Marienburg, das Richmodishaus am Neumarkt und das Kontorhaus Reifenberg errichtet. Sein bekanntestes Werk ist der Stuttgarter Hauptbahnhof, der mehrere Nachahmungen erfahren hat. Die Villa Marienburger Str. 19 stellt innerhalb der Arbeit von Bonatz einen wichtigen Aspekt dar. Darüber hinaus ist das Haus ein bedeutendes Zeugnis der Architekturentwicklung Mitte der zwanziger Jahre, an deren weitergehenden Erforschung ein wissenschaftliches Interesse besteht.

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Durch die Vielzahl seiner im originalen Zustand erhaltenen Bauten zählt Marienburg zu einer der geschlossensten VillenKolonien in Deutschland. Aus historischer Sicht gehört der Vorort zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln, da er, anders als die sonstigen Bereiche der Stadt, im Krieg weitgehend von Zerstörungen verschont blieb. Ihre über die Grenzen Kölns hinausreichende Bedeutung erhält die Villenkolonie durch den von Camillo Sitte (1843-1903) angeregten einheitlichen Bebauungsplan und der Fülle ihrer herausragenden Architekturbeispiele.

Die Besiedlung erfolgte in offener Bauweise mit Villen und herrschaftlichen Wohnsitzen entlang geschwungener und gerader Straßen. die Bebauung Marienburgs beginnt um die Mitte der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts und ist im wesentlichen gegen Ende der zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts abgeschlossen. Damit läßt sich über einen Zeitraum von etwa 40 Jahren an einer Fülle hervorragender Beispiele die Entwicklung der Architektur vom ausgehenden Historismus über den Jugendstil, dem Expressionismus und den verschiedenen Zwischenstufen bis hin zur Moderne verfolgen.

Unter den Architekten finden sich zahlreiche namhafte Persönlichkeiten - die Bauherren sind oft bedeutende Kölner Bürger. Joseph Maria Olbrichs (1867-1908) reifste Leistung - die Villa Feinhals - entstand hier; Namen wie Paul Bonatz (1877-1956), Otto March (1845-1913), Bruno Paul (1874-1968) sind mit Marienburg eng verbunden aber auch viele Kölner Architekten wie Dominikus Böhm (1880-1955), Franz Brantzky (1871-1947), Theodor E. Merrill (1891-1978), Emil Mewes (1885-1949) & Alfons Bischoff (?-?), Carl Moritz (1863-1944), Wilhelm Riphahn (1889-1963), Emil Schreiterer (1852-1927), Paul Pott (1882-1966) und eben auch Emil Felix (?-?). Durch diese konzentrierte Anordnung herausragender Villenarchitektur entstand ein Ensemble, das in dieser Geschlossenheit in Deutschland nur noch in den Berliner und Münchner Villenvororten anzutreffen ist.

Die Villen Marienburgs sind zudem stets als Gesamtkunstwerk verstanden worden, mit einer Einbettung in eine Großparkanlage, im Inneren mit Wandmalereien und Holzvertäfelungen und häufig mit einem für das Haus entworfenen Mobiliar. Die Villa Marienburger Str. 19 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Da das Bauwerk zudem in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung zur Moderne dokumentiert, ist es, als Bestandteil der architektonischen Vielfalt, für das Erscheinungsbild Marienburgs unverzichtbar.

Referenz: 6040


Das Denkmal hat die Nummer 3664 und ist seit dem 14. Juli 1986 geschützt.

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